Eine Meer-Landschaft mit Inseln und Halbinseln
+
Die Portitxol-Insel in Jávea an der Costa Blanca ist sehr wildromantisch.

Wild und unbewohnt

Jáveas Insel-Welt an der Costa Blanca: Arche Noah für seltene Flora und Fauna

  • Susanne Eckert
    vonSusanne Eckert
    schließen

Portitxol und Co: Elf kleine, wilde Inseln dienen in Jávea an der Costa Blanca als Arche Noah für Fauna und Flora. Interessant ist auch ihre Geschichte.

Jávea – Für viele ist Jáveas größte Insel in der Portitxol-Bucht vor allem eine beliebte Foto-Kulisse. Denn sie liegt gegenüber dem Trend-Strand Playa de la barraca, wo Influencer und andere Touristen zwischen weißen Fischerhütten mit blauen Türen und Fensterrahmen gerne Selfies schießen. Doch auch die Geschichte dieser Insel an der Costa Blanca in Spanien ist interessant. Sie war seit der Vorzeit besiedelt und es wurden dort Fundstücke aus den Epochen der Phönizier, der Römer sowie der Mauren entdeckt.

StadtJávea
Provinz Alicante
Einwohner 27.604 (2019)
Fläche68,59 Quadratkilometer
Höhe48 Höhenmeter

Portitxol-Insel in Jávea an der Costa Blanca: Uralter, natürlicher Hafen

Woher kam so großes Interesse im Laufe so vieler Jahrhunderte? Die Portitxol-Bucht war der erste, natürliche Hafen in Jávea. Schiffe suchten in der ruhigen Bucht an der Costa Blanca Schutz, die Insel diente dabei sozusagen als Hafenmauer. Archäologen haben vom Meeresgrund letztes Jahr einen großen Schatz an Fundstücken geborgen. Ausgrabungen sollen 2022 auch über die Vergangenheit der Insel mehr Klarheit bringen. Bekannt ist bereits, dass die Isla del Portitxol seit langem unbewohnt ist. Nur während der Napoleonischen Kriege suchte eine Familie dort ein paar Jahre Schutz. Und bis in die 60er Jahre nutzten die Anwohner der Portitxol-Bucht das Eiland landwirtschaftlich. Sie bauten dort Wein und Hülsenfrüchte an und hielten auch Hasen.

Jáveas Inseln an der Costa Blanca: Rückzugsort für seltene Pflanzen und Tiere

Seitdem es den Bauern zu aufwändig wurde, die Ernte per Boot an Land zu bringen, ist die schwer zugängliche Portitxol-Insel verlassen und wurde von der einheimischen Fauna und Flora zurückerobert. Inzwischen ist sie ein Rückzugsort – auch für seltene Pflanzen und Tiere. Grund genug, dass 22 Wissenschaftler jetzt im Rahmen des neuen Projektes „Islas de Jávea“ eine Bestandsaufnahme machten und zudem vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten auf dem Eiland an der Costa Blanca sähten. „Das war ein Gemeinschaftsprojekt von meinem Verein, der Stadt Jávea, dem Landesumweltministerium und der französischen Regierungsorganisation Conservatoire du litteral“, erklärt Javier Jimenez von dem französischen Verein „Initiative pour les Petites Iles de Méditerranée“, der den Schutz aller kleinen Inseln im Mittelmeer betreibt. Demgemäß studierten die 22 Experten für Flora und Fauna alle Inseln in Jávea: Die Portitxol-Insel, elf winzige Felseninseln und die 55 Meter lange Isla del Descubridor (Entdecker-Insel), die unterhalb des Wachturms in der Ambolo-Bucht liegt, nur durch einen schmalen Kanal vom Land getrennt ist und einst als Ziegenweide genutzt wurde.

Die Isla del descubridor oder Entdeckerinsel liegt in Jáveas Ambolo-Bucht.

Jáveas Inselwelt an der Costa Blanca: Spektakuläre Flora und seltene Vögel

Die Ergebnisse der intensiven Arbeit in nur wenigen Tagen waren spektakulär. Allein auf Jáveas Portitxol-Insel wachsen fünf Pflanzenarten, die es nur im Land Valencia gibt und die bisher als vom Aussterben bedroht galten. Und neben kleinen Nagetieren fand man vor allem Vögel, darunter seltene wie den Schwarzschnabel-Sturmtaucher, die Krähenscharbe und Sturmschwalben. Jetzt erarbeitet das Wissenschaftler-Team einen Fünf-Jahres-Plan, wie man dieses ökologisch so wertvolle Gebiet an der Costa Blanca fördern kann. So sollen Invasoren-Pflanzen entfernt und Nistplätze der Vögel geschützt werden. „Bis vor Kurzem war nur wenigen bekannt, welche ökologische Bedeutung diese Inseln haben“, sagt Jimenez. „Das ist jetzt anders. Wir denken sogar darüber nach, wieder einen Fischadler hier anzusiedeln.“ Finanziert wird das Projekt von der Stiftung Prinz Albert II. von Monaco. „Es ist also sehr international“, betont Jimenez.

Costa Blanca: Jáveas Inseln kommen unter besonderen Schutz

Die Portitxol-Insel in Jávea an der Costa Blanca ist nicht nur wunderschön und vom Aussichtspunkt Cap Negre aus ein wahres Postkartenmotiv. Sie ist auch ökologisch sehr wertvoll und Teil des Red-Natura-2000-Schutzgebietes der EU „Penyasegats de La Marina“ (Steilhänge in La Marina), dem auch Benitachells tolle Steilhang-Küste angehört. Das Eiland liegt seit 2009 in einem Vogelschutzgebiet (Zepa) und seit 2001 in einem Schutzgebiet des Landes Valencia (LIC). Auch Landesumweltministerin Mireia Mollà kündigte jetzt an, dass sie die elf Inseln im Rahmen des neuen Projektes „Islas de Jávea“ in eine Arche Noah für bedrohte Fauna und Flora verwandeln will. Sie seien ökologisch gut intakt, abgeschieden und damit ideal, um ausgestorbene oder extrem seltene Pflanzen der Costa Blanca und bedrohte Tierarten anzusiedeln.

Die Inseln in Jávea an der Costa Blanca haben insgesamt eine Fläche von fast 100.000 Quadratmetern. Allein auf dem winzigen runden Felseneiland neben der Portitxol-Insel, die nach dem ortstypischen Ostergebäck la Mona genannt wird, wachsen zum Beispiel die extrem seltene, lila-weiß-blühende Silene de Ifac und die einzige Kolonie der Alfalfa arbórea außerhalb von Ibiza und der Inselgruppe Columbretes.

Die winzige Felseninsel La Mona in Jávea an der Costa Blanca beherbergt seltene Pflanzenarten.

Die Eigentümer der Portitxol-Insel – die Erben des Naturschützers Guillermo Pons – unterstützen die Ausgrabungen und den Naturschutz auf dem Eiland in Jávea an der Costa Blanca. Guillermo Pons hat eine große Landfläche in der Portitxol-Bucht der Stadt Jávea hinterlassen mit der Bedingung, dass sie Naturschutzgebiet wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare