Mord an Frau in Torrevieja.
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Blumen am Hauseingang weisen auf den Tatort. Im Zentrum von Torrevieja wurde am 18. Dezember 2021 wieder eine Frau durch ihren Ex-Partner ermordet.

Gewalt gegen Frauen

Wieder Mord an Frau in Torrevieja: Lebenspartner unter Tatverdacht in Haft

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Der Mord an einer 35-jährigen Frau in Torrevieja ist binnen zwei Wochen das fünfte Tötungsdelikt an einer Frau in Spanien durch die Hand ihres Partners bzw. Ex-Partners. Nachbarn hörten stundenlang Lärm, schritten aber nicht ein. Kundgebungen in Torrevieja.

Torrevieja - In der Nacht zum Samstag, 18. Dezember, stellte sich ein 39-jähriger Mann der Guardia Civil in Torrevieja und gab an, dass seine Lebenspartnerin "nach einem Streit" bewusstlos in der gemeinsamen Wohnung liege. Die Polizei fand in der Wohnung in der Calle Concordia im Zentrum Torreviejas, unweit des Busbahnhofs, die 35-jährige Frau, gebürtig in Orihuela, tot in einem der Zimmer liegen, "mit eindeutigen Spuren von Gewalteinwirkung". Ihr Lebenspartner wurde unter Tötungsverdacht verhaftet.

Mord in Torrevieja: Mutmaßlicher Täter fiel bereits zuvor wegen Gewalt gegen Frauen auf

Nach ersten Angaben der Nachbarn waren von ca. 23 Uhr am Freitag bis etwa 1.30 Uhr Samstag "lautes Poltern, Streit und Geräusche von Schlägen" zu hören, so die Darstellung der Polizei. Nachbarn hätten bei früheren Vorkommnissen die Polizei geholt, diesmal aber nicht. Der Spanier war wegen machistischer Gewalt an einer früheren Lebenspartnerin der Polizei bekannt, von Seiten des jetzigen Mordopfers sollen indes keine Anzeigen vorgelegen haben. Das Paar hat eine dreijährige Tochter, die zum Zeitpunkt der Tat bei Verwandten gewesen sein soll.

Die Spurensicherung der Guardia Civil am Tatort des Frauenmordes im Zentrum von Torrevieja.

Das Mordopfer arbeitete als Angestellte in einem Supermarkt im Zentrum von Torrevieja, am Morgen nach der Tat, legten Nachbarn und Arbeitskollegen der Frau Blumen am Tatort nieder. Frauenrechtsgruppen und Parteien riefen für Sonntag, 19. Dezember, 19.30 Uhr, zu einer Kundgebung auf den Platz vor dem Rathaus Torrevieja (Plaza de la Constitución) in Gedenken an das Mordopfer auf. Bereits am Mittag versammelten sich dort rund 150 Menschen in Trauer und Wut (siehe Foto).

Rund 150 Menschen versammelten sich am 4. Advent mittags in Torrevieja zum Gedenken an das Mordopfer.

Fünf Morde an Frauen in Spanien in zwei Wochen, 26 Kinder verlieren Mütter in einem Jahr

Das Verbrechen ist bereits der zweite Mord an einer Frau in Torrevieja in diesem Jahr durch die Hand des Partners oder Ex-Partners. Anfang November wurde neben einem Supermarkt in Torrevieja der zerstückelte Leichnam einer in Torrevieja lebenden Frau aus Finnland gefunden, die mutmaßlich von ihrem Ex-Partner, einem Landsmann, getötet worden war. Die Ermittlungen dauern an, der Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Im September hat ein Mann in Villajoyosa seine Frau enthauptet und sich anschließend von einer Brücke gestürzt.

Allein in den vergangenen zwei Wochen gab es fünf Morde an Frauen sowie an einem Kind durch die jeweiligen Ex-Partner in Spanien: Neben Torrevieja in Granada, in Liaño in Kantabrien, in Sant Joan de les Fonts in Girona sowie in einem Vorort von Valencia. In ganz Spanien starben auf diese Weise 2021 bereits 41 Frauen, 26 Kinder wurden zu Waisen. Seit Beginn der Statistik über "Häusliche Gewalt" im Jahre 2003 wurden in Spanien 1.123 Frauen von "ihren" Männern umgebracht.

Hotline-Telefon gegen Gewalt gegen Frauen in Spanien

Die spanische Regierung hat die Telefonnummer 016 sowohl für Opfer Häuslicher Gewalt als auch für Zeugen und Angehörige eingerichtet. Die Nummer erscheint nicht auf der Rechnung, ist kostenlos, ganzjährig 24 Stunden am Tag und in 58 Sprachen erreichbar. Die Beratung erfolgt auf Wunsch anonym, die geschulten Berater können sowohl Notfalleinheiten aktivieren als auch Sozialeinrichtungen vermitteln. Eine Kontaktaufnahme ist auch per WhatsApp möglich unter: 600 000 016.

Zum Thema: Nur Ja heißt Ja: Spaniens neues Gesetz zur sexuellen Selbstbestimmung

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