Reiseziele in Spanien in Coronavirus-Zeit

Guardamar lockt mit fabelhaften Stränden und baumbewachsenen Dünen

  • vonStefan Wieczorek
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Der Süden der Costa Blanca lockt nach der Coronavirus-Pause wieder Touristen an. Sagenhaft sind die Strände, die Guardamar mal fast unter sich begraben hätten.

  • Die Stadt Guardamar erstellt wegen Sars-CoV-2-Gefahr Dekalog für Sicherheit am Strand.
  • Die touristische Hafenstadt bei Alicante bietet elf Kilometer Strand mit Dünen und Wald.
  • Guardamar versank vor 100 Jahren fast im Sand - ein Ingenieur verhinderte die Katastrophe.

Guardamar - Auf Spanisch, Valencianisch und Englisch. In den Sprachen, die in Guardamar besonders oft zu hören sind, hat die Fischerstadt die „Zehn Gebote des sicheren Besuchs am Strand" aufgestellt. Notwendig sind die Regeln wegen des Coronavirus. Dank ihnen war Guardamar unter den ersten touristischen Zielen an der Costa Blanca, die in der Covid-19-Pandemie ihre bisher geschlossenen Strände wieder öffneten. Schon seit 1. Juni kann man im Strand-Paradies Guardamar, das mit tollen Dünen und einem herrlichen Kiefernwald lockt, wieder sonnenbaden.

Guardamar hat nach Coronavirus-Stopp seine Strände wieder geöffnet.

Die Landschaft der Strände von Guardamar, gewissermaßen ein Naturpark am Meer, ist an der Costa Blanca einzigartig. Elf Kilometer Strand bietet Guardamar. Dahinter erstreckt sich ein 800 Hektar großer Wald, vor allem aus Kiefern, aber auch allerlei typischen Gewächsen der Mittelmeerküste von Spanien. Von Palmen bis Eukalyptus ist alles dabei - zu bewundern, indem man das Netz aus Wegen und Holzstegen nutzt. In der Pinada, dem Wald am Strand, treffen sich Naturliebhaber und Touristen, die von der Stadt aus zum Strand laufen.

In Guardamar locken die Strände mit Entspannung, Natur und Sport

In zwei Teile sind die Strände von Guardamar geteilt. 1,6 der elf Kilometer befinden sich nördlich des Flusses Segura, der am Hafen im Meer mündet. Die Playa Els Tossals ist vor allem bei FKK-Urlaubern beliebt. Man erreicht ihn über die N-332-Abfahrt zum Camping Marjal, der am Fluss gegenüber des Sporthafens errichtet ist. Im Süden des Segura reihen sich sieben Strände aneinander, mal mit Natur-, mal mit Stadt-Ambiente. Alles dabei für Touristen, die am Meer entspannen, meditieren oder Sport machen wollen. Hier ein aktueller Tweet des Bürgermeisters:

Die Strände von Guardamar südlich des Segura sind: Vivers, Babilonia, die Stadt-Strände Centro und Roqueta sowie dann im Süden Moncayo, Campo und Ortigues, letztere wieder mit Stegen, die über die Dünen führen. Hier machen vor allem Familien gerne Urlaub, da größere Hotels direkt am Strand zum Genießen der Natur einladen - und der Trubel der lebhaften Fischerstadt in Ferne bleibt. Im Coronavirus-Jahr wird es ruhiger zugehen als sonst in Guardamar, das im Juli für Stadtpatron Santiago sonst ein großes Fest mit mächtigen Feuerwerken feiert.

Tourismus und Umweltschutz bietet Guardamar an seinen Dünenstränden.

In Guardamar spanische Küche ausprobieren: Riesengarnele und Ñora-Schote

In der Stadt dagegen bietet Guardamar eine Mischung aus spanischem Ortsleben und Strandurlaub an der Costa Blanca. Die Strände im Ort sind durch eine Promenade mit vielen Restaurants verbunden, die zum Ausprobieren von lokalen Gerichten einladen. In Guardamar sind es vor allem die Riesengarnele - langostino - und die Ñora-Schote, die der Paella einen einzigartigen Geschmack verleihen. Wer selbst kochen will, erhält frischen Fisch im Auktionshaus Lonja Pesquera in der Nähe des Sporthafens, Puerto Deportivo.

Auf dem Wochenmarkt, dem Mercadillo, gibt es in Guardamar Obst und Gemüse aus der Umgebung. Wegen Covid-19 steht der Markt von Guardamar - im Sommer 2020 jeweils am Mittwoch - an einer neuen Stelle, siehe Link. Neben der Ñora, die an den Stränden der Fischerstadt in einem uralten Verfahren (siehe Tweet unten) getrocknet wird, ist im Sommer auch die Zeit von regionalen landwirtschaftlichen Spezialitäten wie die Breva (Feige) aus Albatera oder die Melone und Weintraube aus dem Raum Elche.

Guardamar fast wie Atlantis: Ingenieur rettete Stadt vor Untergang

In Guardamar sollten beim Urlaub auch Kultur und Geschichte nicht zu kurz kommen. Das Archäologiemuseum MAG schildert die beeindruckenden Wurzeln der Stadt: Von der Bronzezeit über Iberer, Phönizier und Römer bis zu den Mauren waren alle alten Völker von der Stadt mit den Dünen am Meer angetan - und hinterließen zahlreiche Spuren. Das kulturelle Wahrzeichen der Stadt ist die iberische Dama de Guardamar, die im Original jedoch im Museum Marq in Alicante weilt.

Die Dama de Guardamar ist im Museum Marq in Alicante ausgestellt.

Unbedingt sollte in Guardamar auch ein Abstecher ins Gebäude hinter der Tourismusinfo am Rathaus erfolgen. Es ist das Museum im früheren Haus des Ingenieurs Francisco Mira, der die Stadt vor hundert Jahren vor dem Untergang bewahrte. Im 19. Jahrhundert war der Kiefernwald systematisch abgeholzt worden - für das Bauwesen und auch für Kriege. Das brachte die Dünen in Bewegung, die der Ostwind Levante in Richtung Stadt blies. Ein Heer aus Sand griff Guardamar an und begrub bereits die ersten Häuser. Atlantis ließ grüßen.

Mira rettete Guardamar - doch nun zerstört der Klimawandel die Bäume

Die ersten Bewohner flohen aus Guardamar. Bis der junge Bauingenieur aus Aspe die Bühne betrat und mit Dekret vom König ein Projekt von unglaublichen Dimensionen in die Wege leitete: Hunderte Menschen - aus dem Ort und auch Einwanderer - pflanzten neue Bäume an, schaufelten Sand, bauten unterirdische Dämme und richteten so die Dünen künstlich wieder auf. Statt eine versunkene Stadt zu werden, blieb Guardamar am Leben. Francisco Mira wurde zur Legende. Sehen Sie selbst, im Video zum gerade restaurierten Museum:

Quer durch Guardamar sind Andenken an Ingenieur Mira verteilt. Nicht nur dessen Genialität, auch sein Optimismus in scheinbar verlorener Lage sind in Erinnerung geblieben - und auch für heute von universeller Bedeutung. Man denke an die Auswüchse der Globalisierung, ganz aktuell die Coronavirus-Pandemie, oder den Klimawandel. Dieser macht sich auch in Guardamar bemerkbar. Ausgetrocknete Bäume, von Seuchen heimgesucht, lassen den Wald am Meer wieder sterben.

Tourismus in Guardamar: Den Anfang machte - wer sonst? - Ingenieur Mira

Das Land Valencia hat in Guardamar bereits einen millionenschweren Aufforstungs-Plan verabschiedet. Doch das reicht nicht, wenn nicht die Bürger mitmachen. Auch das zeigt die Stadt am Fluss, der hier, an seiner Mündung, den Müll aus dem ganzen Hinterland ausspuckt. Greenpeace und Co. verschafften Guardamar daher schon als abschreckendes Beispiel für den Umgang mit der Umwelt zweifelhaften Ruhm. Ein neuer Francisco Mira, mit einem genialen Masterplan fürs Jahr 2020, ist bisher nicht in Sicht.

Allerdings hinterließ der Retter von Guardamar Hinweise. Solche wie einen um den internationalen Tag der Umwelt am 5. Juni wieder zitierten Satz. „All das schaffte man dank der Bäume, den besten Freunden und gütigsten Wohltätern der Menschheit“, sagte Mira, nachdem er die Katastrophe abgewendet hatte. Übrigens gilt er auch als der, der den Tourismus nach Guardamar holte. Nach gelungener Rettung soll er eines der ersten ortstypischen Häuschen für Sommerurlauber am Strand bewohnt haben.

Guardamar: Wald, Dünen und Häuschen für Urlauber am Strand.

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