Ein Mann mit Hut steht gebeugt an einem von Schilf umgebenen See und schaut aufs Wasser.
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Bei zwei Besuchen an der Wasserstelle fand Ben Coadwell Süßwasser-Quallen.

Quallen im See

Süßwasser-Quallen an der Costa Blanca: Engländer machen überraschenden Fund im Vall de Laguar

  • vonAnne Thesing
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Über Quallen an der Costa Blanca ist viel bekannt. Doch nur wenige wissen, dass es hier auch Süßwasserquallen gibt. Im Vall de Laguar stießen jetzt Engländer zufällig auf die kleinen Tierchen. Es war der erste Fund dieser Art in Alicante. 

Konzentriert blicken Ben Coadwell und seine zwölfjährige Tochter Maya auf die Oberfläche des kleinen Sees weit unten im Tal des Vall de Laguar im Hinterland der Costa Blanca. Zehn Minuten, 20 Minuten, 30 Minuten. Nichts. „Bei den letzten beiden Malen haben wir sie schon nach wenigen Minuten gesehen“, sagen sie etwas enttäuscht. Damals trauten sie kaum ihren Augen, als Maya auf die winzigen Quallen zeigte, die sich pumpend fortbewegten. Quallen? In Spanien zwar keine Seltenheit, aber in einem Süßwassersee?

Wissenschaftlicher Name:Craspedacusta sowerbii
Höhere Klassifizierung:Craspedacusta
Ordnung:Limnomedusae
Rang:Art
Klasse:Hydrozoen (Hydrozoa)

Süßwasserqualle im Hinterland der Costa Blanca: Neue Entdeckung für Quallenforscher

Zum Beweis nahmen sie ein Video auf, das die CBN dem Quallenexperten vom Oceanográfico in Valencia, Miguel Candelas, weiterleitete. Der Kenner sämtlicher Quallenarten reagierte erstaunt. „Bisher wurden diese Quallen noch nicht in der Provinz Alicante gesichtet“, sagt er. Es handele sich um die Craspedacusta sowerbii, und damit um eine der wenigen Süßwasserquallen, die es auf der Welt gibt. „Es ist ein großer Zufall, dass die beiden sie entdeckt haben“, freut er sich. Die kleine, nur äußerst schwer zugängliche Wasserstelle am Barranco de l‘Infern, unterhalb des Isbert-Staudamms gelegen, könnte damit zur 51. Fundstelle der Süßwasserqualle auf der Iberischen Halbinsel und zur ersten an der Costa Blanca werden. Erstmals wurde sie in Spanien 1968 in einem See in Barcelona gesichtet.

Süßwasser-Qualle im Hinterland der Costa Blanca: Schwer zu findende Tierchen

Vermutlich gibt es noch mehr Orte, aber es müssen eben schon viele Umstände zusammenkommen, um die kleinen Tierchen zu entdecken. Zunächst einmal müssen sie sich gerade im Quallenstadium befinden – können sie doch auch jahrelang im Polypenstadium verharren, bevor sie zu Quallen werden, erklärt Candelas. Dann muss jemand zufällig auf die kleinen Geschöpfe aufmerksam werden und sie auch noch als Quallen identifizieren – „die wenigsten wissen jedoch, dass es Süßwasserquallen gibt“. Und auch die Lichtverhältnisse müssen mitspielen, um sie überhaupt sichtbar zu machen.

Das tun sie bei diesem dritten Mal, bei dem Ben und seine Tochter die Fundstelle im Vall de Laguar im Hinterland der Costa Blanca aufsuchen, nicht. Zu früh versteckt sich die Sonne hinter den Bergen, zu dunkel ist die Wasseroberfläche.

„Ich habe recherchiert, gesehen, dass es sich um eine invasive Art handelt und war besorgt“, sagt Ben Coadwell. Tatsächlich sei die bis zu zwei Zentimeter große Craspedacusta sowerbii eine invasive Süßwasser-Qualle, sagt Miguel Candelas. „Sie kommt ursprünglich aus China und hat sich, außer auf der Antarktika, auf allen Kontinenten ausgebreitet.“ Von Ort zu Ort könne sie entweder durch menschliche Eingriffe – zum Beispiel das Auskippen eines Aquariums – gelangen, oder durch Wasservögel, die Pflanzen mit den Polypen der Qualle weitertragen. Sie könnte sich also auch an der Costa Blanca weiter ausbreiten.

Süßwasser-Qualle im Hinterland der Costas Blanca: Vieles noch nicht bekannt

Invasive Arten können Schaden anrichten, indem sie das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen, bestätigt Candelas – zum Beispiel, indem sie anderen das Futter wegfressen. Doch im Fall der Süßwasser-Qualle Craspedacusta sowerbii sei noch nicht erwiesen, ob sie anderen Arten wirklich auf Dauer schade oder ob sie einfach wieder verschwinde, wenn sich die Lebensbedingungen vor Ort ändern. Zu wenig wurde sie bisher untersucht.

Was sich jetzt, dank Ben und Maya Coadwell, ändern könnte. Miguel Candelas zumindest wird die neue Fundstelle im Hinterland der Costa Blanca mit ihren versteckten Bewohnern genau unter die Lupe nehmen.

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