Ein Mann in Alicante hadert mit seiner Schutzmaske - und nimmt´s mit Humor.
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Lachen wie das Kind hinter der Maske: Humor unter Covid-19.

Coronavirus in Alicante

Lächeln trotz Corona: Eine Ansteckung, die Spanien in der Pandemie mit der Maske hilft

  • vonStefan Wieczorek
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In Spanien sorgt das Coronavirus für Tristesse. Allerdings verbietet es die Fröhlichkeit nicht. Eine Therapeutin aus Alicante verrät, welche Vorteile das Lachen in der Covid-19-Zeit hat - und wie man es auch im traurigen Alarmzustand aktiviert. Ein Beitrag zum Welt-Lach-Tag.

  • Seit 20 Jahren nutzen Kliniken der Region Valencia die Lachtherapie.
  • Therapeutin: „Ansteckung des Lachens von Mensch zu Mensch ausnutzen.“
  • Lachtherapie für Zuhause? Schauen Sie in den Spiegel.

Alicante - Maske aufsetzen. Das ist ein Muss dieser Tage, ob im Krankenhaus oder im Bus. Doch dann sind da die Masken von Dotor Max Recetax, Paquita Tiritas, Doc Tornillo und wie sie alle heißen, die Krankenhausclowns von PayaSOSpital. Hinter den roten Nasen der Valencianer steckt weit mehr als Klamauk. Seit 20 Jahren ist die Organisation ein anerkannter Helfer beim Heilen und Begleiten von Menschen in der ganzen Region Valencia. In der Coronavirus-Zeit kommen sie wie gerufen: Denn von Menschen, denen das Lachen fehlt, wimmelt es nur so.

Dass den Clowns wegen der Pandemie die Hände gebunden sind, hält sie nicht dabei auf, Freude zu verbreiten. Im Monat des Welt-Lach-Tags (erster Sonntag im Mai) treten sie jeden Donnerstag von 12.30 bis 13 Uhr auf Instagram im Stream auf. Ein Novum für die NGO, die in Valencia 1999 angelehnt an die „Clown Care Unit“ aus New York startete - mitsamt einer speziellen Methodik für die Alberei im Krankenhaus. Was keiner ahnt: Ein fundiertes Wissen, von Medizin bis Psychologie, verbergen die lustigen Damen und Herren unter ihren roten Nasen. Auch wenn sie manchmal nicht wissen, was sie anziehen sollen:

Bitte lachen: Übungen für zu Hause

Lachtherapie - spanisch Risoterapia - praktiziert auch Therapeutin Noelia Casado Martínez aus Alicante. „Es handelt sich um eine psychotherapeutische Strategie, die mentale und emotionale Vorteile durch das Lachen schafft.“ Meist werde es in Gruppen praktiziert, denn „so nutzt man die Ansteckungsfähigkeit des Lachens, das sich von Mensch zu Mensch verbreitet.“ Von Atemübungen, Massagen bis zu Gruppendynamik bieten Casados Kurse ein buntes Allerlei. „In allen Übungen geht es darum, das Kind im eigenen Inneren zu finden, und dessen Lachen ist echt und authentisch.“

Ob sie Übungen für die triste Coronavirus-Zeit im eigenen Haus parat habe? „Schaue in den Spiegel“, antwortet die Therapeutin. „Zwing dich zu einem Lächeln. So blöd das aussieht - dein Körper stellt bereits Endorphine her. Halte die Situation aus. Möglich, dass du bald in Lachen über dich selbst ausbrichst. Das Lächeln ist immer die Vorhalle des Lachens“, erklärt Casado. „Eine andere Übung ist das Lachen mit verschiedenen Vokalen: Ha, he, hi, ho, hu. Atme tief ein, rufe Ha! Dann atme wieder und rufe He!, und so weiter. " Auch die Technik vollbringe kleine Wunder.

Therapeutin Noelia Casado aus Alicante nutzt die Lachtherapie.

In der Schule für Kreative Gesundheit (Salud Creativa) in Barcelona wurde Casado geschult. „Das Lachen hat viele Vorteile“, erklärt sie. „Es aktiviert über 400 Muskeln, fördert die Verdauung, entspannt den Organismus, stärkt das Immunsystem. Und es setzt Glückshormone frei.“ Zu den körperlichen Nutzen kämen noch psychische und soziale. „Das Lachen reduziert Angst und Stress, stärkt das Selbstbewusstsein und hilft gegen Ablenkungen. Aber in der Covid-19-Zeit, ist am wichtigsten, dass es uns im Hier und Jetzt veortet. Wenn du lachst, gibt es kein Morgen.“

Ansteckende Nasen

Die Therapeutin spreche aus Erfahrung: „Vor einigen Jahren lag ich mehrere Monate lang im Krankenhaus. Dort gelang es mir, trotz schwerer Krankheit positiv zu bleiben. Ich merkte sogar, dass eine gute Atmosphäre um mich entstand. Die Leute kamen gern, lächelten, ließen sich anstecken.“ Die Lachtherapie habe ihre Einstellung zum Leben verändert. „Aber: Das bedeutet nicht, dass ich nicht traurig oder wütend werde. Nein, alle Emotionen sind wichtig. Das Lachen verneint andere Empfindungen nicht. Aber man verwaltet sie besser. Sie dürfen nicht paralysieren.“

Das Kind hinter der Maske finden will die Lachtherapie. Das Kind, das herzhaft lacht, aber eben auch weint und tobt. Das wissen auch die Krankenhausclowns PayaSOSpital gut, verrät uns ihr Direktor Dotor Max Recetax, der ohne rote Nase Sergio Claramunt heißt. „Wir sind dazu da, die ganze Bandbreite an Gefühlen hervorzurufen. Als wir mal bei einem Besuch im Krankenhaus einem Kind ein Schlaflied sangen, fing die Mama zu weinen an. Da applaudierten wir ihr freundlich, sagten ihr: Wunderbar, darum geht es doch.“ Die gute Nachricht: Die roten Nasen stecken offenbar an.

So soll es immer häufiger vorkommen, dass auf den leidgeplagten Stationen der Kliniken von Valencia oder Alicante Krankenpfleger oder Ärzte unvermittelt ein Liedlein anstimmen, wenn ein kleiner Patient oder ein großer Begleiter untröstlich erscheint. Ob sie dafür eine Maske aufsetzen oder ihre eigene fallenlassen, wird dabei zur Nebensache.

Einen Tipp zum Lesen lässt uns Lachtherapeutin Noelia Casado noch für die Coronavirus-Zeit da: Die Werke von Madan Kataria, der Yoga mit Lachen kombinierte. Und auch einen Filmtipp: „Patch Adams“, die Geschichte des Begründers der Lachtherapie, mit dem unvergesslichen Robin Williams.

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