Im Hinterland von Alicante

Naturwunder an der Costa Blanca: Sonne lässt im Oktober mysteriöses Schauspiel entstehen

  • vonStefan Wieczorek
    schließen

Faszinierend, das Naturwunder an der Costa Blanca, wenn sich die Sonne, ein Berg und eine Kloster-Ruine im Vall de Gallinera auf den Tag genau in Reihe stellen. Ägyptologe José Lull entdeckte das vergessene Phänomen, das Licht auf Franziskaner wirft, die vor 400 Jahren ins Tal im Hinterland zogen.

  • Naturwunder an der Costa Blanca: Am 4. Oktober bestrahlt die Sonne durch einen Berg ein altes Kloster.
  • Franziskaner hatten es 1611 gebaut. Zuvor waren die Morisken aus dem Vall de Gallinera vertrieben worden.
  • Forscher José Lull ging der Geschichte des Phänomens nach. Heute lockt es viele Touristen ins Tal an.

Vall de Gallinera - An der Costa Blanca eröffnet ein Naturwunder den Oktober. Im Tal Vall de Gallinera hinter Alicante stellen sich die Sonne, ein Berg und eine Kloster-Ruine auf sehenswerte Weise in Reihe. „Alineación solar" nennt das Tal das Phänomen, das in den vergangenen Jahren immer mehr Touristen anlockte. Wie vieles andere in Spanien, verhindert das Coronavirus diesmal eine organisierte Schau. Doch der Natur ist das egal. In aller Stille wird die Sonne um den 4. Oktober wieder durch das Felsloch scheinen, zum Feiertag des heiligen Franz von Assisi. Warum das Datum von Bedeutung ist? Gleich mehr dazu.

Vall de GallineraTal der acht Dörfer an der Costa Blanca
Höhe295m
Bevölkerung589 (2018)
Bezeichnung der Bewohnervallero, vallera
ProvinzAlicante

Naturwunder an der Costa Blanca: Sonne und Berg bewirken Strahl auf Kloster-Ruine

Ein Abstecher aus Alicante nach Hollywood: Film-Fans kennen die Szene aus „Jäger des verlorenen Schatzes“ (Youtube-Video): Archäologie-Ikone Indiana Jones steckt in einem antiken Kartenraum in Ägypten eine durchlochte Scheibe auf einen senkrecht aufgestellten Stab. Zu einer genau berechneten Uhrzeit scheint die Sonne für einige Augenblicke durch das kleine Loch und wird zu einem feinen Strahl gebündelt, der auf die Lage vom verlorenen Schatz deutet: die Bundeslade mit den Zehn Geboten. Nach einem ähnlichen Prinzip - nur von der Natur gemacht und größer - funktioniert das Naturwunder im Vall de Gallinera.

In den ersten Tagen im Oktober senkt die Sonne sich - von der Kloster-Ruine im Vall de Gallinera aus gesehen - zum Gipfel des Berges Penya Foradà. Der „durchlöcherte Berg“ ist das Kennzeichen des Tals im Hinterland der Costa Blanca und gab ihm sogar den Namen. „Gallinera" stammt vom iberischen Namen der Foradà ab. Zunächst verschwindet die Sonne hinter dem Fels des Berges, taucht aber sogleich im Felsloch auf. Wie durch ein Visier schickt sie ihre Strahlen auf das Gelände mit den markanten Baum-Reihen am Hang und bringt es für einige Minuten zum Leuchten. Dann verschwindet die mysteriöse Erscheinung, vorbei ist das Naturwunder.

Naturwunder hinter Alicante: Ägyptologe fand Schatz des Vall de Gallinera im Hinterland der Costa Blanca wieder

Das Naturwunder im Tal hinter Alicante würde im Jahr 2020 völlig unbemerkt vonstatten gehen – gäbe es nicht auch in dieser Geschichte einen „Indiana Jones“: José Lull, Ägyptologe von der Universität UAB von Barcelona. 2005 machte sich der Fachmann für Archäoastronomie auf die Suche nach dem verlorenen Schatz des Vall de Gallinera. Den Anfang machte der Fund einer kuriosen Notiz in einem geographischen Führer von 1919. Dort las der einstige Student der Uni Tübingen von einem Phänomen, bei dem die Sonne am Tag des heiligen Franz (Francisco de Asís) durch den Berg auf ein Kloster am Dorf Benitaia scheine.

Visier der Sonne: Berg Foradà mit Loch im Gipfel im Vall de Gallinera.

„Ins Tal fuhr ich oft mit meiner Frau“, berichtet Lull. Er fragte die Einwohner des Vall de Gallinera nach dem Sonnen-Ereignis, doch selbst die mit Legenden bewanderten Dorfälteren konnten nicht weiterhelfen. „Nur wenige hatten von dem Naturwunder gehört“, sagt Lull, „selbst gesehen hatte es keiner“. Auch von einem Kloster fehlte zunächst jede Spur. Lull stöberte in Bibliotheken und Archiven – und wurde schließlich fündig. 1611 ließen sich tatsächlich im Hinterland-Tal der Provinz Alicante, bei Benitaia Bettelmönche nieder. Franziskaner, genauer gesagt, und das sei von Bedeutung, erklärt der Ägyptologe.

„Ein außergewöhnliches Gefühl. Ich hatte über Monate all die Berechnungen gemacht, alles Theoretische, aber das dann im Vall de Gallinera mit eigenen Augen zu sehen, war wirklich bewegend.“

José Lull, Ägyptologe der Uni Barcelona

Franziskaner im Vall de Gallinera: Naturwunder im historischen Kontext

Ob in seinem Buch (PDF) über das Phänomen im Vall de Gallinera, oder in Vorträgen: Immer schildert José Lull den geschichtlichen Rahmen der Ankunft der Franziskaner in den Bergen im Hinterland der Costa Blanca. Nur so könne der Betrachter das Naturwunder in seiner ganzen auch kulturellen Tiefe erfassen. „Als die Mönche vor 400 Jahren ins Tal kamen“, erzählt der Forscher aus Barcelona, „hatte diese Gegend gerade ihre gesamte Bevölkerung verloren.“ Hundert Jahre zuvor waren das Gallinera-Tal und seine Umgebung das Land der Morisken gewesen - der zum Christentum konvertierten Mauren.

Die langjährigen Bewohner des Vall de Gallinera hatten sich nicht freiwillig taufen lassen. Es war eine zwanghafte Maßnahme zu ihrer Integration, forciert durch die „Katholischen Könige“ von Spanien. Ein Fiasko, erklärt Lull. „Im Königreich Valencia hat das Zwangs-Bekehren überhaupt nicht geklappt“, so Lull. Ein ganzes Drittel der Bevölkerung machten im Königreich die Morisken aus, kamen jedoch nie über ein Dasein als Menschen zweiter Klasse hinaus. Für Billiglöhne dienten sie den selbsternannten „reinen Christen“ aus dem Adelsstand – zurückgedrängt in Landgebiete wie das Tal mit dem Loch im Berg hinter Alicante.

Morisken-Siedlung hinter Alicante: Klare muslimische Bauweise und Lebensordnung.

Als Vall de Gallinera alle Bewohner verlor: Vertreibung der Morisken aus Spanien

„Das Vall de Gallinera galt als Peripherie, und das mochte die christliche Gesellschaft nicht“, sagt Lull. Katholischerseits teilten das Leben mit den Morisken hier nur Wach-Soldaten auf der Burg von Benirrama – und Pfarrer, die die christlichen Sitten kontrollierten. „Aus deren Weisungen machten sich die Bewohner aber nichts“, so Lull, der alte Gemeindeprotokolle fand. Von einer verfallenen Kirche sei da die Rede – und von der unverblümten Praxis islamischer Bräuche unter den Morisken. Noch heute verraten die Ruinen der damaligen Siedlungen, dass die Bewohner muslimische Familien-Ordnungen aufrechterhielten.

Als König Felipe III. 1609 das Dekret zur Vertreibung der Morisken erließ, sträubte sich das Establishment von Valencia. Allerdings hatte das vor allem wirtschaftliche Gründe: Die Landherren fürchteten den Verlust ihrer billigen Arbeiter. Doch weder dieser Widerstand noch ein Aufstand der Morisken konnte die Deportation der letzteren nach Afrika verhindern. Geschlagen, geprügelt, ausgeraubt zogen die Nachfahren der stolzen Mauren gen Küste nach Dénia. Das Königreich Valencia verlor 1609 ein Drittel der Einwohner – das Vall de Gallinera so gut wie alle. Unten: Vertreibung der Morisken, Gemälde von Vicente Mostre, 1613.

Vall de Gallinera nach Morisken: Siedler aus Mallorca und Franziskaner ohne Schuhe

Mit den Morisken wurde ein ganzes Volk brutal entwurzelt. Das auf Macht und Triumph fixierte Christentum in Spanien hatte seine hässlichste Fratze gezeigt. Das Vall de Gallinera wurde auf einen Schlag leer. Auf der Suche nach Ersatz für die Morisken wurde der Herzog von Gandía, Francisco Carlos de Borja, in Mallorca fündig. „Dort war er zugleich König“, erzählt Lull. „So hatte er die Gewalt über 150 Familien, die er ins Tal bringen ließ. Ihrer Heimat entrissen, ähnelten sie jedoch in gewisser Weise den Morisken.“ Nein, Muslime waren die neuen Siedler von Alicante nicht, jedoch „ein ungebildetes Landvolk mit rohen Sitten“.

Bald stellte der Herzog fest, wie schwer die Integration der Neuen war. „Die Siedler brachten wieder die alten Probleme mit.“ Verstärkung musste im Vall de Gallinera her. Doch die Soldaten hatten die Burg und die heilige Inquisition die Kirchen verlassen. 1611 kam eine neue Armee, ohne Waffen und Schuhe: Franziskaner. „Die hatten in Spanien gerade viel Einfluss“, sagt Lull. Pedro von Alcántara hatte den Orden reformiert und aufs Evangelium und die Armut des Gründers Franz von Assisi zurückbesinnt. Barfuß und nur mit dem Nötigsten im Gepäck setzten die Brüder neue Impulse in einer korrumpierten Gesellschaft und Kirche.

Franziskaner-Kloster im Vall de Gallinera: Günstige Stelle an Quelle mit „reinem Bergwasser“

Der Sitz der Mönche sollte zunächst in Pego gebaut werden, nah an der Küste und der politischen Gewalt. Doch letztendlich ließ der Herzog am 11. Juni 1611 den ersten Spatenstich für das Kloster San Andrés del Monte, „Sankt Andreas vom Berg", mitten im Vall de Gallinera setzen. Gewählt wurde eine günstige Stelle im Herzen des Tals. Die Franziskaner bauten das Kloster am Hang über dem Dorf Benitaia, direkt bei einer Quelle mit Bergwasser, über das eine Chronik von 1665 urteilt, es sei „so rein, sanft und süß, dass, soviel man auch trinkt, es keinen Schaden antut, sondern es den Körper erquickt“.

Vom Kloster im Vall de Gallinera ist der 1741 über der Quelle gebaute Brunnen übrig.

Von den Kräften der Quelle angetrieben, feierten die Franziskaner im Vall de Gallinera bald erste Erfolge. Die Brüder mit den braunen Kutten und weißen Strickgürteln wurden gar zum Kennzeichen des Tals hinter Alicante. Der Orden wuchs von zuerst neun auf 22 Mönche im Jahr 1732. Mit einer Glocke, die dank der zentralen Lage quer durchs Tal schallte, riefen sie die Armen zum Essen. In den acht Dörfern gewannen die Mönche viele Sympathien. „Urkunden berichten, dass Einwohner vor dem Tod wünschten, in der Tracht der Mönche begraben zu werden“, lacht Lull. „Andere wollten im Kloster begraben werden, statt im eigenen Dorf.“

Kloster im Vall de Gallinera: Franziskaner priesen Sonne im Gesang

Zweimal wurde das Franziskaner-Kloster im Vall de Gallinera zerstört, 1644 durch Erdbeben, 1707 durch den Erbfolgekrieg, zweimal bauten die Brüder es wieder auf. Die dritte Zerstörung aber war endgültig, 1835 durch die Kirchen-Enteignungen des 19. Jahrhunderts. Diese fielen im Tal hinter Alicante so brutal aus, dass heute nur noch Reste der Stätte erhalten sind, wie der Brunnen, den die Mönche 1741 über der Quelle errichteten. An den Kloster-Hof erinnert noch ein kleines Feld mit Steinaltar, auf dem gelegentlich Gottesdienste gefeiert werden. In einer Kirche ohne Wände, in der statt Säulen Zypressen die Schiffe bilden.

„Das Kloster bestand aus mehreren Gebäuden: Einer kleinen Kirche und mehreren Kapellen“, erklärt Lull. Das Naturereignis, bei dem die Sonne durch den Berg scheint, warf das Licht ausgerechnet am Tag des Franziskaner-Patrons Franz von Assisi auf den Komplex. Das berechnete José Lull. Angesichts der geringen Maße des Felslochs sei das Phänomen an der Stelle des Klosters nur zwei Minuten lang an maximal zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu sehen – darunter immer der 4. Oktober „Wir können uns heute nur noch vorstellen, wie der Strahl durch ein Fenster einbrach und eine Figur des Heiligen zum Leuchten brachte“, mutmaßt Lull.

Franziskaner von Alicante: Gemälde im Hinterland der Costa Blanca.

Womöglich stimmten die Brüder dabei den „Sonnengesang“ an, Franz‘ berühmtes „Laudato si´“an die Schöpfung, in der er über „Bruder Sonne“ dichtete: (Youtube: Version auf Deutsch von Angelo Branduardi)

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
besonders dem Herrn Bruder Sonne, der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz: von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Naturwunder an der Costa Blanca: Immer um 18.20 Uhr in Alicante

Bevor Lull im Vall de Gallinera in derartige Jubelarien ausbrach, musste er noch einige Studien anstellen. Immer wieder fuhr der Forscher, von Kollegen und Angehörigen begleitet, ins Tal und erstellte Karten, auf denen er Beobachtungspunkte festlegte. Von denen aus verfolgte er, wie der Weg der Sonne nach dem Herbst-Äquinoktium sich gen Berg Foradà neigte. „Es sah stark danach aus, dass das Ereignis tatsächlich stattfinden würde.“ Zuletzt kalkulierte Lull dessen Uhrzeit – immer um 16.20 Weltzeit, also 18.20 Uhr an der Costa Blanca. „Was nun fehlte, war die kostbarste Probe – die Beobachtung des Naturwunders vom alten Kloster aus.“

José Lull entdeckte das Phänomen mit der Sonne im Vall de Gallinera wieder.

Doch ausgerechnet an den ersten Oktober-Tagen 2005 verbarg an der Costa Blanca schlechtes Wetter die Sicht. Monatelang übte sich Lull in Geduld. Doch auch im folgenden Jahr bildeten sich kurz vor dem Phänomen, bei dem Sonne, Berg und Kloster eine kosmische Einheit bilden, urplötzlich Wolken. „Es war wie ein Fluch“, erzählt der Ägyptologe. Doch am zweiten Tag gelang es ihm, Zeuge vom Naturwunder zu werden. „Ein außergewöhnliches Gefühl“, schwärmt der Forscher. „Ich hatte all die Berechnungen gemacht, alles Theoretische, aber das dann auch vor Ort zu sehen, war wirklich bewegend.“

Naturwunder an der Costa Blanca: Weltall, Erde und Mensch für zwei Minuten auf einer Linie

Dabei waren für Ägyptologe Lull architektonische Sonnen-Effekte keine Neuheit. Selbst bereist hatte er den ägyptischen Felsentempel Abu Simbel, in dem die Sonne zweimal im Jahr Statuen heiliger Gestalten zum Leuchten bringen (siehe Video unten). Oder die Maya-Pyramide Chichén Itzá in Mexiko, in der Licht-und Schattenspiele eine mysteriöse Schlange zum Vorschein bringen. Wie bei den genannten Wundern der Architektur, ist auch im Fall des Klosters im Vall de Gallinera die ursprüngliche Absicht der Baumeister, das Naturwunder an der Costa Blanca auszunutzen, nicht eindeutig zu belegen.

José Lull legt sich im Fall der Franziskaner-Mönche im Hinterland der Costa Blanca jedoch fest: Absicht. „Es ist ein so kleiner Lichtkegel, dass, wenn man einige Meter links oder rechts steht, man ihn schon nicht sieht.“ Entsprechend präzise hätten die allein von ihrer Frömmigkeit her naturverbundenen Brüder die Umwelt beobachtet. Das Naturwunder mit der Sonne am Berg deuteten sie als kosmische Begegnung: Weltall, Erde und Mensch auf einer Linie. Für zwei Minuten kehrte in eine zerrüttete Schöpfung Harmonie ein. „In jener Epoche schaute man eben auch mehr Richtung Himmel als heute“, meint Lull nachdenklich.

Vall de Gallinera fördert Naturwunder, von Restaurants bis Bier aus Dénia

Dass der Blick im Vall de Gallinera wieder regelmäßig nach oben fällt, ist dem Ägyptologen zu verdanken. Im Jahr nach seiner Entdeckung reiste José Lull aus Barcelona noch mit einer kleinen Gruppe zur Begegnung der Sonne mit dem Berg Foradà an, in den verganenen Jahren strömten zum Tag des Franz von Assisi hunderte Touristen ins mauerlose Kloster im Hinterland von Alicante. Das Rathaus, Restaurants und Herbergen wie "El Secret de la Foradà" fördern mittlerweile das auch aus kulturhistorischer Perspektive spektakuläre Naturwunder. Sogar eine neue Bier-Marke aus Dénia wirbt dafür auf ihrem Etikett..

In der Gruppe der Beobachter des Naturwunders im Hinterland der Costa Blanca dabei ist, inmitten von Studenten, immer auch José Lull. Auch nach 15 Jahren hat die „Alineación Solar" für ihn den Reiz nicht verloren. Voller Herzblut sind seine Vorträge, in denen er auch immer den geschichtlichen Kontext des Klosters schildert. Die traurige Geschichte um die Morisken, auf die erst die Siedler aus Mallorca und dann die Franziskaner folgten. Hätten die Mönche mit ihrem Ansatz des Dienstes am Menschen wohl, wenn sie vor 1609 ins Vall de Gallinera gekommen wären, das Drama um die Morisken aufhalten können?

Franziskaner im Vall de Gallinera: strahlender Kontrast zu steinharter Gesellschaft

Das weiß auch ein José Lull nicht. Sicher hinterließ der Orden im Vall de Gallinera jedoch in den Ruinen des Klosters einen wertvollen Kontrast als Erbe, auch für heutige Zeiten. Gerade aus christlicher Sicht warfen die Franziskaner vor 400 Jahren einen Lichtstreif in eine Gesellschaft der zu Stein gewordenen Herzen. An die Brüder mit den braunen Kutten erinnert auch im Corona-Jahr weiter das Naturwunder mit der Sonne, die durch den Berg strahlt. Auf das Kloster leuchtet sie im Laufe des Jahres überigens noch ein zweites Mal. Der Zufälle nicht genug, immer am 9. März, dem Tag der heiligen Franziska.

Naturereignis mit der Sonne im Vall de Gallinera: Finden Sie José Lull?

Es scheint, als seien alle Menschen gleichberechtigt, am verlorenen Schatz des Vall de Gallinera teilzuhaben. Einem, der nicht in Stein gemeißelt und in Gold verpackt ist, wie die Zehn Gebote im „Indiana Jones“-Film. Sondern einem, der wie ein heller Lichtstrahl selbst Felsen durchdringt.

Praktische Infos zur Beobachtung im Corona-Jahr 2020 - Naturereignis mit Sonne im Vall de Gallinera

2020 verhindert das Coronavirus eine von der Gemeinde Vall de Gallinera organisierte Beobachtung der „Alineación solar“ wie in den vergangenen Jahren. Die stimmungsvolle heilige Messe unter freiem Himmel auf den Resten des Klosters fällt dagegen aus einem anderen Grund als der Pandemie aus: Laut Pfarrer Gaudiose Mureramanzi baten die Bewohner ihn, den Gottesdienst für Franz von Assisi lieber in der Kirche unten im Dorf Benissivá zu feiern, „weil der Großteil der Besucher nicht mehr den Hang zum alten Kloster hochlaufen kann“, so der Geistliche.

Am Sonntag, 4. Oktober, wird die Natur aber selbstverständlich über dem Tal im Hinterland von Alicante die Sonne durch den Berg auf das einstige Franziskaner-Kloster scheinen lassen. In den Tagen zuvor und danach sieht man den Lichtkegel zudem durch die Umgebung des Klosters wandern. Sicherlich werden Personen - vielleicht José Lull? - vor Ort sein, um das Phänomen zu erklären und die genauen Beobachtungspunkte mitzuteilen. Bitte neben Corona-Maske unbedingt eine Schutzbrille aufziehen. Ohne eine solche darf man auf keinen Fall in die Sonne schauen.

Naturereignis hinter Alicante: Kosmos, Erde, Mensch auf einer Linie.

Beeindruckend sei auch die Beobachtung des Naturwunders im Vall de Gallinera aus der Ferne. „Bei hoher Luftfeuchtigkeit ist der Strahl am besten zu sehen“, erklärt Lull. Wer das Schauspiel verpasst, aber nicht bis zur heiligen Franziska im März warten will, kann um den 13. Dezember in der Nähe ein ähnliches Phänomen bewundern. In Penáguila bei Alcoy scheint die Sonne durch den Felsbogen der Santa Lucía und spendet, einer Legende zufolge, Frauen, die schwanger werden wollen, Fruchtbarkeit. Aber das ist eine andere Geschichte der Costa Blanca.

Rubriklistenbild: © Sergio París / El Secret de la Foradà

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare