Polizeieinsatz nach Mord in Torrevieja.
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Mord in Torrevieja: Die Ermittler am Wohnort von Opfer und mutmaßlichem Täter, einem Paar aus Finnland.

Grausiges Verbrechen

Frauenmord in Torrevieja: Täter gesteht

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Ein „Lumpensammler“ findet in einem Müllcontainer in der Ferienstadt Torrevieja im Süden der Costa Blanca Teile einer Leiche. Die Polizei löst den Fall innerhalb von wenigen Stunden. Es ist Mord. Der Täter war polizeibekannt.

Torrevieja - Am Donnerstag, 28. Oktober 2021, ruft gegen Mittag ein Mann bei der Guardia Civil in Torrevieja an, um einen grausigen Fund zu melden. Er habe ein menschliches Bein und einen Arm gefunden, wahrscheinlich seien in dem Müllcontainer noch mehr menschliche Leichenteile, er traue sich nicht, weiter zu suchen und die Zehennägel seien lackiert, soll er gesagt haben. Der Müllcontainer steht neben einem Supermarkt und unweit zweier Schulen im belebten Wohn- und Gewerbeviertel Casa Grande von Torrevieja, unmittelbar an der Avenida de las Cortes Valencianas, einer der wichtigsten Zufahrtsstraßen zur Salzstadt.

Leiche in Torrevieja stellt sich als 68-jährige Finnin heraus: Ehemann unter Mordverdacht verhaftet

Der Anrufer ist der Polizei bekannt, ein Mann, den man gemeinhin als "Vagabund" bezeichnet, der täglich den ausufernden Müll Torreviejas nach Wertstoffen durchforstet, um ein bisschen Kleingeld zu verdienen. Seine Angaben gelten als glaubwürdig, er wird gebeten am Fundort zu bleiben, die Guardia Civil rückt mit einem Großaufgebot aus, einschließlich Spurensicherung, Arzt, Gerichtsmedizin, Hundestaffel, das ganze Programm.

Dutzende Spezialkräfte waren in Torrevieja nach dem Leichenfund in einem Müllcontainer im Einsatz.

Die Stelle, an der die Müllcontainer stehen, gilt in der Szene der "Vagabunden" von Torrevieja, wie oft schuldlos in Armut und soziales Abseits Geratene landläufig noch immer bezeichnet werden, als ein beliebter Sammelplatz auch für Lebensmittel. Mitarbeiter von Supermärkten laden hier oft neben den Containern unverkäufliche Ware ab - auch mal gegen die eigenen Betriebsvorschriften, um den Ärmsten der Stadt ein einfaches Mahl zu ermöglichen. Der Bereich war auch daher durch Überwachungskameras abgedeckt.

Vor Ort brachten die Ermittler dann ein makabres Puzzle ans Licht, dessen Details für uns wenig zur Sache tun und identifizierten nach nur zwei Stunden die Leiche als jene einer 68-jährigen Frau aus Finnland, die seit vielen Jahren in Torrevieja lebte. Ihr Lebenspartner, ein 70-jähriger Finne, saß zu Hause auf der Couch vor dem Fernseher als die Guardia Civil noch am Nachmittag seine Wohnung in einer der vielen gesichtslosen Urbanisationen stürmte. Sie verhaftete ihn wegen dringenden Tatverdachts des Mordes an seiner Frau.

Polizei in Torrevieja: Mord an Frau durch Ehemann „Häusliche Gewalt“ - Täter legt Geständnis ab

Wie sich im Laufe der Ermittlungen zum Frauenmord in Torrevieja herausstellte, unterhielt der 70-jährige Finne zum Mordopfer seit Februar eine intime Beziehung. Laut Guardia Civil hat er das Verbrechen mittlerweile gestanden. Die Spurensicherung dehnt ihre Arbeit auch auf die Mülldeponie von Jijona aus, dort, rund 100 Kilometer entfernt , landet der meiste Müll aus Torrevieja. Der Kopf des Mordopfers wird dort vermutet. Eine Richterin untersagte zwischenzeitlich, weiteren Müll aus Torrevieja zu bringen, bis die Suche abgeschlossen sei. Am Wochenende wurden weitere Leichenteile sowohl in der Wohnung des Täters als auch im Umfeld der ersten Funde entdeckt.

Außerdem wurde bekannt, dass der Täter bereits wegen Gewalt gegen Frauen, konkret seine vorherige Partnerin, polizeilich bekannt war und im Monitoring-System des Innenministeriums geführt wurde. Anzeigen oder andere Aktenvermerke seitens der neuen Partnerin sollen nicht vorgelegen haben.

Sowohl am Rathaus Torrevieja, wie auch in weiteren Orten, darunter der Universität Alicante, wurden in den vergangenen Tagen Schweigeminuten für das Opfer abgehalten.

Ob der Täter tatsächlich glaubte, durch die Zerstückelung des Leichnams und das Abladen der Überreste in einen Müllcontainer an einer Hauptstraße in Torrevieja die Aufklärung des Verbrechens verhindern zu können oder es dabei um eine Art symbolische Abrechnung ging, sollen nun Verhöre und Untersuchungen ergeben. Das Verbrechen wird nach Einschätzung der Umstände durch die Polizei als "häusliche Gewalt", also als gezielte, machistische Gewalt gegen Frauen eingestuft. Die Umstände der Tötung und die Vorgeschichte des Täters ließen keine andere Interpretation zu, so die ermittelnde Behörde.

In Torrevieja kamen in den Vorwochen gleich mehrere, bereits weiter zurückliegende Fälle, von Gewalt gegen Frauen durch deren Partner, bzw. Ex-Partner vor Gerichten zur Verhandlung. Die Täter entstammen dabei übrigens praktisch allen Altersklassen, sozialen Schichten und Kulturkreisen. In Spanien kamen 2021 bisher 37 Frauen wegen der sogenannten „geschlechtsspezifischen Gewalt“ (violencia de género), 1.114 seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2003.

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