Der Blick von Jáveas Portitxol-Kreuz auf die idyllische Bucht, die Insel und das Meer
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Der Blick von Jáveas Portitxol-Kreuz auf die idyllische Bucht und das Meer.

Atemberaubende Ausblicke

Jáveas Portitxol-Bucht: Wo der Wald an der Costa Blanca das tiefblaue Meer küsst

  • vonSusanne Eckert
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Die Portitxol-Bucht in Jávea an der Costa Blanca bietet Wanderwege durch wilde Natur direkt am Meer - und einen Strand mit weiß-blauen Fischerhäuschen.

  • Ein alter Fischerpfad in der Portitxol-Bucht in Jávea an der Costa Blanca bietet spektakuläre Ausblicke.
  • Der Weg führt zu Jáveas idyllischem La-Barraca-Strand mit seinen blau-weißen Fischerhäuschen.
  • Der aufmerksame Wanderer kann extrem seltene Vögel in diesem Naturschatz in Jávea entdecken.

Jávea - Der Blick vom Tuffsteinkreuz Creu del Portitxol auf Jáveas Cabo-de-la-Nao-Halbinsel an der Costa Blanca ist unvergleichlich: links zwei kleine Gipfel des Cap Prim, rechts die Portitxol-Insel. Dazwischen liegt die See tiefblau bis zum Horizont, zwischen dem Festland und der Insel dagegen schimmern die Wellen türkisgrün. Ein Meer von hohen Kiefern erstreckt sich zu Füßen des Kreuzes, in ihm verschwinden zwei Wanderwege, nach links zum Cap Prim und nach rechts zur Cala Barraca (Wanderweg SL CV 97).

StadtJávea
Fläche68.59 Quadratkilometer
Höhe 48 Höhenmeter
ProvinzAlicante
Einwohner27.604 (2019)

Die Portitxol-Bucht in Jávea an der Costa Blanca: Wanderwege durch wilde Natur direkt am Meer

„Das Portitxol-Schutzgebiet bietet zwei der wenigen Wanderwege durch ursprüngliche Natur direkt am Meer“, sagt Miguel Mata vom Tourismusamt in Jávea. „Zu verdanken ist das dem Unternehmer und Großgrundbesitzer Guillermo Pons, der die ganze Zone in den 80er Jahren der Stadt Jávea überschrieben hat, unter der Bedingung, dass sie in ein Schutzgebiet verwandelt wird.“

Und das hat sich gelohnt. Heute steht nicht nur das ganze Gebiet unter dem Schutz der Stadt Jávea, das Land Valencia hat auch Mikroreservas de Flora dort eingerichtet, also nur wenige Quadratmeter große Schutzgebiete, in denen sehr seltene Pflanzen wachsen. „Deshalb sollte man möglichst auf den Wegen bleiben und keinesfalls alles zertrampeln“, bittet Miguel Mata.

Und das ist ja auch kein großes Opfer. Denn auf dem Pfad in Jávea mischt sich die salzige, frische Meeresluft mit den Aromen des Waldes. Da stehen Lavendel, Rosmarin, Thymian und Raím del Pastor, also Hirtentrauben – ein dickblätteriges Kraut, das man früher einlegte und in den Salat gab. Manche Biobauern bieten es heute noch an.

Der Wanderweg ist ein alter Fischerpfad. Bevor sie durch Villen verdrängt wurde, lag am Portitxol-Kreuz eine kleine Ansiedlung, die relativ unabhängig von Jáveas Ortskern war und sogar eine eigene Schule hatte. Die Menschen dort lebten von der Landwirtschaft und den steilen, schmalen Weg zum La Barraca-Strand nutzten viele Männer täglich, um dort zu fischen.

Auch heute ist der rund 1,5 Kilometer lange Pfad sehr beliebt. Anwohner Jáveas führen dort ihre Hunde aus, Touristen genießen den Kontrast zwischen schattigem Wald und spektakulärem Meerblick.

Kormoran und Wanderfalke: Seltene Fauna in Jávea an der Costa Blanca

Der Wanderweg überwindet insgesamt 87 Meter Höhenunterschied. Zunächst führt er in dichtem Kiefernwald an einer Schlucht entlang, in der alte Bäume stehen. Dann bietet ein kleines Plateau links einen Blick auf die ganze Portitxol-Bucht.

Den Himmel durchziehen dort an Jáveas Küste immer wieder Sturmschwalben oder Korallenmöwen. Und wenn man Glück hat, entdeckt man vielleicht sogar einen Kormoran oder einen Wanderfalken.

Das örtliche Meeresforschungsinstitut Irox hat Valencias Umweltministerium und das Rathaus in Jávea deshalb angeregt, ein Vogelschutzgebiet zwischen der Portitxol-Insel und der Pallers-Küste bis zur Punta del Freu einzurichten. Und diese Behörden sind nicht abgeneigt. Da die Bucht an einer Route von Zugvögeln liegt, die von Zentral- und Nordeuropa nach Spanien kommen, finden sich dort außerhalb der Touristensaison viele seltene Wasservogelarten. Die sollten in Ruhe brüten können.

Die Irox-Experten fordern, dass der Meereskanal zwischen der Insel und dem Festland für Motorboote gesperrt und das Fischen unter Wasser verboten wird. Denn das Meer ist dort sehr reich an Fauna und Flora.

Während der Brutzeit sollen auch Wanderern bestimmte Zonen des künftigen Vogelschutzgebiets auf dem Festland verschlossen bleiben. Dafür will Irox eine Stelle zur Vogelbeobachtung einrichten.

Nach rund 40 Minuten Wanderung bietet der steile Abstieg zur Cala Barraca tolle Blicke aus der Vogelperspektive auf die kleine Bucht, den leuchtend weißen Kiesstrand, das glitzernde Meer und die nahe Insel. Die fast acht Hektar große Illa del Portitxol steht nicht nur unter Naturschutz, sondern ist seit Oktober 2019 auch ein geschütztes „Kulturgut von allgemeinem Interesse“ (BIC). Dort befindet sich eine Ausgrabungsstätte, in der hauptsächlich Fundstücke aus römischer Epoche, aber auch schon aus der Bronzezeit und der Zeit der Phönizier entdeckt wurden.

Lange Geschichte der Stadt Jávea an der Costa Blanca: Hafen aus der Bronzezeit

Historiker gehen davon aus, dass die Bucht in Jávea an der Costa Blanca seit der Bronzezeit als natürlicher Hafen genutzt wurde. Unterwasserarchäologen haben vom Meeresgrund Keramiken aus der Bronzezeit und 23 Amphoren geborgen, die aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus stammen. Und Sprachforscher meinen, der Name Portitxol kommt vom lateinischen porticeolu (kleiner Hafen).

Ein zweites Kulturgut von allgemeinem Interesse in dieser Zone in Jávea ist ein Wachturm, der im 15. Jahrhundert in der Bucht errichtet wurde, um vor Piratenschiffen zu warnen. Er steht auf 137 Metern Höhe gegenüber der Insel auf dem Festland auf einem Privatgrundstück zwischen hohen Bäumen. Deshalb muss man genau hinsehen, wenn man ihn aus der Ferne erkennen will.

Die La-Barraca-Bucht mit ihren Fischerhäuschen ist ein beliebtes Fotomotiv.

Der Fischerpfad endet in der idyllischen Bucht La Barraca. Sie gilt als Trend-Bucht in Jávea. Influencer kommen dorthin, um Fotos für Instagram und Co. zu schießen, Modemarken drehen dort Spots und Fernsehsender Reportagen.

Und wirklich, fotogen ist die kleine Cala in Jávea. In das tiefblaue Meer malen verschiedene Sand- und Gesteinsarten Muster, links wird sie von der großen Insel Illa del Portitxol begrenzt, rechts ragt eine kleine Felseninsel aus dem Wasser.

Und dann sind da natürlich die barracas, die der Bucht den Namen geben: Weiße Bootshäuschen der Fischer, deren Türen und Fenster in allen Tönen von Dunkel- bis Türkisblau umrahmt sind. Viele barracas haben Stufen, die zum Ausruhen und Schauen einladen. Eine mit einer kleinen Terrasse, etwas weiter oben, gehörte Ambrosio Pastor, dem Urgroßvater der 68-jährigen María Pastor, die sie noch heute pflegt. „In dieser Hütte bewahrte er die Netze und alles andere auf, das man zum Fischen braucht“, erklärt sie. „Hier in der Bucht lebte früher niemand, die Leute kamen nur zum Fischen oder Baden her.“

Die Barraca besteht aus einem kleinen Raum mit einer Feuerstelle am Boden, einem museumsreifen Gasherd, einer abgenutzten Marmorspüle – und einem noch winzigeren Zimmer, in das gerade ein Bett für die Siesta passt. „Wir haben eine kleine Toilette – aber weder fließendes Wasser noch Strom“, sagt die Seniorin aus Jávea lächelnd.

Heute nutzt die Familie die Hütte nur noch für Feste und entspannte Strandstunden. María Pastors Mann, Alejandro Femenia, kommt aber fast täglich in die Bucht, er hat seit Jahrzehnten ein ganz besonderes Hobby. „Ich schwimme die 300 Meter bis zur Insel und tauche dort“, berichtet der 72-Jährige. „Die Unterwasserwelt dort ist unglaublich schön.“

Ehe man den Rückweg zum Kreuz antritt, hat man in der Cala die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Restaurants. Gleich am Eingang führt ein steiler Weg zum neuen Restaurant Cala Clémence, einem Lokal im Kolonial-Stil, das Events mit Hippie-Schick anbietet. „Wir hatten hier schon Fotoshootings und Videoclip-Drehs, Produktpräsentationen für Handtaschen und Brillen – und jede Menge Hochzeiten“, berichtet Betreiber Eric Slama. Er biete moderne mediterrane Küche. „Das hier ist das Paradies“, sagt der Restaurantchef.

Das Kontrastprogramm zu dem edlen Trend-Lokal liegt hinter einem Felsvorsprung auf der rechten Seite der Bucht. Ein schmaler Weg führt zum Chiringuito La Barraca, das schon vor rund 40 Jahren eröffnet wurde. „Wir sind und bleiben eine schlichte Strandbar, in der Leute in Bikini oder Badehose, Kinder und Hunde willkommen sind“, stellt Chefin Gema Martínez aus Benissa klar. „Viele unserer Kunden kamen schon als Kinder mit ihren Eltern her. Und unsere Speisekarte ist seit damals die gleiche: Reisgerichte mit Meeresfrüchten, Fisch, Espencat aus Gemüse oder Cruet de Peix aus Kartoffeln und Fisch – eben das ortstypische, altüberlieferte Essen.“

Sie und vor allem ihr Mann José Signes aus Gata sind Urgesteine in La Barraca. „Er kam schon als Jugendlicher her – wie viele Leute aus Gata, einige der Barracas sind übrigens auch von ihnen“, berichtet die Spanierin. „Er kam also zum Baden und Fischen und um sich zu entspannen. Und weil ihm dabei eine Strandbar fehlte, machte er schließlich selbst eine auf.“

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