Männer inspizieren eine Baustelle in Orihuela Costa, Spanien.
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Orihuelas Stadtoberhaupt beim Rundgang auf der „historischen“ Baustelle des Notfallzentrums im Küstenbezirk.

Centro de Emergencias

Rettung naht: Notfallzentrum Orihuela Costa nach zehn Jahren in Sicht

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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Seit einem Jahrzehnt steht die Bauruine des Notfallzentrums in Orihuela Costa nutzlos herum. Ein Mahnmal für die Vernachlässigung des Küstenbezirkes seitens des Rathauses. Ab Sommer 2021 soll es mehr Sicherheit und Service für Ferienwohnungen und Strände an der südlichen Costa Blanca bringen.

Orihuela Costa – „Vor dem Sommer“ sollen die "Arbeiten am Notfallzentrum für Orihuela Costa abgeschlossen" sein. Das versprach Bürgermeister Emilio Bascuñana, PP, bei einem Ortstermin vor einigen Tagen. Und er fügte hinzu: „vor dem Sommer 2021“. Eine Ergänzung, die nötig scheint, denn das Centro de Emergencias, angefangen anno 2010 (n.Chr.), dümpelt als Bauskelett seit 2012 in der Landschaft, seit die damalige Baufirma Pleite ging.

Volle Strände und Urbanisationen: Orihuela Costa braucht mehr Infrastruktur

Die Einwohner des Küstenbezirks von Orihuela forderten die Fertigstellung jahrelang vergeblich mit Petitionen und auch lautstarken Demos. Für sie war das Betongerippe das Symbol der Vernachlässigung seitens der Stadtverwaltung schlechthin, die zwar von den Küstenbewohnern, viele davon Ausländer, die Steuern und Gebühren einzieht, dieses Geld aber überwiegend in Orihuela Stadt ausgebe.

So ungefähr soll das Notfallzentrum in Orihuela Costa aussehen, wenn es fertig wird. Im Sommer 2021, wenn alles gut geht.

Außerdem finde der Tourismus nun mal an der Küste statt, worauf sich die Einwohnerzahl in den Sommermonaten fast verdreifache und es sei geradezu grob fahrlässig, so viele Menschen ohne Basisdienste an den Stränden Orihuelas sowie den vielen Urbanisationen mit den Ferienwohnungen quasi sich selbst zu überlassen, hieß es unter anderem auch in den zahlreichen Statements der Bürgerparteien, voran Claro. Ohne das Krankenhaus und die Guardia Civil von Torrevieja wäre der Küstenbezirk von Orihuela völlig aufgeschmissen.

Erst ein Machtwort und ein Scheck der Landesregierung Valencia, der auch die Preissteigerungen der letzten Dekade und allfällige „Restaurierungsarbeiten“ an der schon fast historischen Bauruine abdeckt, bewogen das 30 Kilometer entfernt in Orihuela Stadt sitzende Rathaus Mitte 2020, die Fertigstellung des Notfallzentrums, des Centro de Emergencias, endlich zu beauftragen.

Warum die Anwohner so sehnsüchtig auf die Eröffnung warten, zeigt ein Blick auf die essentiellen Dienstleistungen, die künftig auf 4.700 Quadratmetern untergebracht und angeboten werden können. Dienstleistungen, die den Unterschied zwischen einer Anhäufung von Wohnsiedlungen und einem echten Stadtteil ausmachen.

Ins Centro de Emergencias Orihuela Costa, Avenida Miguel de Cervantes 3, neben der N-332 in Dehesa de Campoamor (zwischen Mil Palmeras und Campoamor) ziehen ein:

  • Ortspolizei mit 24-Stunden-Bereitschaft und Kapazität für 30-60 Polizisten
  • Ausländerbüro der Nationalpolizei (für N.I.E. und Residencia)
  • Guardia Civil, Verbindungsbüro für die Einheit in Torrevieja, Aufnahme von Anzeigen, Erteilung von Waffenscheinen etc.
  • Station für einen Rettungswagen SAMU (vorerst nur in den Sommermonaten für die zwölf Badestunden täglich)
  • Heliport, in erster Linie für den Transport von Schwerstverletzten
  • Rotes Kreuz, auch als Anlaufstelle für Menschen in sozialen Notlagen
  • Zivilschutz, Freiwillige, die unter anderem hilfspolizeiliche Maßnahmen bei Veranstaltungen aller Art, aber auch Unterstützung von Senioren und Behinderten übernehmen
  • Städtisches Depot für abgeschleppte Autos (es entfällt dann also der lange Weg nach Orihuela Stadt)
  • Noch verhandelt wird über die Einrichtung eines Beobachtungspunktes für die Feuerwehr und die Installation eines Notarztes. Hintergrund: Bei Badeunfällen dauert die Anfahrt eines Krankenwagens bisweilen über 30 Minuten.

Langjährige Bewohner von Orihuela Costa nehmen die Nachricht mit Erleichterung auf, auch wenn der angekündigte "Abschluss der Arbeiten" vor dem Sommer noch nichts darüber aussagt, wann das Zentrum tatsächlich voll funktionsfähig sein wird. Das Rathaus hält sich auch auf Nachfrage darüber bedeckt und verweist auf die dehnbare Aussage des Bürgermeisters.

Gleichzeitig nimmt die Stadt - ebenfalls nach jahrelanger Untätigkeit - eine Fußgängerbrücke über die Nationalstraße wieder in Angriff und streitet sich mit dem Küstenamt noch über die Zukunft der unrettbaren Küstenpromenade rund um Cabo Roig, deren Hänge sich Fels um Fels der Klimawandel holt. Doch gleichzeitig plant man etliche weitere Bauvorhaben in Küstennähe, allein 2.000 Ferienwohnungen an der Cala Mosca sowie weitere 900 Wohnungen in zweiter Strandlinie, so dass auch das neue Notfallzentrum bald zu klein sein dürfte.

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