Ein Krankenhaus steht in einem südlichen Land vor Palmen.
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Krankenhaus Torrevieja wechselt Betreiber: Patienten nutzen eine neue Gesundheits-App

Gesundheit in Spanien

Krankenhaus Torrevieja hat Betreiber gewechselt: Was Patienten wissen müssen

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Seit dieser Woche ist die Klinik im Süden der Costa Blanca in öffentlicher Hand. Die alte Patienten-App des Gesundheitsbezirks Torrevieja hat die Region Valencia durch eine neue ersetzt. Die Übergabe der Verwaltung von privat zu öffentlich erfolgte mit politischen Reibereien, jedoch ohne größere Zwischenfälle.

Torrevieja – Die Klinik Torrevieja ist in öffentlicher Hand. Die Regierung der Region Valencia übernahm am 16. Oktober die Leitung des Gesundheitsbezirks Torrevieja für 180.000 Bewohner im Süden der Costa Blanca und damit des Hospital Universitario. Der private Betreiber Ribera Salud hat sich verabschiedet. Was Patienten wissen müssen: Valencia hat den Bezirk mit der neuen Webseite torrevieja.san.gva.es ausgestattet. Zudem ersetzen die neuen Profile auf Twitter „@GVAdsTorrevieja“ und auf Facebook „GVAdsTorrevieja“ die alten von Ribera. Ferner verwenden Patienten ab sofort die Gesundheits-App des Landes „GVA+Salut“.

TorreviejaStadt in Spanien
Fläche: 71,44 km²
Bevölkerung: 82.599 (2018)

Krankenhaus Torrevieja wechselt Betreiber: Neue Patienten-App, Einzelzimmer bleiben

Die kostenlose Patienten-App, mit der man im Gesundheitsbezirk Torrevieja per Handy Termine vereinbaren, Attests beantragen und vieles mehr kann, gibt es für alle gängigen Smartphone-Systeme gratis zum Download. Die Webseite des neuen öffentlichen Betreibers bietet genaue Infos zu dieser App, aber unter „Portal del Paciente“ auch ähnliche Optionen, darunter das Terminbuchen oder den Einblick in die Krankengeschichte. Ferner gibt es Übersichten der zum Gesundheitsbezirk gehörenden Gemeinden - etwa Rojales, San Fulgencio mit La Marina und Guardamar - mit ihren Gesundheits- und Hilfszentren und dem Krankenhaus in Torrevieja.

Ein spezieller Teil zur Coronavirus-Pandemie informiert über Fallzahlen und Restriktionen. Im Bereich Impfung können Patienten sich ihr Zertifikat runterladen. Wie der vorherige private Betreiber, nehme der Gesundheitsbezirk Torrevieja auch in öffentlicher Hand Rücksicht auf den hohen Ausländeranteil im Süden der Costa Blanca, heißt es. Die Webseite ist bisher aber nur auf Spanisch und Valenciano verfügbar. Zum Start der neuen Verwaltung erweiterte die Region Valencia den Gesundheitsbezirk um 121 Angestellte und kündigte an: Die Einzelzimmer des Hospitals bleiben bestehen.

Übergabe mit Krach: Privater Betreiber nimmt 17 Fach- und Oberärzte mit

Die Übergabe von privat zu öffentlich erfolgte nicht ohne Reibereien. Ribera Salud klagte kurz vor dem Wechsel der Betreiber die regionale Regierung an, Daten illegal angezapft zu haben. Valencia sah sich dabei aber auf der Seite des Gesetzes und begründete den Zugang zu den Daten mit der Notwendigkeit der Funktionalität des Krankenhauses. Mehrfach hatte der US-Konzern in den vergangenen Monaten versucht, auf juristischem Wege die Übergabe der Verwaltung des Gesundheitsbezirks zu verhindern. Letztendlich lenkte Ribera ein. Mit dem Unternehmen scheiden allerdings auch 17 Fach- und Oberärzte.

„Seit Samstag gehört der Gesundheitsbezirk Torrevieja zu hundert Prozent dir, zu hundert Prozent jeder und jedem“

Ximo Puig (PSOE), Ministerpräsident der Region Valencia per Twitter

Laut Gewerkschaften habe Ribera Salud der Region Valencia die Übernahme versucht zu erschweren. Kritisiert wurden „Kürzungen“ und die „teilweise Aufgabe“ des Krankenhauses in den letzten Tagen vor dem Wechsel des Betreibers. Ribera habe Teilzeitverträge vor allem von Pflegern, technischem Personal und Ärzten schon zum 30. September auslaufen lassen, sodass die übriggebliebenen Kräfte in der Klinik im Süden der Costa Blanca zusätzliche Lasten stemmen mussten. 30 Betten, darunter drei Intensiv- und zehn auf der Geburtenstation, seien einfach gestrichen, fast die gesamte Chirurgie geschlossen worden, rund 200 Stellen wären unbesetzt.

Privater Betreiber und PP betonten: Hauptsache, Patient gut versorgt

Auf der Reha des Krankenhauses Torrevieja gab es in den Tagen vor dem Wechsel des Betreibers laut Gewerschaften nur noch sieben statt 14 Physiotherapeuten, fast alle Abteilungen arbeiteten personell am Anschlag. Nicht lebensnotwendige OPs und Behandlungen sein verschoben worden - wie zu Hochzeiten der Pandemie, obwohl in Torrevieja nur eine handvoll Corona-Patienten lagen. Dabei war es das Unternehmen, das mit der Volkspartei PP immer betonte, dass es egal sei, ob das Gesundheitswesen privat oder öffentlich gesteuert werde. Hauptsache, der Patient bekäme es bei guter Versorgung nicht mit.

Der private Betreiber der Klinik Torrevieja hatte keinen unbedingt schlechten Ruf - pflegte aber auch eine gezielte Image-Politik.

Der Wechsel des Betreibers von privat zu öffentlich erfolgte nun rund um den 15. Geburtstag des Krankenhauses Torrevieja. Eröffnet wurde die Klinik am 17. Oktober 2006 durch die regionale PP-Regierung unter Francisco Camps, die später durch zahlreiche Korruptions-Skandale von sich Reden machen sollte. Die damals beauftragte Firma Ribera Salud betreibt auch in Dénia und Elche Hospitäler, aber Torrevieja war für den US-Konzern an der Costa Blanca immer das Aushängeschild. Eine gewaltige Unzufriedenheit der Bürger ist es nicht, die zum Abschied von Ribera Salud führt.

Eher waren die meisten Bewohner von Orten wie Torrevieja, Guardamar, Pilar oder San Fulgencio heilfroh, seit 2006 nicht mehr bis Orihuela ins Krankenhaus Vega Baja fahren zu müssen. Auch die moderne und saubere Ausstattung des Krankenhauses Torrevieja wurden in Umfragen – von Ribera Salud selbst durchgeführt – regelmäßig gelobt. Oder besondere Services für ausländische Residenten im Süden der Costa Blanca. Sicher verfügte der US-Konzern im Vergleich mit dem öffentlichen Sektor in Spanien über mehr Mittel, um etwa hochqualifizierte Kräfte anzulocken.

„Gesundheit ein Recht, kein Geschäft“: Auch politische Interessen?

Das Mischen von öffentlich und privat im Bereich Gesundheit wurde seit Eröffnung der Klinik Torrevieja kritisiert, aber eher von linken Parteien als von Bürgern und Gewerkschaften. Weitaus besser als im Privatsektor waren etwa die Bedingungen für die 1.400 Angestellten. Doch sorgte Riberas Image-Politik auch dafür, dass kein Angestellter laute Kritik übte. Nun hat die Region Valencia die schwierige Aufgabe, den Übergang so zu gestalten, dass es der Patient nicht mitbekommt. Am 8. Oktober verabschiedete Valencia ein Dekret zur Regulierung der neuen Arbeitsbedingungen und eröffnete mehrere Jobbörsen für neue Angestellte.

„Für uns ist Gesundheit ein Recht und kein Geschäft“, begründete Vizeministerin Mónica Oltra (Comprimís) den Wechsel des Betreibers des Krankenhauses und Gesundheitsbezirks Torrevieja. „Seit Samstag gehört der Gesundheitsbezirk Torrevieja zu hundert Prozent dir, zu hundert Prozent jeder und jedem“, twitterte diese Woche der regionale Chef Ximo Puig (PSOE). „Wir arbeiten daran, der Gesellschaft ein würdiges öffentliches Gesundheitswesen zurückzugeben. Für die Gleichberechtigung.“

Krankenhaus und Gesundheitsbezirk Torrevieja nun öffentlich: Ministerin Ana Barceló (grünes Sakko) präsentiert neue Leitung.

Für die konservative Opposition stecken allerdings nicht nur gesellschaftliche Ideale hinter dem Wechsel des Betreibers des Krankenhauses Torrevieja. Die Volkspartei warf Valencias Gesundheitsministerin Ana Barceló (PSOE) vor, ein PSOE-nahes Gremium um die neue Leiterin des Gesundheitsbezirks, María Pilar Santos, eingesetzt zu haben. Die politischen Konflikte werden mit dem Wechsel des Betreibers also nicht enden, wenn auch nun die konservative Seite mit der Lupe nach jedem noch so kleinen Mangel suchen wird. Immerhin: Zwischenfälle bei der Betreuung von Patienten wurden in der Woche der Übergabe nicht bekannt.

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