Der deutsche Resident an der Costa Blanca Manfred Schwarting in einem Lokal in Orihuela Costa.
+
Aktiver Bürger, aufrechter Europäer: Manfred Schwarting lebt seit 18 Jahren an der Costa Blanca. Am 12. Februar 2021 beging er seinen 80. Geburtstag.

Aktiv für seine Mitmenschen

Aktiver Bürger und Europäer an der Costa Blanca: Manfred Schwarting zum 80. Geburtstag

  • vonMarco Schicker
    schließen

Viele an der Costa Blanca kennen ihn als „Unruhestifter“ im positiven Sinne, unermüdlich darin, den Gemeinsinn seiner Mitmenschen zu aktivieren. Wir sprechen mit Manfred „Silberlocke“ Schwarting anlässlich seines 80. Geburtstages am 12. Februar in Orihuela Costa.

Costa Nachrichten: Herr Schwarting, Was hat Sie vor 18 Jahren ausgerechnet hier nach Orihuela Costa gelockt?

Manfred Schwarting: Wir wollten wegen der Kinder aus Florida nach Europa zurückkehren. In den USA hatte ich ein Unternehmen für Fahrtraining und -sicherheit aufgebaut. Um das fortführen zu können, suchte ich ein entsprechendes Areal und wurde mit dem Race-Track Cartagena in der Nähe und einer schönen Bleibe mit großer Garage in Orihuela Costa fündig.

Sie sind eher Familienmensch oder Einzelgänger?

Wohl von beidem etwas. Geboren in Wilhelmshaven, verlor ich als 10-Jähriger meine Mutter, die mit 31 Jahren an Krebs starb. Das führte dazu, dass ich früh selbständig werden musste. Nach der Schulzeit kam ich zur Bundeswehr, zu den Heeresfliegern, später zu den Fallschirmspringern im Schwarzwald. Bei einem Heimaturlaub 1963 in Wilhelmshaven, damals die Marinestadt schlechthin, wo man noch stolz in Uniform ausging, lernte ich in einem Tanzlokal meine Frau Christel kennen. Nach vier Tagen machte ich ihr einen Heiratsantrag. Sie sagte „Ja“, kam dann in den Schwarzwald, wo wir durch einen Militärpfarrer getraut wurden. Heute sind wir 57 Jahre verheiratet und ich danke ihr für jedes davon, sie hat mich immer unterstützt.

An der Costa Blanca haben Sie sich immer auch in Ihrem lokalen Umfeld engagiert.

Ja, beim Deutschen Stammtisch von 2006 bis 2014, beim Deutschen Tisch Orihuela Costa seit 2014 bis heute und 2006 war ich einer der Mitgründer der Lokalpartei CLARO, der ich bis 2015 angehörte. Mit der „Gruppe Silberlocke“ starteten wir Initiativen für ältere Menschen, die oft ohne ausreichende soziale Kontakte hier leben. Mit einem Notfallordner und Notfallpass halfen wir beim Schaffen eines sicheren Lebensumfelds.

Manfred Schwarting (r.) bei seiner Infoveranstaltung zum Notfallordner. Praktische Lebenshilfe für Residenten an der Costa Blanca.

Mit der Lokalpartei CLARO mischten Sie sich in die spanische Politik ein. Haben Sie etwas bewegen können?

Meine Losung lautet: Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir unterlassen. Durch viele Infoveranstaltungen mit Konsulen, Fachleuten sowie Petitionen und eigene Vorträge denke ich, schon einen kleinen Beitrag geleistet und den Anliegen der hier lebenden Europäer Gehör verschafft zu haben. Durch zehn Tanzveranstaltungen für die Claro-Partei, die von meiner Frau und mir organisiert wurden, denken wir, auch etwas für den sozialen Zusammenhalt getan zu haben.

Was hat sich in 18 Jahren in Orihuela Costa zum Guten oder Schlechten verändert?

Die Infrastruktur in Orihuela Costa hat sich durchaus verbessert, wie Einkaufsmöglichkeiten oder Verkehrsanbindung.en. Doch es gibt noch viel Bedarf, bei der Müllabfuhr, den Fußwegen. Leider wurde speziell Orihuela Costa von den Verantwortlichen finanziell abkassiert, ohne, dass die Bewohner dafür angemessene Leistungen bekamen. Bis heute fehlen ein Kulturzentrum, eine Feuerwehr, die Notfallstation, ausreichend Polizei und nahegelegene Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge. Ich hoffe sehr, dass es nicht mehr lange dauert und die betrogenen Bürger sich hier erheben. Zu lösen wird das Problem wohl nur durch eine finanzielle Autonomie Orihuela Costas im Rahmen einer entidad menor sein.

Wir haben Sie stets als glühenden Europäer erlebt. Heute zweifeln wieder viele an dem Sinn eines vereinigten Europas. Was entgegnen Sie denen? 

Alles hatte seine Zeit: das Kaiserreich, die Nationalstaaten. Aber heutzutage kann sich keine Nation allein gegen die Herausforderungen der Globalisierung behaupten. Wenn die europäischen Staaten sich nicht durch Bündnisse schützen, werden sie die Zukunft nicht als freie Bürger erleben können. Wir schützen aber unsere Lebensart nur, wenn wir auch unsere Demokratie schützen. Dazu gehört es auch, Rechtspopulisten zurückzudrängen. Denn wer in der Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur wieder auf!

Corona schränkt Feiermöglichkeiten stark ein, wie begehen Sie Ihren Ehrentag und planen Sie darüber hinaus?

Nach den Vorgaben feiern wir vorerst zu zweit. Wenn wir das Ende von Corona gesund erleben, können sich unsere Freunde eine große Feier vormerken und wir wollen eine Reise nach Tirol machen. Und mir schwebt noch immer eine Art Residenten-Akademie vor, zur Überwindung sprachlicher und sozialer Barrieren, als Hilfe zur Selbsthilfe.

Christel und Manfred Schwarting präsentieren eine Petition an den Deutschen Bundestag zu Pflegesachleistungen für Deutsche, die im Ausland leben.

Menschen hadern während der Corona-Zeiten mit sich und der Welt, haben Sie einen Tipp für jene, denen es schwerfällt, durch diese Zeit zu kommen?

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Baum pflanzen. Wer wie ich bei Bombenangriffen im Keller saß, war sehr froh, dass er nach dem Verlassen die Sonne wiedersehen konnte. Eigentlich geht es uns auch jetzt, trotz der Beschränkungen, nicht schlecht und immer noch viel besser als vielen Menschen auf der Welt und auch in Spanien. Viele jammern da auf hohem Niveau und zum Teil auch von einem hohen Ross herab, sind verweichlicht. Das Verhalten von den heutigen Corona-Leugnern können Menschen meiner Generation eigentlich nicht sinnvoll nachvollziehen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare