Im Hof eines alten Gebäudes stehen Säulen und ein Brunnen.
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Costa Blanca: Altes Klarissen-Kloster von Elche ist über arabischen Bädern erbaut.

Kulturgut an der Küste

Luxushotel über arabischen Bädern? - Ärger um altes Kloster an Costa Blanca

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Jahrelang verfiel das historische Gebäude in Elche an Spaniens Küste. Nun will ein Hotelbetreiber es retten. Unerhört finden das Linksalternative und Konservative. Das maurische Kellergewölbe ist indes frisch saniert - und als digitale 3D-Zeitreise besuchbar.

Elche – Wenn PP und Podemos ins selbe Horn stoßen, muss in Spanien schon Außerordentliches im Gange sein. In Elche an der Costa Blanca geschieht jedoch genau dies: Die konservative und die linksalternative Opposition machen ihrem Ärger über eine städtische Initiative fast im Einklang Luft. Der sozialistische Bürgermeister Carlos González (PSOE) will das historische Kloster der Klarissen, gebaut über arabischen Bädern aus der Maurenzeit, an eine Privatfirma abgeben. Entstehen soll in den kunstvollen Gemäuern ein elegantes Luxushotel in der Palmenstadt an der spanischen Küste.

Costa Blanca: Luxushotel über arabischen Bädern? Podemos warnt vor Korruption

Die ersten Abmachungen zum Umbau des alten Klosters in ein Luxushotel soll Bürgermeister González mit dem Unternehmen Wel Hoteles schon getroffen haben. Das lange auf eine Sanierung wartende Gebäude – eine Schatzkiste historischer Baustile, gebaut über arabischen Bädern – werde, so die Hoffnung, mit einem neuen Zweck endlich erstrahlen wie einst. Aber duch eine Privatisierung? Empörend findet die linksalternative Podemos von der Costa Blanca den Schritt. Das Bauwerk sei ein Kulturschatz aller Bewohner, tönte Sprecherin Anabel Mateu. Doch als Luxushotel bliebe es nur denen, die sich ein Zimmer leisten könnten.

Weder die bis 2015 in Elche regierende Volkspartei PP, noch die seitdem am Hebel sitzende PSOE hätten „ernste Pläne“ für eine Restaurierung des alten Klosters angestellt. Keineswegs sei die Vergabe an ein Privatunternehmen die einzige Lösung für die Wiederbelebung der Kulturstätte. Zudem sei der Deal mit Wel Hoteles undurchsichtig, meint Podemos und wirft Finanzstadträtin Patricia Maciá vor, dass ihr Bruder daran finanziell beteiligt sei. Das sei in Zeiten des Kampfes gegen die Korruption unerhört, und das unter Bürgermeister Carlos González, der als Vorsitzender für Transparenz im spanischen Gemeindenetzwerk Femp fungiert.

Privatisierung eines alten Klosters: Im Keller badeten Mauren

Nicht ganz so kritisch mit Privatisierungen örtlicher Gebäude ist naturgemäß die konservative PP. Doch hält es auch die Volkspartei von der Costa Blanca für „verantwortungslos“, ein Bauwerk „von solch einer Größenordnung“ als privates Hotel herzugeben, meint PP-Senator und örtlicher Parteivorsitzender Pablo Ruz. Noch kürzlich habe die Stadtregierung aus Sozialisten und grünen Valencianisten sich in Sachen Markthalle - ein Klotz aus den 1960er Jahren - als große Verteidiger des Kulturerbes gegeben. Und nun die Privatisierung des alten Klosters? „Die Welt steht Kopf“, klagte Ruz. Das Kloster sei ein Kulturgut aller Elcher.

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Eine bewegte Geschichte hat dieses als Convento de las Clarisas bekannte Haus. 1270 richteten sich hier Mercedarier ein: der spanische Orden setzte sich am Ende der Kreuzzüge für den Loskauf gefangener Christen ein. Schon damals war es eine historische Stätte. Im Keller des Klosters befanden sich arabische Bäder, errichtet in den Jahrhunderten der Maurenherrschaft. Lange blieb die islamische Badeanstalt unter den christlichen Gemäuern jedoch verborgen. Erst 1998 bargen sie Archäologen von der Costa Blanca. Heute sind die Baños Árabes eine (frisch sanierte) Attraktion für sich.

Arabische Bäder an der Costa Blanca: Neuerdings als 3D-Zeitreise besuchbar.

Arabische Bäder an Costa Blanca: 1854 kamen Klarissen

Das Kloster über den arabischen Bädern ging übrigens erst Anfang des 19. Jahrhunderts, im Zuge der kirchlichen Enteignungen, in städtische Hände über. Das historische Gebäude diente in Elche mal als Post, mal als Finanzamt. 1854 waren plötzlich aber doch wieder Ordensfrauen da: Die Klarissen, die weiblichen Vertreter der bis heute an der Costa Blanca geschätzten Franziskaner. 2007 zogen die hilfsbereiten Nonnen in ihre heutige Unterkunft am Flussufer von Elche weiter. Das alte Klostergebäude sicherte sich - für zwei Millionen Euro - das Rathaus und widmete es in das Kulturzentrum Las Clarisas um. Allerdings mit mäßigem Erfolg.

Die arabischen Bäder unter dem alten Kloster von Elche sind seit Jahresbeginn 2022 frisch restauriert wieder geöffnet. In den ersten Monaten kommt man – durch einen Seiteneingang des Gebäudes – gratis hinein und erlebt dank eines Tablets eine 3D-Zeitreise. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 10 bis 14 und 15 bis 18 Uhr. Sonntag und Feiertage 10 bis 14 Uhr.

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