Wo der Wald auf das tiefblaue Meer trifft: Der Wanderweg Camí de Ronda bietet immer wieder interessante Ausblicke. Fotos: dpa

Pfad der Gestrandeten

Girona - ad/dpa. Diese Treppen führen in eine andere Welt. Hinaus aus der dumpfen Urlaubsszenerie de...

Girona - ad/dpa. Diese Treppen führen in eine andere Welt. Hinaus aus der dumpfen Urlaubsszenerie der Strandliegen und Sonnenschirme. Die Stufen führen vom Strand La Fosca nach oben, nordwärts, als Teil der Wanderroute Camí de Ronda vorbei an Überresten des mittelalterlichen Kastells Sant Esteve de Mar und um die nächste Landspitze. Agaven und Feigenkakteen krallen sich in die Ausläufer der Klippen. Versprengte Felsblöcke ragen in der glasklaren, glitzernden See wie Haifischflossen auf. Wellen und Möwengekreische. Es riecht nach Salz und Lavendel, die Luft wirkt unverbraucht. In der winzigen Bucht S’Alguer tauchen Boote am Steinstrand auf, dahinter blankweiß getünchte Fischerhäuschen mit Fenstern und Türen in Gelb, Rot und Grün. Welch eine atmosphärische und architektonische Wohltat im Vergleich zu den konturlosen Kästen in Lloret de Mar, wo Spaniens Costa Brava, die „wilde Küste“, unter Endloskubikmetern aus Beton begraben liegt. Die Wanderstrecke Camí de Ronda, die sich teilweise mit dem Fernwanderweg GR-92 deckt, führt dagegen durch eine weitgehend unverfälschte Mittelmeerlandschaft aus Schirmpinien, Korkeichen, wilden Oliven, winzigen Buchten und Stränden. Der 43-jährige Daniel Punseti hat sein bisheriges Leben in dieser Küstengegend verbracht. Der eingefleischte Katalane hat dabei mitgeholfen, den Camí de Ronda wiederherzustellen, jenen Weg, „den schon unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gegangen sind“, wie er erzählt. Schmuggler und Polizisten Ursprünglich war die Strecke dazu gedacht, Schiffbrüchigen zu helfen und Gestrandeten in der Not den Weg ins nächste Dorf zu ermöglichen. Später gingen Militärpolizisten auf Patrouille, um Schmuggel und Schwarzhandel zu kontrollieren. Sie machten ihre Runde („ronda“), daher der Name der Route. Kein gemütlicher Spaziergang von Bucht zu Bucht ist das, sondern ein schweißtreibendes Auf und Ab. Hinter dem weiten Strand Castell steigt der Pfad zu den Überbleibseln einer Siedlung der Iberer an, die 2.500 Jahre auf dem Buckel hat. Das Schuhprofil drückt sich in den Staub, die Ausblicke hoch über der Küste sind erhebend. Hier brütete der Schriftsteller Truman Capote in einer entlegenen Villa über seinem Erfolgsroman „Kaltblütig“, weiß Punseti zu berichten. Und „Herr der drei Welten“ wurde hier gedreht, ein vergessener Flop der Filmgeschichte über Gullivers Reisen.

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