Klassenzimmer in SPanien.
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Die Stuhlbeine in den Klassenzimmern von Elda und Petrer bekamen 5.000 Wollmützchen verpasst.

Solidarität in der Schule

Integration mit der Stricknadel: Schüler in Alicante hören aufeinander

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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5.000 Wollmützchen sorgen in Schulen von Petrer und Elda in Alicante für gedämpfte Stimmung und gerade deshalb für Freude. Ein Projekt der Integration, das ganze Städte auf die (Stuhl)-Beine brachte. 

Petrer/Elda – 5.000 „Wollmützchen“ sollen dafür sorgen, dass sowohl der Lärm in den Klassenzimmern von Petrer und Elda im Alicantiner Hinterland abnimmt, als auch die Beschädigung der Bodenbeläge in den Schulen weniger wird. Die originelle Idee entwickelten die Schüler und die Elternvereine zusammen mit der Vereinigung Apanah Elda, die sich um die Integration und Förderung von Menschen mit schweren Hörschädigungen kümmert.

Gedämpfte Stimmung: Lärm in Klassenzimmern verhindert Integration und Entwicklung

Denn die kratzig knallenden Stuhlbeine auf dem harten Schulboden haben noch einen negativen Effekt, sie erschweren die Kommunikation für Kinder mit Hörschäden bis hin zu schmerzhaften Erfahrungen. Unter dem Motto: „Netze für die Integration knüpfen“, werkelten seit Juni 2021 hunderte Freiwillige an den kleinen Strickmützen für die Stuhlbeine, die nun in verschiedenen Farben für eine gedämpfte Stimmung sorgen – und sie so für alle aufhellen. Am 3. Dezember gab es für die Wollknäuel sogar einen Einweihungsakt. Für Anto Noya, Sozialarbeiterin von Apanah, ein „bewegender Moment“, just zum 25. Jahrestags des Bestehens des Vereins.

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Denn neben dem praktischen Effekt ging es bei der Aktion vor allem darum, die „normalen Menschen“ für die Sorgen von Menschen mit Behinderungen zu sensibilisieren und dass es manchmal einfach nur um kleine Gesten und Handgriffe geht, die, wenn man sie gemeinsam angeht, allen das Leben leichter machen. Denn die „akustische Kontamination“ beträfe auch gänzlich gesunde Kinder, die durch Lärm weniger konzentriert seien, permanente Geräuschpegel könnten die soziale Entwicklung sogar nachhaltig stören.

Vom Tourismusamt bis zu den Großmüttern: Projekt Stuhlbein bringt beide Städte auf Trab

Die Vereinigung Apanah stellte jedenfalls fest, dass man neben dem Hauptziel, die Lern- und Integrationsbedingungen für hörgeschädigte Kinder zu verbessern, noch eine ganze Reihe positiver Nebeneffekte auslöste. So wurde „Projekt Wollmützchen“ bald Angelegenheit beider Städte, das Tourismusamt stellte Räume zur Verfügung, Firmen spendeten Material und Jausen für die fleißigen Stricker und Großmütter wurden ebenfalls „integriert“, indem die ihre Stricktechniken an die Generation der Enkel weitergeben konnten. Natürlich, so Apanah, löst so ein Projekt nicht alle Probleme der Kinder mit Hörschäden, aber es zeige, „dass wir gemeinsam viel erreichen können und sei es am Anfang auch nur das Schaffen von ein bisschen mehr Verständnis.“

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