Fernsehteam im Café in Calpe.
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Goodbye Deutschland in Calpe: Auswanderin Chiara Kübisch kommt ins Fernsehen.

Neues Leben im Ausland trotz Covid-19?

Goodbye Deutschland (Vox) in Calp: Coronavirus stellt Auswanderer auf eine harte Probe

  • vonStella Kirchner
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„Goodbye Deutschland“ ist in Zeiten des Coronavirus ein sehr ambitioniertes Ziel. Die Österreicherin Chiara Kübisch erzählt dem Fernsehsender Vox in Calpe, wie es trotzdem geht. 

Calpe – „Das sieht gut aus, aber schlag die Eier noch einmal für die Kamera“, ruft ein Kameramann, „Chiara, ich möchte noch ein Stück Kuchen“ eine Kundin und wieder ein anderer bestellt auf Spanisch „un café más“. So einen chaotischen Tag hat die Österreicherin Chiara Kübisch in ihrem Café Viena in Calpes Altstadt an der Costa Blanca in Spanien in letzter Zeit bedingt durch das Coronavirus selten gehabt. Der Besuch des Fernsehsenders Vox, der die Auswanderer-Dokusoap „Goodbye Deutschland“ dreht, bringt Leben in ihr kleines Reich aus Kaiserschmarrn, Sacher Torte und Wiener Melanche.

Goodbye Deutschland! Die AuswandererSendung
Erstausstrahlung15. August 2006
NominierungenDeutscher Fernsehpreis für das beste Factual Entertainment
Ausführende ProduzentenMichael Wulf, Bernd Schumacher

Goodbye Deutschland (Vox) in Calpe: Coronavirus erschwert Auswanderung

Auch bei der Gründung von Kübischs Café Vienna in Calpe im Jahr 2019 war das TV-Team von Vox schon dabei, zum Format gehört aber immer ein „Wiedersehensdreh“, nachdem einige Monate verstrichen sind. Beide Teile werden dann zusammengeschnitten ausgestrahlt. Meistens ist im zweiten Film zu sehen, wie sich die Auswanderer eingelebt haben und ihren Traum unter südlicher Sonne leben.

Doch da hat „Goodbye Deutschland die Rechnung ohne Corona gemacht. „Dieses Jahr ist schwer, das kann man nicht leugnen. Jeder kratzt momentan die letzten Cents aus den Ecken zusammen. Ich habe immerhin den Vorteil, dass das Gebäude mir beziehungsweise meiner Familie gehört“, blickt die österreichische Auswanderin traurig auf die letzten Monate ihrer jungen Selbstständigkeit in Calpe zurück.

Goodbye Deutschland (Vox) in Calpe: Auswanderin leidet unter Touristen-Einbruch durch Corona

An ihren vom Coronavirus ausgelösten Sorgen lässt die Österreicherin auch die Fernsehshow „Goodbye Deutschland“ teilhaben. „Ich kann kaum und manchmal gar nicht meine Fixkosten decken“, erklärt die Auswanderin sie unumwunden. Dabei sind alle Tische, die draußen in der kleinen Gasse in Calpe vor ihrem Café aufgestellt sind, voller Gäste. Aber der Schein trüge. Viele sind auch extra vorbeigekommen, um der jungen Cafébetreiberin Mut zuzusprechen. „So voll war es seit Wochen nicht“, macht die 26-Jährige klar.

Einige Gäste haben ihr aber auch bei der Vorbereitung auf den großen Tag geholfen, wie zum Beispiel Freundin Barbara Siegel. „Ich habe eine Nachtschicht eingelegt, damit Chiara mehr Kuchensorten anbieten kann als normalerweise“, erklärt die Wahl-Calpina. „Und geputzt haben wir auch, damit alles perfekt aussieht, wenn die Kamera da ist. Gemeinsam mit Freundin Siegrid Ludwig wohnt sie dem Dreh mit einem Sektfrühstück bei. „Überall in Calpe ist wenig los, wer so kurz wie Chiara dabei ist, hat es besonders schwer“, fühlt auch Ludwig mit.

Goodbye Deutschland? Coronavirus lässt Träume von Auswanderern nicht nur in Calpe platzen

Aufgeben kommt für Auswanderin Chiara Kübisch aber trotz der Coronavirus-Situation an der Costa Blanca nicht infrage. „Hoffentlich wird Goodbye Deutschland bald ausgestrahlt, dann werden wir einem großen Publikum bekannt“, freut sie sich schon. Aktuell ist sie aber in der Winterpause, die sie nutzt, um in Deutschland zu arbeiten. „Wenn keine Gäste im Café sind, dann werde ich fast depressiv“, so die Österreicherin. Kübisch ist mit ihrer brenzligen Situation nicht allein. Noch ernster ist die Situation in Calpe für Besitzer von Pubs und Nachtclubs, die vor dem wirtschaftlichen Aus stehen. „Jeder Auswanderer, den ich als Redakteurin begleite, ist durch das Coronavirus in finanzieller Not“, berichtet TV-Redakteurin Nicole Clouth, die Kübisch für Vox interviewt. „Bisher halten sich noch alle und wir führen auch Castings mit neuen Bewerbern durch, aber andere Produktionsfirmen haben schon Protagonisten verloren, die nach Deutschland zurückgegangen sind“, erklärt die Kölnerin.

Sie selbst produziert normalerweise jährlich etwa vier Folgen für Goodbye Deutschland, die restlichen Geschichten werden von anderen Redakteuren begleitet. Dieses Jahr sind es deutlich weniger. „Wegen der Corona-Auflagen in Deutschland und im Ausland lassen sich manche Folgen nicht beenden“, erklärt sie. „Zum Glück ist Spanien noch relativ offen, in keinem anderen Land spielen mehr Folgen“.

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