Das Rocas Blancas in Santa Pola an der Costa Blanca.
+
Vom Pauschalhotel, über ein Möchtegern-Bordell zur Ruine: Das Rocas Blancas in Santa Pola an der Costa Blanca sucht einen Käufer.

Hotelkauf per App

Geister-Hotel an der Costa Blanca: Zu kaufen auf Wallapop

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
    schließen

Ein Gangsterboss namens Casper wollte das Hotel „El Rocas Blancas“ in Santa Pola an der Costa Blanca einst zum größten Bordell Europas machen, doch irdische und himmlische Gerichtsbarkeit kamen ihm zuvor. Nun steht das verwünschte Haus wieder zum Verkauf. Ist der Spuk damit vorbei?

Santa Pola – Das Hotel „El Rocas Blancas“ in Santa Pola ist nicht einfach irgendeins der vielen Geisterhotels entlang der Costa Blanca, es ist das Geisterhotel schlechthin, denn es gehörte einst Casper, alias Ángel Flores, dessen Geist hier immer noch durch die Flure spuken soll. Seit 2010 stellte das Allerwelts-Küstenhotel mit 90 Doppelzimmern, alle mit Balkon und Meerblick, seinen regulären Betrieb ein, weil das Benidorm-Hotel-Konzept an der auf Residenzialtourismus geeichten Südküste der Costa Blanca nicht richtig auf und die Betreiberfirma Pleite ging.

Hotel in Santa Pola in bar bezahlt: Gangster Casper verzettelte sich

Ästhetik des Verfalls: Szenerie am Hotel Rocas Blancas in Santa Pola im Süden der Costa Blanca.

Auch die quasi unüberwindliche Nationalstraße N-332 vor der Tür soll ein nicht wesentlicher Grund für das Fernbleiben von Touristen oder Restaurantbesuchern gewesen sein. Da half auch die Umtaufung in "JM***" nichts, sie brachte keinen Schwung mehr in den Betrieb, obwohl im Internet immer noch Seiten vagabundieren, auf denen man angeblich Zimmer für das seit über einem Jahrzehnt geschlossene Hotel nur 15 Kilometer südlich von Alicante buchen kann.

In den Fluren und Zimmern des Hotel Rocas Blancas in Santa Pola soll es angeblich spuken. Kein Wunder, der letzte Besitzer hieß Casper.

Das sechsstöckige Haus, einst berühmt-berüchtigt für seinen Bankettsaal „Kristallpalast“, diskretes Personal und schummrige SPAs, gammelte vor sich hin, war Schauplatz von Besetzern, Junkies, You-Tube-Cineasten, bis 2012 Casper kam. Der Drogenbaron und mehrfach vorbestrafte Flores bezahlte lächerliche 800.000 Euro, um das 3-Sterne-Haus in Europas größtes Bordell zu verwandeln, - hier wäre die Nähe der Landstraße wieder willkommen gewesen. Die Summe soll er dem Verkäufer in kleinen Scheinen bar hingeblättert haben. Doch die Sache zog sich, auch weil Casper, Markenzeichen: Glatze, stechender Blick und äußerste Brutalität, viel Ärger zu managen hatte, neben dem Einkaufszentrum in La Coruña, das er gerade für 140 Millionen Euro frisch gewaschenen Geldes erworben hatte.

Hotel für 4,2 Millionen auf Wallapop: Diesmal aber mit Geldwäsche-Zertifkat bitte

2001 stahl Flores der Unternehmerin und Herzogin Esther Koplowitz 19 wertvolle Gemälde aus ihrer Villa, was weder sie noch die Gerichte vergaßen. Alles zusammen brachte ihm 2015 90 Jahre Haft ein, das Hotel-Bordell verfiel seitdem weiter. Im Februar 2021 starb Casper, auch als Óscar oder El Calvo (Der Kahle) bekannt, an Krebs im Gefängnis. Die Stadt fand bisher keinen neuen Käufer und die Erblasser versuchen es nun auf der Online-Plattform Wallapop, für 4,2 Millionen Euro – und diesmal mit Herkunftsnachweis für das Geld. Ein Schicksal wie jenes des Nachbarhauses El Arenales del Sol an einem der Strände von Elche, das nach ewigem Leerstand abgerissen werden muss, will Santa Pola dem El Rocas Blancas ersparen. Ein Bordell sich aber auch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare