Die Militärsondereinheit UME desinfiziert am Airport Alicante. Foto: Ángel García

Kritik am Krisenmanagement

Wissenschaftler kritisieren Krisenmanagement der Regierung UME-Katastrophenschutz richtet Feldl...

Wissenschaftler kritisieren Krisenmanagement der Regierung UME-Katastrophenschutz richtet Feldlazarett in Madrider Messe ein Sánchez verteidigt Ausgangssperre gegen Forderungen nach totalen Quarantäne Madrid – sk. 70 Wissenschaftler um den Spezialisten für Infektionskrankheiten, Oriol Mitjà, sprechen sich in einem Kommuniqué dafür aus, die spanische Bevölkerung gänzlich unter eine Quarantäne zu stellen. Beim derzeitig verhängten Ausgangsverbot würde das Gesundheitssystem um den 25. März saturiert sein. Dann wären Krankenhäuser nicht mehr in der Lage, all die Patienten in der Notaufnahme zu behandeln, die in der UCI behandelt werden müssten. Diesen medizinischen Gau könnte man vermeiden, in dem die Bewegungsfreiheit nicht nur eingeschränkt, sondern umgehend und gänzlich aufgehoben wird, versichern die Befürworter des Schreibens. Derzeit würde Spanier noch zum Arbeiten gehen, mitunter sogar öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Jede Art von öffentlichem Transport müsste in Risikogebieten sofort stoppen, auch die Arbeit müsse für die Dauer von 15 bis 21 Tagen in allen Regionen mit mehr als 25 Coronavirus-Fällen pro einer Million Einwohner stillliegen. Diese Wissenschaftler um den Mediziner vom Hospital Germans Trias i Pujol de Badalona bei Barcelona untermauern ihre These mit mathematischen Hochrechnungen für Infektionen, die auf Faktoren wie die sozialen Kontakte einer Person, die Verbreitungsfähigkeit des Kranḱheitserregers und seine Infektionsfähigkeit beruhen. Demnach könnte eine Quarantäne den Kollaps in den Krankenhäusern verhindern. Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit würde die Geschwindigkeit der Ansteckungen verhindern, steigen würde die Zahl aber trotzdem weiter und das stark. Oriol Mitjà erforscht das Coronavirus und Arbeit an der Entwicklung von Medikamenten gegen Covid-19. Das Kommuniqué ist in Inhalt und Form keineswegs unumstritten. Es weicht nicht nur von der Richtung ab, welche die spanische Regierung eingeschlagen hat. Der Sinn und die Durchführbarkeit einer derart drastischen Maßnahme wird durchaus auch von Experten angezweifelt. Das Virus würde lange zirkulieren und bei einer unbefristete Quarantäne würde die Bevölkerung nach ihrem Ende wieder an der Ausgangsposition angelangen. Der Andrang auf die Infrastrukturen des Gesundheitssystems wäre ähnlich, wenn auch zeitversetzt. Außerdem hätte eine Quarantäne gar nicht absehbare wirtschaftliche und soziale Folgen. “Jede Fachkraft sollte sich bewusst sein, dass das eigene Wissen und die Art, wie eine Epidemie gemanaget wird, zwei grundverschiedene Dinge sind. Man kann ein guter Maurer sein, aber das macht einen nicht automatisch zu einem guten Bauamtsleiter. Und bei einer Pandemie kommt man auch nicht mit so einem Kommuniqué daher. Dafür gibt es professionelle Kanäle”, kritisiert Miquel Porta, Professor für Präventivmedizin und öffentliches Gesundheitswesen der Universidad Autónoma in Barcelona gegenüber der Zeitung “El País”. Beide zur Disposition stehende Strategien verfolgen ein Ziel im Kampf gegen das Coronavirus – nämlich Zeit zu gewinnen, um das sanitäre System für den Kampf gegen das Virus zu rüsten. Das machte auch ein sichtlich betroffener Ministerpräsident Pedro Sánchez in seiner gestrigen Fernsehansprache nochmals deutlich. “Spanien hat in Europa die härteste Strategie gewählt, die im Einklang mit der Weltgesundheitsorganisation steht”, sagte Sánchez. “Aber bedauerlicherweise gehört Spanien zu den Ländern auf der Welt, die es am Schlimmsten getroffen hat. Es sind bereits 1.326 Landsleute gestorben, und die Zahl der Infizierten wird in den kommenden Tagen steigen. Das Schlimmste steht uns noch bevor . Die stärkste Schub kommt noch. Unser System wird mit dem Rücken zur Wand stehen”. Deshalb rief Sánchez die Bürger zu Einheit und Stärke auf. “Wir brauchen alle Kraft für das Ende der nächsten Woche”, sagte Sánchez. Eine Verschärfung der Auflagen des Notstandsdekrets oder gar eine Abweichung der Strategie kündigte Sánchez nicht an. “Ein Ausgangssperre für die Bürgerschaft ist eine außerordentlich ernsthafte Maßnahme für unsere Kultur”, sagte Sánchez. Der flächendeckenden Durchführung von Diagnosetests räumte er in den kommenden Tagen Priorität ein. Der Forscher Oriol Mitjà warnt seit Wochen vor der Gefahr und gilt als prominentester Kritiker des Koordinatonszentrums für für medizinische Notfälle - Centro de Coordinación de Emergencias y Alertas Sanitarias – und dessen Leiter Fernando Simón, der im Auftrag des Gesundheitsministeriums die Coronavirus-Krise führend managt. Mitjà wirft dem Krisenstab in den Sozialen Netzwerken Fahrlässigkeit und logistische Fehler vor. Erst habe man die Bevölkerung viel zu lange in Sicherheit gewogen. “Dann haben sie es nicht geschafft, sich dieses Szenario, vor dem wir nun stehen, vorzustellen. Es war vielleicht unmöglich, dass die Ankunft dieses Virus zu verhindern, weil dafür hätte man ein ganzes Land ohne Krankheitsfälle unter Quarantäne stellen müssen, aber man hätte medizinische Ausrüstung kaufen, Aktionsprotokolle entwerfen und verhindern können, dass unser medizinisches Personal im Akkord arbeitet und in vorderster Front eine Schlacht schlägt, für die es nicht adäquat gerüstet ist”. Kurz vor Sánchez’ TV-Ansprache schlugen in einigen Städten Spaniens Bürger mit Schlegeln auf Kochtöpfe. Mit diesen Cacerolazos drückten vor allem die Madrilenen ihren Protest gegen die Regierung und ihr Management der sanitären Krise aus. Kurz darauf gegen Mitternacht haben die ersten 200 Patienten das Feldlazarett in den Hallen 7 und 9 des Madrider Messegeländes Ifema bezogen. Mit Hilfe des militärischen Einheit für Katastrophenschutz UME - Unidad Militar de Emergencias – wurden dort in einer ersten Phase 1.300 Krankenhausbetten und 96 UCI-Plätze für Patienten eingerichtet, die eine Intensivstation benötigen. Die Bilder aus Madrid sind schaurig. Über Nacht ist Zahl der Infizierten in Spanien ist auf 25.483 angestiegen, die der Toten auf 1.422 und die der Gesundgeschrieben auf 2.125.

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