Ein Blauhai schwimmt durchs Wasser.
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Wenn sich ein Blauhai der Küste nähert, ist er meist krank oder verletzt - so wie das Exemplar in Benidorm.

Blauhai an der Costa Blanca

Hai aus Benidorm: Todesursache überrascht Forscher

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Vor zwei Wochen tauchte ein Hai am Strand von Benidorm auf, kurz darauf wurde sein Kadaver angespült. Jetzt steht die Todesursache fest - und überrascht Forscher.

Benidorm/El Campello – Als vor zwei Wochen ein Hai mitten am Tag am Poniente-Strand von Benidorm auftauchte, war er zunächst vor allem eins: eine Touristenattraktion. Zwei Tage nach dem Besuch in Benidorm wurde schließlich der Kadaver des zweieinhalb Meter langen und 80 Kilogramm schweren Blauhais 30 Kilometer südlich an der Costa Blanca angespült, an der Küste von El Campello. Die Experten des Meeresforschungsinstituts Oceanogràfic nahmen den Hai mit nach Valencia, um den Kadaver dort zu untersuchen - und stellten eine überraschende Todesursache fest.

Blauhai
Gewicht110 kg (Erwachsener)
FamilieRequiemhaie (Carcharhinidae)
ArtBlauhai

Überraschende Todesursache: Hai aus Benidorm wurde offenbar angegriffen

So waren die Forscher vom Oceanogràfic zunächst davon ausgegangen, dass es sich bei dem Hai um ein gesundes Tier handle. Nach der Sichtung des Blauhais an der Costa Blanca waren die Experten von Valencia aus nach Benidorm gefahren und hatten es geschafft, den Hai einzufangen. „Die Tierärzte haben den Blauhai untersucht und keine sichtbaren Verletzungen feststellen können. Der Gesundheitszustand ist optimal“, hieß es anschließend vom Meeresforschungsinstitut. Die Experten nahmen dem Blauhai-Weibchen Blut ab, und brachten es aufs offene Meer hinaus, in der Hoffnung, dass das augenscheinlich gesunde Tier wieder in seine normale Umgebung zurückfindet. Erst die Obduktion des Kadavers hat jetzt die überraschende Todesursache offenbart: Ein Schwertfisch hatte den Hai offenbar tödlich verletzt.

Der Schwertfisch hatte den Blauhai offenbar knapp unter dem Auge erwischt und dort eine kleine, aber tödliche Wunde hinterlassen. Für die Experten in Spanien waren Zusammenstöße zwischen den beiden Meerestieren bis vor kurzem eine Unbekannte – doch jetzt gibt es immer mehr Fälle, die erforscht werden. So hatte etwa im Februar eine Passantin einen Blauhai in Carboneras an der Küste von Almería, Andalusien, am Strand gefunden: In einem Auge des Hais steckte zur Überraschung der Frau die Schwertspitze eines Schwertfisches. Schon einige Jahre zuvor hatten Wissenschaftler einen ersten Fall dokumentiert, bei dem es offenbar zu einem tödlichen Zusammenstoß zwischen Blauhai und Schwertfisch gekommen war, nämlich 2016 in Valencia. Wie die spanische Zeitung „El País“ berichtet, fand man das tote Tier an einem Strand in der Hauptstadt der Region Valencia und untersuchte den Kadaver. Dabei fanden die Experten die 18 Zentimeter lange Schwertspitze eines Schwertfisches im Gehirn des Hais.

Tödliche Angriffe von Schwertfischen auf Blauhaie überrascht Forscher

„Das Schwert teilte das Gehirn des Hais in zwei Hälften“, zitiert „El País“ den Meeresforscher Jaime Penadés von der Universität Valencia. „Wir waren damals sehr überrascht“, so der Experte weiter. Seitdem dokumentierten Wissenschaftler ähnliche Vorfälle in Italien und Libyen. Bis Juni 2019 hatten Penadés und sein Team fünf weitere tödliche Angriffe von Schwertfischen auf Blauhaien veröffentlicht, seitdem sind weitere hinzugekommen. Darunter auch der des Blauhais aus Benidorm, bei dem Penadés ebenfalls die Obduktion durchgeführt hat.

Hai als Urlaubs-Highlight an der Costa Blanca: Touristen beobachten das Tier in Benidorm.

Überraschend ist für die Experten an der Costa Blanca nicht nur der Angriff eines Schwertfisches auf einen Blauhai selbst, sondern auch die Präzision: „Alle Attacken zielten auf den Kopf, das heißt, es liegt eine Absicht seitens des Schwertfisches vor, es sind keine Zufalls-Angriffe. Dabei ist der Fisch sehr treffsicher, er zielt auf Augen und Gehirn, also vitale Strukturen im Körper“, erklärt Penadés weiter. Noch haben die Forscher allerdings zu wenige Fälle beobachten können, um Thesen aufstellen zu können, warum Schwertfische Haie tödlich verletzen. Ähnlich wie bei den Orcas, die in Spanien plötzlich Segelboote attackieren, stellen auch die tödlichen Begegnungen dieser Meerestiere die Wissenschaft vor Rätsel.

Angriff oder Zufall? Tödliche Verletzungen geben Rätsel auf

So ist zum Beispiel nicht geklärt, ob ein Schwertfisch einen Blauhai aktiv angreifen würde oder ob sich der Fisch vielmehr gegen einen Angriff des Hais verteidigt. Eine andere These ist, dass es sich gar nicht um Attacken handelt, sondern bei der schnellen Jagd auf Fischschwärme im Eifer des Gefechts zu Zufallsbegegnungen zwischen Haien und Schwertfischen kommt, die tödliche Verletzungen mit sich ziehen. Unklar ist auch, ob es sich bei den Zwischenfällen um ein neues Phänomen handelt, oder ob Schwertfische und Haie schon immer aneinander geraten sind, bislang aber die Wissenschaft keine Kenntnis davon hatte.

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