Diego Maradona spricht am Strand von Villajoyosa, Spanien, an eine Palme gelehnt mit einer Frau.
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Maradona und seine „Freundin“ am Strand in Villajoyosa.

Diego Maradona stirbt an Herzinfarkt

Maradona ist tot: Erinnerung an die Fußballer-Legende - Geniales Spiel und Skandale in Alicante

Diego Maradona war für viele der beste Fußballer aller Zeiten. Jetzt ist die Legende im Alter von 60 Jahren gestorben. Die Anfänge der argentinischen Fußball-Legende bei der WM 82 und ihr Niedergang sind mit der Costa Blanca verknüpft.

  • Der Aufstieg und Fall von Fußballer-Legende Diego Maradona ist mit Spanien und der Costa Blanca verknüpft.
  • Seinen ersten Auftritt mit der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft hat Fußballer Maradona bei der WM 1982 in Spanien.
  • 1996 kehrt Fußballer Maradona unter ganz anderen Umständen nach Alicante zurück - er ist drogenabhängig und randaliert in einem Hotel.

Von Ángel García

Alicante/Villajoyosa - Diego Armando Maradona ist tot. Die Fußball-Welt steht unter Schock. Die 60-jährige Fußballer-Legendestarb am heutigen 25. November an einem Herzinfarkt. Die Karriere des Argentiniers war bewegt und der Aufstieg und Fall des Diego Maradona ist auch mit der Costa Blanca verknüpft.

Am 11. Dezember 1981 trug Muhammad Ali seinen letzten Boxkampf aus. Sechs Monate später landete Diego Armando Maradona, ein 21-jähriger Argentinier, am Flughafen von Alicante an der Costa Blanca*, um zum ersten Mal mit der Fußball-Nationalmannschaft seines Landes bei einer Weltmeisterschaft anzutreten. Es ereignete sich, ohne dass die Welt es damals wusste, die Ablösung zwischen den zwei größten Sportikonen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Viel wurde geschrieben über beide, ohne dabei notwendigerweise den Sport zu erwähnen, in dem sie triumphierten. Über den Kampf für die Rechte der Schwarzen in den Vereinigten Staaten, Malcolm X, den Vietnam-Krieg, den Islam im Fall des Ersten. Über die Diktatur von General Videla, den Falklandkrieg, die unaufhaltsame Ausbreitung des Kokains in den 80er Jahren, das Castro-Regime auf Kuba im Fall des Zweiten.

Diego Armando Maradona FrancoFußballprofi
Geburtstag30. Oktober 1960
Geburtsort Lanús, Argentinien
Größe165 cm
Position Mittelfeld

Maradona, der Fußball und die Costa Blanca: Ein Gott mit menschlichen Schwächen

Journalisten, die später über Roger Federer, Rafael Nadal, Zidane, Iniesta, Kroos und viele andere schreiben sollten, mussten dies unter einer rein sportlichen Perspektive tun. Es ist praktisch unmöglich, ihre Laufbahn und Meinung mit den aktuellen Problemen der Welt zu verknüpfen. Denn mit dem Ende des 20. Jahrhunderts verschwand auch das Profil eines vielschichtigen, leidenschaftlichen – und aufgrund seiner sehr menschlichen Schwächen – Fußballers wie Maradona, der nicht danach strebte, von allen geliebt zu werden. Der durch seine Äußerungen sowohl Abneigung als auch Zustimmung weckte und vieles begann an der Costa Blanca.

Maradona begann, internationale Feindschaften und Lieben zu wecken, als er am 29. Mai 1982 mit einem direkten Charterflug aus Buenos Aires auf dem Flughafen El Altet ankam. Noch hatte er nicht bei einer WM in der Fußball-Nationalelf gespielt, doch er war bereits der Star, dem die Alicantiner Journalisten folgen mussten. Kempes, Valdano, Passarella, Trainer César Luis Menotti – es gab viele Auswahlmöglichkeiten, doch die Fotografen wussten genau, auf wen sie ihre Objektive richten mussten. Zunächst einmal auf: Maradona und Villajoyosa. Die südamerikanische Nationalmannschaft war im Hotel Montíboli in der Hauptstadt der Marina Baja untergebracht. Argentinien war der amtierende Fußballweltmeister und vertrat außerdem ein Land, das gegen Großbritannien Krieg führte. Offiziell wurde der Falklandkrieg am 14. Juni 1982 beendet, mitten während des Fußball-Events der Argentinier an einer Costa Blanca, an der sich zehntausende englische Residenten und Touristen befanden.

Und obendrein war ein großer Teil der in Spanien* lebenden Argentinier nach Alicante an der Costa Blanca gekommen, um bei den Fußball-Spielen ihrer Mannschaft dabei zu sein. Glücklicherweise gab es unter ihnen viele Exilanten, die vor der Militärdiktatur geflohen waren, die in ihrem Land regierte. Viele Intellektuelle und „marxistische“ Aktivisten, die wussten, dass das Schicksal der Militärs unauflöslich mit dem Ausgang des Krieges verbunden war. Aber falls die Politik rational sein kann, der Fußball kann es jedenfalls nicht.

Die Exil-Argentinier wünschten sich einen Sieg ihrer Mannschaft an der Costa Blanca, auch wenn dies die Militärjunta unter der damaligen Führung von Generalleutnant Leopoldo Galtieri begünstigte und sich die skandalöse Manipulation wiederholen sollte, derer sich die Regierung bei der WM ‘78 bediente, um sich den Sieg zu eigen zu machen. Fußball ist Fußball – und das gilt umso mehr für einen Argentinier.

In der ersten offiziellen Pressekonferenz, die Menotti am 30. Mai in Alicante an der Costa Blanca gab, sagte er: „Ich komme als argentinischer Bürger nach Alicante, der stolz ist, dass sein Land einen offenen Krieg gegen den Kolonialismus und Imperialismus führt, der Lateinamerika ständig unterworfen hat.“ Er sprach außerdem davon, „vereint zu sein im Kampf gegen den Imperialismus“ und vom „Schmerz der Brüder, die mitten in der Schlacht sind“. An jenem Tag äußerte sich Menotti politischer, als alle Fußballnationaltrainer des 21. Jahrhunderts zusammen. Das war die Atmosphäre, die man in diesen Junitagen atmete, an denen Alicante auf den Titelblättern aller Zeitungen weltweit war.

Währenddessen ließen 120 Nationalpolizisten und 15 Bodyguards im Hotel Montíboli keinen toten Winkel unbewacht. Spanien, ein vom ETA-Terror gebeuteltes Land, das 15 Monate zuvor einen Putschversuch erlitten hatte, durfte sich bei der Austragung des ersten großen internationalen Fußball-Events seit dem Beginn der Demokratie keine Fehler erlauben.

Das Montíboli war eine Festung. Da es auf einem Felsvorsprung, eingerahmt von den beiden kleinen Buchten Asparalló und Caleta in Villajoyosa an der Costa Blanca, errichtet wurde, war es relativ einfach zu überwachen und zu schützen, während die Spieler mit einer gewissen Privatsphäre den Strand genießen konnten. Außerdem war das nur wenige Meter entfernte Aparthotel Eurotennis von Angehörigen der Spieler und argentinischen Reportern bewohnt, die täglich herumstreiften, um Interviews und Fotos zu ergattern.

Maradona an der Costa Blanca: Als Fußballer noch keine Gottheiten waren

Zu jener Zeit war der Journalismus noch ein hochangesehener Berufsstand, und Fußballer wurden zwar verehrt, waren aber noch nicht in den Olymp der absoluten Gottheiten aufgestiegen, denen alles erlaubt ist. Also konnte ein Reporter beim offiziellen Flug einer Mannschaft mitreisen, im gleichen Hotel oder in dem nebenan unterkommen und leicht Zugang zu den Interviewpartnern bekommen.

Die Tageszeitung „La Verdad“ schickte aus ihrer Redaktion in Alicante an der Costa Blanca den Redakteur Enrique Entrena und den Fotografen Ángel García Alonso, Vater desjenigen, der diese Zeilen eben dort, an der Costa Blanca, schreibt. Entrena, ein guter Lokaljournalist, war zwar kein Fußball-Experte, aber ein Allrounder, der vor allem politische Interviews durchführte. Auf Garcías Bildern ist klar zu sehen, dass er exklusiven Zutritt zum argentinischen Trainer hatte. Auch, dass das Betreuerteam der Mannschaft ohne irgendein Problem in der Öffentlichkeit rauchte und trank.

Sicherheitskräfte 1982 vor dem Hotel Montíboli in Villajoyosa, wo Maradona und die argentinische Nationalmannschaft untergebracht waren.

Fußballer Maradona seinerseits kokettierte, an eine Palme gelehnt, mit einer jungen Frau am Strand neben dem Hotel, und es machte ihm offensichtlich nichts aus, dabei fotografiert zu werden. Wer den Ort kennt, weiß, dass es unmöglich ist, die Anwesenheit des Fotografen nicht zu bemerken, der die drei Negative in seinem Archivnotizbuch mit dem knappen und schwer nachprüfbaren Eintrag „Maradona und seine Freundin“ katalogisierte.

Als amtierender Fußball-Weltmeister musste Argentinien das Eröffnungsspiel gegen Belgien im Camp Nou des FC Barcelona spielen. Mit dem katalanischen Club hatte der Star erst wenige Tage zuvor die bis dato teuerste Spielerverpflichtung in der Geschichte des Fußballs konkretisiert. 1,2 Milliarden Pesetas. Sieben Millionen Euro zahlte der Verein für „El Pelusa“ (der Fussel), wie Maradona wegen seiner oft zerzausten Lockenpracht genannt wurde.

Als Fußball-Nationaltrainer Menotti nach der Verpflichtung des Stars gefragt wurde, erklärte er ohne große Umschweife: „In Argentinien sind die Fußballer wie der Weizen, wie das Zinn in Bolivien, es wird jeden Tag neues geboren.“ Eine ähnliche Antwort würde ihn im heutigen Fußball für den Literaturnobelpreis nominieren.

Barcelona brachte Argentinien kein Fußball-Glück, es verlor am 13. Juni vor 90.000 Zuschauern mit 1:0. Die Rückreise nach Villajoyosa muss sehr frustrierend gewesen sein, denn nur einen Tag später, am 14. Juni, trat Margaret Thatcher vor das House of Commons um die Abgeordneten und das britische Volk über die Kapitulation Argentiniens und das Ende des Falklandkrieges zu informieren.

Viel wurde in diesen Tagen über den Gemütszustand dieser Fußballmannschaft spekuliert. Es fällt schwer zu glauben, dass das Betreuerteam keine privilegierte Information über den wirklichen Verlauf des Konflikts hatte, doch wie in jeder Diktatur üblich, wurde das Volk im Unwissen gelassen. Die Mehrheit der Argentinier glaubte Anfang Juni, dass ihr Land den Krieg gewinnen würde.

Momentaufnahme von Maradonas zweitem Tor gegen Ungarn im WM-Spiel in Alicante.

Am 17. Juni wurde Galtieri von der Militärjunta ersetzt, und am 18. Juni spielte die argentinische Fußballmannschaft endlich zum ersten Mal im Stadion José Rico Pérez in Alicante. Der amtierende Weltmeister musste gegen Ungarn gewinnen, um im Turnier zu bleiben. Argentinien siegte mit 4:2, mit zwei historischen Toren von Maradona. Es waren seine ersten, die er bei einer WM für die Nationalmannschaft schoss und ein Vorgeschmack für die Welt auf die Großartigkeit, die in seinen Füßen steckte.

In jener Nacht verknipste Ángel García Alonso drei Filme à 36 Negative. Kodak-Schwarz-Weiß-Filme 400 ASA, gepusht bis 1.600. Glatte 108 Aufnahmen, um das Spiel des amtierenden Fußball-Weltmeisters abzulichten. Álex Domínguez, professioneller Fotoreporter, erklärt: „Beim jüngsten Spiel der spanischen Nationalmannschaft drückte ich 1.200 Mal ab.“ Die Pressefotografen, die mit dem Filmrollenmangel im Spanien der 50er Jahre aufgewachsen waren, konnten sich nicht den Luxus erlauben, einen nervösen Finger am Auslöser zu haben. Sie überlegten es sich gut, bevor sie abdrückten, denn später mussten sie vor den Augen des Geschäftsführers vorbei, um neue Filme zu holen und sie zu entwickeln. Verschwender waren nicht gerne gesehen.

Maradona bei der Fußball-WM ‘82: Eine von Kriegen überschattete Weltmeisterschaft

Auch nicht im Fußball. Einige Tage zuvor hatte Ungarn in Elche 10:1 gegen El Salvador gewonnen und dabei viel Energie verschwendet. Es hatte den Zählerstand mit dem größten Abstand in der Geschichte der Weltmeisterschaften hinterlassen und ein kleines Land gedemütigt, das in einem schrecklichen Bürgerkrieg steckte. Der hatte sich demoralisierend auf die Vorbereitung der Fußball-Mannschaft ausgewirkt.

Der vernichtende Sieg der Ungarn über El Salvador kam in Argentinien nicht gut an, einem weiteren lateinamerikanischen Land im Krieg. Nach der Niederlage gegen die Argentinier spielte Ungarn unentschieden gegen Belgien und flog aus dem Turnier. Am 23. Juni, die Johannisnacht, mit über Lagerfeuer springenden Menschen an den Stränden, besiegte Argentinien die Mannschaft aus El Salvador mit 2:0 und klassifizierte sich für die nächste Runde. Es war die glücklichste Nacht dieser Mannschaft in Alicante.

Maradona an der Costa Blanca: Fußball-Siegeszug der Japaner am Spielfeldrand

José Manuel Carratalá, Chef der Bildredaktion der Tageszeitung „Información“ von 1982 bis 2007, erinnert sich noch gut an die beiden Partien Argentiniens in Alicante. „Bei den Spielen fotografierten sehr viele Chinesen – wie alle Asiaten in Spanien genannt wurden, in Wirklichkeit waren es nämlich Japaner“, erzählt Carratalá. „Und wir waren darüber sehr verwundert.“

Japan hatte in den 70er Jahren den professionellen Markt der Fotografie mit Canon und Nikon revolutioniert und Leica ersetzt. „Es war kein Fußballland, aber eines für Kameras. Die Marke Fuji hatte im Stadion Rico Pérez ein Fotolabor eingerichtet. Wir Fotografen brauchten nur die Hand zu heben und schon rannte ein Bursche von Fuji zu uns, nahm den vollen Film mit und gab uns eine Nummer“, erinnert sich der Pressefotograf. „Später, in der Halbzeitpause oder nach dem Spiel, gingen wir vorbei und nahmen die entwickelten Filme mit.“

Rivalen auch am Spielrand: Canon und Nikon schickten zahlreiche Japaner zur WM, um Maradona abzulichten und ihre Kameras zu bewerben.

Carratalá bestätigt, was man auf den Bildern von Ángel García sieht: „Niemand arbeitete mit großen Teleobjektiven, denn sie waren rudimentär und ihr Fokus manuell. Man musste es ausnutzen, wenn die Spieler an den Rand kamen. Die Spieler waren instruiert und feierten die Tore normalerweise in unserer Nähe.“

Die Spiele der zweiten WM-Runde bestritt Argentinien in Barcelona, mit zwei Niederlagen gegen Italien und Brasilien. Der noch sehr junge Maradona sparte sich die Revanche und seinen Prozess zur Vergöttlichung für die WM in Mexiko ‘86 auf.

Maradona, Fußball-WM und Costa Blanca: Beste Werbekampagne der Geschichte

Für die Costa Blanca, Alicante, Villajoyosa und das Montíboli waren die Spiele die beste Werbekampagne in der Geschichte. Wunderbar, global und unmöglich in Zahlen zu fassen. Eineinhalb Jahre später, im Fußball und im Krieg besiegt, demokratisierte sich Argentinien und Maradonas Mythos eines Fußballgotts wuchs*. Es waren Zeiten, in denen die Schamhaftigkeit die Leute daran hinderte, öffentlich zu proklamieren, dass Politik und Sport getrennt werden müssten.

14 Jahre später, im September 1996, kehrte Maradona unter ganz anderen Umständen nach Alicante zurück. Er war jetzt kein junger Kerl mehr, er war 35 Jahre alt und drogenabhängig. Die kolumbianische Regierung hatte bereits Pablo Escobar ausgeschaltet, und die westliche Welt begann, die Rechnung für die 80er-Jahre-Party des Kokains zu zahlen.

Es waren die letzten Monate in seiner Karriere als Profifußballer und bevor Maradona seine ebenfalls holprige Karriere als Fußballtrainer startete. Der jahrelange Kreuzweg des Entzugs, der ihm eine enge Freundschaft mit Fidel Castro und viele Reisen nach Kuba bescherte, nahm in Alicante seinen Anfang. Dort begann ihn sein befreundeter Landsmann, der Sportmediziner Guillermo Laich, zu behandeln.

Es überrascht, in den Zeitungsarchiven von damals zu lesen, wie der Fußballer in den Interviews offen über seine Abhängigkeit spricht. El Pelusa gab alle seine Exzesse und deren Konsequenzen zu. Nichts verheimlichte er. Maradona quartierte sich im Hotel Meliá in Alicante ein und widmete mehrere Tage der Behandlung bei Laich.

Außerdem spielte er Tennis im Club Atlético Montemar, wo er mehrere unschöne Begegnungen mit der Presse hatte. Am Tag zuvor hatte er mehrere Interviews gegeben und „war dabei sehr freundlich zu den Fotografen gewesen“, erinnert sich José Manuel Carratalá. Doch er wollte nicht beim Tennisspielen fotografiert werden. Eine Warnung, die alle in den Wind schlugen. Ángel García machte mit einem Weitwinkelobjektiv und einer Entfernung von 30 Zentimetern Fotos vom Gesicht des Fußballers – bis die Situation eskalierte. Es gab Geschrei und eine Zurschaustellung schlechter Manieren. Carratalá war unterdessen außerhalb des Sportplatzes auf einem Baum geklettert, um den Argentinier unbemerkt abzulichten. Die Pressefotografie hatte sich gewandelt. Riesige Teleobjektive waren überall, und Maradona sorgte außerhalb für mehr Schlagzeilen als im Sport.

Maradona in Alicante, jetzt bereits sichtlich genervt von den Fotografen.

Maradona an der Costa Blanca: „El Pelusa“ dreht beim Fußball durch

Am 18. September 1996 um 6.10 Uhr morgens erhielt Ángel González Murcia, stellvertretender Chef für Instandhaltung im Hotel Meliá, einen Anruf. Es gebe ein Problem mit einem der Aufzüge. Er fuhr in den fünften Stock und fand Hoteldirektor Julio Pingarón mit verzerrtem Gesicht vor. Er fand die durchwühlte Rezeption und demolierte Möbel. Kaputte Stühle und Türen, Löcher in der Decke, einen Marmor-Aschenbecher, der als Rammbock verwendet worden war und den Fußballer, der schrie: „Hier habe ich das Sagen!“

Später kam durch die Berichte in der Lokal- und Weltpresse heraus, dass ein betrunkener Maradona im Aufzug steckengeblieben war, wegen unsachgemäßer Benutzung. Der Feuerwehrmann, der ihn herausholte, sagte aus, der Spieler habe kein Hemd angehabt, sei barfuß gelaufen, einer der Füße habe geblutet – vermutlich von den Tritten – und habe außerordentlich geschwitzt. Natürlich gab es für den Retter keinen Dank, nur einen argentinischen Tsunami, der im Zimmer 5.097 weiterwütete, bis die Polizei eintraf.

Maradonas Gefolge aus Agenten, Freunden und Sicherheitsmännern – der Fußballer reiste stets in großer Gesellschaft – schritt ein, um Anzeigen zu verhindern und zahlte 150.000 Pesetas für die angerichteten Schäden. Der Aufruhr führte zur Änderung der Pläne. Statt mit dem Flugzeug, fuhren sie mit dem Auto nach Madrid, um die Behandlung fortzusetzen. Es herrschte Diskretion.

Nicht so unbemerkt wie gewollt reist Maradona aus Alicante ab, nachdem er im Hotel Meliá randaliert hat.

Am späten Nachmittag, als „El Diego“ eine unscheinbare Tür für Hotelpersonal öffnete, um ins Auto zu steigen, ging ein Blitzlichtgewitter über ihm nieder. Natürlich erwarteten ihn Ángel García Alonso und José Manuel Carratalá, so wie sie ihn 14 Jahre zuvor am Ausgang des Spielertunnels im Stadion Rico Pérez erwartet hatten. An jenem Nachmittag, als Maradona seine ersten beiden Tore bei einer Fußball-WM schoss, als alles noch vor ihm lag, als alles noch davor war, zusammenzufallen. *costanachrichten.com ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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