Meilenstein aus der Römerzeit. Gefunden wurde er in Orihuela Costa an der Flussmündung
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Dank Regen tauchte in Orihuela Costa der Meilenstein aus der Römerzeit auf.

Fund im Coronavirus-Jahr

Station Covid-19: Orihuelas Meilenstein und die „neue Normalität“

  • vonStefan Wieczorek
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Der Regen deckte in Orihuela einen Meilenstein aus der Antike auf. Auch das Mittelalter erstrahlt über der Stadt: Dank der Restaurierung des maurischen Turms. Zugleich rüstet sich Orihuela für die „neue Normalität" - als „digitaler Bezirk“ mit grüner Mobilit��t für Touristen der Zukunft. Ein Stadtporträt aus Covid-19-Sicht.

  • Covid-19 unterbrach Restaurierung der Burg von Orihuela - Turm ist jetzt gerettet.
  • Im Palmenpark soll ein modernes Ziel für Tourismus an der Costa Blanca entstehen.
  • Und in Orihuela Stadt ein „digitaler Bezirk“ für kreative Industrien der Zukunft.

Orihuela - Friedlich lag er da, an der Flussmündung in Orihuela Costa. Ein römischer Stein, der vor 1.700 Jahren eine Meile markierte. Im Jahr 2020, wegen des Coronavirus ein Meilenstein der Geschichte, wurde er gefunden. Wohl die starken Regenfälle des vergangenen Jahres hatten ihn freigespült. Nun informierte die Stadt, dass der Meilenstein in das Archäologiemuseum des Kreises Vega Baja in Orihuela aufgenommen worden ist. Für die Provinz Alicante ist der Stein eine kleine Sensation: „Er war seit der Antike eingegraben, weder Chronisten noch moderne Forscher erwähnten ihn", berichtet Stadtarchäologe Emilio Diz.

Der Stein war nicht leicht zu bergen. Wegen des feuchten Ufergeländes im Bezirk Dehesa de Campoamor verwendeten die Arbeiter einen Kran. Es war ein symbolträchtiger Fund in dieser Zeit, die sich intensiv mit dem Übergang in eine „neue Normalität“ befasst. Voller alter „Normalitäten" ist Spaniens Mittelmeerküste und auch Orihuela. Aus der Urgeschichte stammen die ältesten Stücke des Kreismuseums der Archäologie im historischen Stadthospital San Juan de Dios. Jung wirkt da das maurische Mittelalter. Dieses lässt die Stadt nun ebenfalls aufblühen. Mit der Restaurierung des Wachturms hoch oben auf dem Berg.

Erst Explosion, dann Erdbeben

Die Torre Taifal ist eines der letzten Elemente der einst mächtigen Burg, die auf keinem alten Bild von Orihuela fehlen darf. Forscher vermuten, dass die Festung schon unter den Goten entstand. Bekannt ist sie aber vor allem dank der Sagen um die Reconquista, die christliche Wiedereroberung Spaniens von den islamischen Herrschern. Im 18. und 19. Jahrhundert machte zunächst eine Explosion im Pulverlager, dann ein Erdbeben die Burg zur Ruine. Fast hätte das gewaltige Gewitter Dana im September 2019, das den römischen Stein aus der Erde schaufelte, den letzten Rest der Anlage beseitigt. Doch nun scheint der Turm gerettet.

Fotoentwurf: Restaurierter Aquädukt soll im Park alte und neue Stile verknüpfen.

Endlich, endlich, kann man sagen, fördert die Stadt der Kirchen, Paläste und Museen ihre stiefmütterlich behandelten Erbstücke. Neben dem Turm gilt das für den zauberhaften Palmenpark am östlichen Stadtrand: tausende Palmen, in Form einer grünen Sichel angeordnet. Auf diesem einstigen Ackerland dienten die Palmen als natürliche Zäune entlang der Wasserkanäle. So hatten es die Mauren, bewandert mit Oasen aus ihren trockenen Heimatzonen, angeordnet und schufen die Grundlage für den „Gemüsegarten Europas“, womit die spanische Küste am Mittelmeer gern kokettiert. Im Video ist der Park am Anfang zu sehen:

EU-Fördergelder für Palmen

Durch die Oase von Orihuela führte im Mittelalter ein Handelsweg, auf dem sich die Reisenden vor prächtiger Bergkulisse unter grünen Palmenkronen erholten. Heute ist der Park eine Zuflucht für Sportler und Schüler - jedoch längst in keinem glänzenden Zustand mehr. Mangelnde Pflege und Plagen wie der Palmrüssler haben den Palmen schwer zugesetzt. Das Viertel San Antón am Park ist wirtschaftlich schwach. Doch die Stadt will die Zone wiederbeleben. Ein „Masterplan“ für den Park entstand Anfang 2020. Dank EU-Fördergeldern werde der Palmeral für 1,5 Millionen Euro aufgepeppt und in einem digitalen Register verwaltet.

Fit zum Weiterlaufen: Sportler im Palmenpark von Orihuela.

Ein Konzept für den Oasentourist der Zukunft stellte Orihuela nun, in der Covid-19-Krise, vor. Entstehen werde in einem alten Gebäude im Park ein modernes Interpretationszentrum. Restauriert werde das historische Wassersystem, geschaffen würden Gehwege und Schmuckelemente, die Neues mit Altem verbinden. Zäune aus regionaler Hanfflechterei etwa, oder ein rundum erneuerter Aquädukt. Der Plan ist verabschiedet, meldet Orihuela. Aber wann wird es soweit sein? Immer wieder in den vergangenen Jahren versprach die Stadt große Taten, die jedoch im Boden verschwanden wie der römische Meilenstein.

Zentrum des Klimawandels

Eines dieser Projekte, eine Stadt der „kreativen Industrien“ zu werden, bekommt jetzt jedoch Auftrieb. In diesen Tagen vernetzte sich Orihuelas Bürgermeister Emilio Bascuñana (PP) mit der valencianischen Landesministerin für Innovation, Universitäten und Wissenschaft, Carolina Pascual und bestätigte die Eingliederung der Stadt in das Landesprojekt „Distrito Digital“. Mit der Schaffung von „digitalen Bezirken“ will Valencia Innovation und neue Technologien anregen, die Branchen der Zukunft sprießen lassen sollen. Die Ministerin wies Orihuela dabei als „bedeutenden Sitz für die Strategie der digitalen Bezirke“ aus.

Bürgermeister Bascuñana meldet Orihuela zum Projekt Distrito Digital des Landes an.

„Wir können vor allem Erfahrung mit dem Agrarsektor und der Wasserwirtschaft beitragen und sie mit kreativen Industrien sowie der Umweltforschung verknüpfen", erläuterte Bürgermeister Bascuñana. Der Kreis Vega Baja, dessen Hauptstadt Orihuela ist, ist ein weites, flaches Anbaugebiet, dessen Beschaffenheit ihn angesichts des Klimawandels besonders anfällig für Überschwemmungen machen. Deshalb haben internationale Forscher ein Auge auf der Vega - für Klima- und Umweltstudien, die den ganzen Mittelmeerraum betreffen könnten. Auch mit dem Ziel schuf das Land Ende 2019 den Förderplan Vega Renhace (spanische Seite).

Gemütlich schmiegt sich Orihuela an den Berg San Miguel. Langsam, wie die Zeit, schlängelt sich der Fluss Segura hindurch. Durch die engen Gassen, vor Jahrhunderten angeordnet, verbindet bald ein nachhaltiger Weg für umweltfreundliche Transportmittel wie das Fahrrad das West- und das Ostende der Stadt. Zehn Kilometer lang, 6.75 römische Meilen. Ein kleiner Punkt war Orihuela im Vergleich zur Vía Augusta, die von den Pyrenäen bis nach Cádiz führte. Eine prächtige Straße, ohne die vor 1.700 Jahren nichts zu gehen schien. Doch dann versank sie, und ihre Meilensteine, in der Erde. Und neue Straßen führten durch Orihuela.

Wand mit Orihuelas Reconquista-Sage: Als eine neue Ära begann.

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