Zwei Kinder marschieren durch Seegrasanhäufungen am Strand der Marineta Cassiana in Dénia.
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Das glitschige Seegras ist an den Stränden nicht sehr beliebt.

Indiz für gute Wasserqualität

Neptungras an Stränden von Dénia: Eklig, aber wertvoll für Ökosystem

  • vonAndrea Beckmann
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Meeresbiologe César Bordehore fordert mehr Schutz für Seegraswiesen von Dénia: Warum man sich um ihr Wohl sorgen sollte.

  • An den Stränden ist angeschwemmtes Neptungras eine glitschige Angelegenheit.
  • Strandbesucher stören sich an den Resten der Seegraswiesen.
  • Biologen hingegen fordern mehr Schutz für die Posidonia - ein Garant für sauberes Wasser und Brutraum für Meeresbewohner.

Dénia - Ihr Nutzen ist von unermesslichem Wert, doch viele Strandbesucher stören sich an den glitschigen Resten der Posidonia, die mit den Wellen an die Strände gespült werden und sich je nach Wetterlage zu Bergen anhäufen. Im an der Costa Blanca gelegenen Dénia sind vor allem die Strände Marineta Cassina und Almadrava immer wieder davon betroffen. Zum Ärger vieler Badegäste, die sich davor ekeln. Und so gehen Sommer für Sommer immer unzählige Beschwerden von Badegästen bei der Stadtverwaltung ein.

RegionLand Valencia
ProvinzAlicante
Landkreis Marina Alta
Ausdehnung 66,18 km2
gemeldete Einwohner (2019)42.166

Zu Unrecht, wie der promovierte Meeresbiologe und Leiter des Forschungszentrums Iryda der Universität Alicante, César Bordehore, meint. „Davon abgesehen, dass die Posidonia oceanica ein Indiz für gute Wasserqualität ist, schützt sie Küsten vor Erosion und sorgt dafür, dass Strände nicht abgetragen werden. Außerdem spielt sie eine wichtige Rolle im Klimaschutz, da sie große Mengen an CO2 speichern kann.“ Davon abgesehen sei die Posidonia Brutraum für Hunderte von Meeresbewohnern. „Gäbe es die Seegraswiesen vor unserer Küste nicht, dann wäre es sehr schlecht um unsere Strände bestellt“, sagt Bordehore. Auch sei es durchaus sinnvoll, Reste der Posidonia an bestimmten Küstenabschnitten liegen zu lassen, weil sie starken Wellengang am Strand eindämmen würden.

Neptungrasbank vor Dénia soll wegen Bedeutung für Klimaschutz als Naturdenkmal anerkannt werden

Denia hat mit einer Länge von sieben Kilometern eine der größten intakten Seegraswiesen des Mittelmeerraums“, weiß der Wissenschaftler. „Sie bildet zwischen dem Marinereservat am Cabo San Antonio und dem Strand Punta Molins eine mehr oder weniger intakte Barriere.“ Um ihren nachhaltigen Schutz zu gewährleisten, halte er es für sinnvoll, das Meeresreservat, das sich zwischen dem Kap und dem Sporthafen La Marina ausbreitet, bis zur Punta Molins auszuweiten. „Dies würde sich letztendlich positiv auf das Vorkommen verschiedener Fischarten auswirken, und davon würden letztendlich die Fischer profitieren.“

Der Wissenschaftler geht noch einen Schritt weiter. „Ich möchte erreichen, dass die Seegraswiesenausdehnung vor Dénia zum ‚Monumento natural‘ (Naturdenkmal) deklariert wird“, sagt Bordehore und verweist auf die Neptungrasbank im andalusischen Roquetas de Mar. Diese sei zum Naturdenkmal deklariert worden, obwohl sie mit einer Ausdehnung von 800 Metern wesentlich unbedeutender sei als der sieben Kilometer lange Seegrawiesengürtel an Dénias Küste.

Pestizide, Stickstoff und Phosphate gefährden Posidoniaaufkommen

Doch wie ist es eigentlich um den Zustand von Dénias Neptungras bestellt? „Das Posidoniaaufkommen vor unserer Küste befindet sich in keinem schlechten Zustand“, so die vorsichtige Antwort des Experten. „Wir müssen aber darauf achten, dass er sich nicht verschlechtert.“ Über das Grundwasser gelangten große Mengen an Pestiziden sowie Stickstoff und Phosphate ins Meer“, erklärt Bordehore. In Gebieten mit starker landwirtschaftlicher Nutzung sei das Grundwasser einer starken Nitratbelastung ausgesetzt, und selbst aufwendig geklärtes Abwasser sei nicht frei von Phosphor, wenn es ins Meer eingeleitet werde.

„So wie Düngemittel in der Landwirtschaft ein schnelleres Wachstum der Pflanzen bewirken, fördern sie im Meer etwa das Wachstum von Epiphyten“, weiß der Meeresbiologe. „Diese Aufsitzerpflanzen setzen sich auf geschwächte Posidoniapflanzen und nehmen ihnen den Sauerstoff.“

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