Eine Gruppe von Stadträten mit Hunden am Hundestrand von Orihuela Costa.
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Orihuelas Stadträte weihen den jüngsten Hundestrand an der Costa Blanca ein.

Hundestrände in Spanien

Neuer Hundestrand an der Costa Blanca: Torrevieja schaut neidisch nach Orihuela

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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Eine Bucht von Orihuela Costa ist ab sofort Hundestrand. Was in Torrevieja unmöglich scheint, klappte beim Nachbarn auf Anhieb. Aber wird das kleine Paradies für Hunde von Dauer sein? Erbauer von Ferienwohnungen und Naturschützer ringen um das Gebiet im Süden der Costa Blanca.

Orihuela Costa/Torrevieja – „So einfach kann das also gehen“, „Jetzt müssen wir schon ganz aus Torrevieja raus, um unseren Hunden etwas Spaß zu bieten“. „Und warum geht das hier nicht?“ Die Kommentare der Nachbarn aus Torrevieja schwankten zwischen Euphorie und blankem Neid darüber, wie geräuschlos und einvernehmlich die Stadtregierung von Orihuela einen Hundestrand, den ersten wirklich offiziellen der Stadt, einrichten konnte.

Neuer Hundestrand an Costa Blanca: Was Orihuela Costa schaffte, warum Torrevieja versagte

Ab sofort können Tierfreunde ihre Vierbeiner an der Cala Cabo Peñas, besser bekannt als Cala Mosca II von Orihuela Costa, ausführen. Und mit ihnen baden, ohne, dass Verletzungsgefahr für die sensiblen Pfoten besteht, wie das an den scharfkantigen Felsen von Torreviejas „Hundestrand“ unweit der Bucht Lo Ferrís der Fall ist. Das steinige Plateau, das dort der "Strand" ist, ist zudem wegen der Überspülung sehr glitschig und es geht von dort steil ins Wasser. Hier mit Hunden zu tollen, ist ein wahrlich halsbrecherischer Akt.

Umstrittener Strandabschnitt unweit Lo Ferrís am geschützten Palmeral von Torrevieja. Da der Hundestrand unbenutzbar scheint, weichen Hundebesitzer ins geschützte Gebiet aus.

Wie berichtet, hatte Torreviejas Bürgermeister die erst 2019 eingerichteten Hundestrände Torreviejas an Punto Margallo und Cala Moro auf Zuruf alteingesessener Anwohner storniert, die sich in ihren Badegewohnheiten gestört fühlten und dafür eine Art Mondlandschaft am südlichen Stadtrand als „viel bessere“ Alternative verkauft. Das führte dann dazu, das die eigentlich geschützte Cala Ferrís, eine der Strände Torreviejas, von Hundebesitzern überflutet wurde.

Ferienwohnung gegen Naturschutz: Hundestrand an Orihuela Costa könnte nur Provisorium bleiben - Torreviejas Hundestrand unbenutzbar

Die Cala Mosca und die dazugehörige kleine Cala Cabo Peñas in Orihuela Costa sind dagegen ein Traumsandstrand, von dem es sanft ins Meer geht. Und bis dato ist der Strand auch nicht bebaut, es bleibt also auch fern des Wassers viel Auslaufzone für die Tiere und ihre Menschen. Ein paar Zweifel meldeten skeptische Oriolanos dennoch an, denn sie fürchten, dass das Hundeparadies nur ein temporäres sein könnte.

Aus zwei Gründen: Zum einen planen Immobilien- und Baufirmen die Errichtung von 750 Ferienwohnungen an diesem letzten unbebauten Küstenkilometer Orihuelas. Ein epischer Kampf um die Küsten Valencias ist entbrannt. Dem steht derzeit noch der Naturschutz im Wege, denn die Cala Mosca ist ein sogenanntes Mikroreservat für bodennahe autochtone Pflanzen sowie einige Vogelarten. Und das ist das zweite Problem: Sollte sich der Status als Naturschutzzone bestätigen – den die potentiellen Bauherren gerade vor Gericht bekämpfen, zufällig brannte die Cala Mosca neulich –, müsste das Gebiet konsequenterweise auch für Hunde gesperrt werden.

So ein Zufall: Am 10. November brennt es in der Cala Mosca in Orihuela Costa. Kurz davor wurde eine Umweltstudie zur Bebauung abgewiesen.

Bis es dazu eine Entscheidung gibt, können die Hundefreunde Orihuelas – und die zu erwartenden vielen Besucher aus Torrevieja – das Paradies der Vierbeiner nutzen und durch ihre Umsicht und Sauberkeit beweisen, dass sie es verdienen. Denn immer wieder auch gibt es über Hundestrände Beschwerden von Badegästen angrenzender Strände; über Lärm, freilaufende Hunde, die Kindern hinterherjagen und im Wasser treibende Fäkalien. Die Hundebesitzer schwören freilich, dass ihre Tiere viel sauberer als die Menschen seien. Doch Hundebesitzer sind eben auch "nur" Menschen.

Torrevieja: Friedhof der Kuscheltiere, statt Strand für Hunde?

Und Torrevieja? Die Anwohner der Cala Mosca und von ganz Orihuela Costa fürchten ein bisschen, an ihrem neuen Hundestrand von den Nachbarn überrannt zu werden. Schon jetzt weichen die Torrevejenser nach Guardamar oder an den Hundestrand in Santa Pola aus. Denn der Hundestrand von Torrevieja ist nicht nur zu klein, zu abgelegen und zu gefährlich, sondern gilt schlicht als gänzlich ungeeignet. Daran wird sich, geht es nach Torreviejas Bürgermeister, Eduardo Dolón auch nichts mehr ändern. Petitionen und Proteste hin oder her.

Zum Thema: Hundestrände an der Costa Blanca.

Doch vielleicht hat Torrevieja wenigstens ein Herz für tote Haustiere. Die Fraktion der Ciudadanos im Rathaus Torrevieja, die aus der Stadträtin Pilar Gómez Magán besteht, schlägt „einen Tierfriedhof im Stile eines Waldes der Erinnerung“vor. Die Stadtregierung Torrevieja möge sowohl den Umweltwert der Idee schätzen, als auch die Chance, die wilden Tierfriedhöfe, die im Umfeld des städtischen Friedhofs von La Mata und sogar im Naturpark der rosa Lagune bei Torreta wuchern, in den Griff zu bekommen. Viele Residenten Torreviejas, zumal jene aus dem Ausland ohne Familie, hätten mit Haustieren treue Gefährten gefunden, für die sie einen würdigen Erinnerungsort suchten. Man könne die Bestattung sogar mit dem Pflanzen je eines Baumes verbinden.

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