Eine Frau steht auf einer schwarzen Plastikplane am Ufer eines trockenen Flusses vor einer Brücke.
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An einigen Stellen am Fluss Gorgos liegen die Plastik-Planen nur noch an einer Seite.

Schutz vor Überschwemmungen

Plastik für Fluss: Schilf in der Marina Alta soll unter Planen ausgerottet werden

  • vonAnne Thesing
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In den Flüssen der Marina Alta bedecken immer mehr schwarze Plastik-Planen die Ufer. Sie sollen wucherndes Schilf ausrotten und so vor Überschwemmungen und Bränden schützen. Doch an einigen Stellen wird dies zur Gefahr für die Umwelt.

Benichembla - Wenn Zoë Coadwell in ihrem Auto zwischen ihrem Wohnort Benichembla und Alcalalí in der Marina Alta unterwegs ist, sucht sie an verschiedensten Stellen und über kleinste Pfade immer wieder den Río Gorgos auf – einen Fluss der Costa Blanca, der sich, jenseits der Regenzeit oft trocken, durch das Tal schlängelt. Was sie dort bis vor kurzem sah, machte sie immer wieder sprachlos. Plastik über Plastik. Eigentlich im Jahr 2018 mit guter Absicht angelegt, sind die schwarzen Planen, die das invasive Pfahlrohr an den Flussbetten ausrotten sollen und auch an anderen Orten in Spanien eingesetzt werden, nicht nur zu einem visuellen Schandfleck geworden, sondern scheinen auch der Umwelt zu schaden.

PflanzePfahlrohr
Wissenschaftlicher NameArundo donax
Höhere KlassifizierungArundo
Erhaltungszustandungefährdet
FamilieSüßgräser (Poaceae)
RangArt

Plastik im Fluss: Marina Alta führt Methode gegen hartnäckiges Schilf ein

Ein großer Teil der Planen, so beobachtete sie,  hatte sich von den Flussrändern, an denen sie mit riesigen Heftklammern befestigt wurden, gelöst. „All dieses Plastik ist Richtung Meer verschwunden“, ist die Engländerin überzeugt. Dabei hat das Mittelmeer ohnehin schon mit zu viel Plastik zu kämpfen. „Die Planen waren ursprünglich an beiden Uferseiten angelegt worden“, sagt sie. Gehalten haben sie offenbar nur an einer. Am anderen Ufer des Flusses unter der Brücke von Benichembla beispielsweise sah man zuletzt, wenn überhaupt, nur noch vereinzelte Plastikfetzen.

Dabei sollten die Planen eigentlich das Gegenteil bewirken, sollten die Umwelt schützen, statt sie zu belasten. In anderen, ebenfalls von Überschwemmungen geplagten Gebieten, beispielsweise am Fluss Segura in Murcia, scheint dies auch funktioniert zu haben. Die Idee: Unter dem schwarzen Geotextil soll das hartnäckige Pfahlrohr, eine invasive Pflanze, die aufgrund ihrer ungebremsten Ausbreitung sowohl eine Brand-, als auch eine Überschwemmungsgefahr darstellt, ausgerottet werden. Denn die herkömmliche Methode, die Schilfpflanze auszureißen, hat sich als unwirksam erwiesen. In anderen Gebieten wurden sogar schon Schafe eingesetzt, um dem  Pfahlrohr Herr zu werden, wie das folgende Video von einer Aktion im Fluss Barxeta zeigt.

Plastik im Fluss: Hitze lässt Schilf-Wurzeln absterben

Das Problem: Pfahlrohr, das bei starken Regenfällen den freien Wasserfluss in ansonsten trockenen Flussbetten verhindert und darüber hinaus schon beim kleinsten Funken wie bestes Brennmaterial wirkt, kommt immer wieder zurück. Nicht so unter den Plastikplanen, wo die Temperatur im Sommer auf bis zu 70 Grad steigt und das Wurzelwerk der Schilfpflanze praktisch verkohlt und so vernichtet wird. Die Maßnahme, so das zuständige Wasserwirtschaftsamt des Júcar (CHJ) gegenüber der englischen Zeitung „Costa Blanca News“, werde in Zusammenarbeit mit den Abteilungen für Brandvorsorge und Wildleben der Landesregierung durchgeführt. Zunächst wähle die Abteilung für Brandvorsorge die geeigneten Flussabschnitte aus. Im Jahr 2018 waren das in der Marina Alta Gorgos-Abschnitte in Benichembla und Alcalali. Seit Januar dieses Jahres bedecken die Planen auch einen Teil des Girona-Ufers nahe der N-332 bei Ondara, zuletzt kamen Stücke zwischen Beniarbeig und Els Poblets dazu.

An einigen Stellen wurde bereits damit begonnen, das Plastik aus dem Fluss zu entfernen.

Das Wasserwirtschaftsamt befestige die Plastikplanen und entferne sie nach einem gewissen Zeitraum wieder, die Wildlife-Brigaden wiederum würden in der letzten Phase aktiv, die Benichembla und Alcalalí noch bevorsteht. Nach Entfernung der Planen, mit der hier in der vergangenen Woche begonnen wurde, würden die Brigaden an den Uferböschungen heimische Arten pflanzen.

Plastik im Fluss: Kontrollen fehlten

Dass es mit dem Plastik jetzt ein Ende haben soll, freut Coadwell, die bei Benichembla schon erste Bagger beim Entfernen der Planen gesehen hat. „Ich bin ja nicht gegen das Vorhaben an sich, aber es hätte besser kontrolliert werden müssen.“

Spätestens als sich die Planen an verschiedensten Stellen lösten und das Plastik nach Regenfällen Richtung Meer geschwemmt wurde, hätte der Umwelt zuliebe eingegriffen werden müssen, sagt sie.

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