Eine Erntemaschine erntet Reis auf einem Feld in Pego.
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Zur Reisernte in Pego gab es in diesem Jahr gute Nachrichten zum Thema Arsen.

Gute Ergebnisse für Pegos Reis

Gesunder Reis aus Spanien: Arsen-Werte im Marjal von Pego weit unter Grenzwerten

  • vonAnne Thesing
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Gute Nachricht für Marjal-Landwirte und Konsumenten in Spanien: Der Arsen-Gehalt im Reis Bomba und Bombón aus Pego liegt weit unter den zulässigen Grenzwerten.

  • Studie der Universität Elche über Arsen im Reis von Pego kommt zu hervorragenden Ergebnissen.
  • Arsen-Gehalt liegt im Reis aus Pego deutlich unter den von der EU festgelegten Grenzwerten.
  • Sogar für Babynahrung könnte der Reis aus Pego wegen seiner geringen Arsen-Werte genutzt werden.
  • Ungewöhnlicherweise sind die Arsen-Werte auch im Vollkornreis aus Pego minimal.

Pego - Es ist ein radikaler Bruch in der Landschaft der im Norden der Costa Blanca  gelegenen Marina Alta. Innerhalb von wenigen Tagen hat sich das Feuchtgebiet Marjal Pego-Oliva komplett verändert. Mannshoch und prall mit Körnern gefüllt, schwankten die Reishalme in der einen Woche noch sanft im Wind hin und her, bevor die Mähdrescher anrückten und kurze Stoppel zurückließen. Viele wissen es nicht, aber auch in Spanien, das sonst in Sachen Landwirtschaft eher für seine Zitrusfrüchte oder auch für seinen Wein bekannt ist, wird Reis angebaut. Unter anderem im Marjal von Pego-Oliva in der Provinz Alicante. Mitte September war auch hier Erntezeit.

Gebiet:Pego-Oliva Marschland
Öffnungszeiten:Rund um die Uhr geöffnet
Eingerichtet:9. Januar 1995
Verwaltung:Generalitat Valenciana

Reis aus Pego: Arsen-Gehalt wird von Universität Elche untersucht

In diesem Jahr stand die Ernte unter einem ganz besonderen Zeichen. Nicht nur, dass die vor wenigen Jahren neu ins Leben gerufene heimische Sorte Bombón peu à peu neben ihrem altbekannten Partner Bomba an Terrain gewinnt. Beide Reissorten, Bomba und Bombón, könnten jetzt auch noch von ganz anderer Seite Auftrieb erhalten. „Wir sind in einer Studie zu spektakulären Ergebnissen gekommen“, sagt Ángel Carbonell. Er ist kein Reisbauer, kein Koch, kein Pegolino. Und trotzdem sichtlich begeistert von Pegos Reis.

Der vor kurzem zum valencianischen Generaldirektor für Wissenschaft und Innovation ernannte Spanier leitet als Universitätsprofessor die Forschungsgruppe für Lebensmittelqualität und -sicherheit an der zu Elches Universität Miguel Hernández (spanischer Link) gehörenden polytechnischen Hochschule von Orihuela. Diese Gruppe nahm in den vergangenen Monaten in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschafts-Unternehmen Pego Natura aus Pego den Reis im Marjal, der neben seinem Reisanbau auch für seine Biodiversität bekannt ist, unter die Lupe.

Untersucht wurde vor allem sein Arsengehalt – ein Thema, das Reiskonsumenten weltweit Sorge bereitet, ist doch das im Wasser angebaute Getreide besonders empfänglich für das gesundheitsschädliche, bis hin zu krebserregende, anorganische Arsen. „Wir wollen den Verbraucher informieren, ohne Panik zu schüren“, betont Carbonell, der mit seinem Team schon seit mehreren Jahren den Reisanbau in der ganzen Welt erforscht und dabei vor allem in Indien Probleme mit zu hohem Arsengehalt feststellte. „Was ist mit unserem Reis in Europa?“, fragten sich die Wissenschaftler und verlagerten ihre Untersuchungen auf die nähere Umgebung, also auch auf Spanien. Und jetzt auf Pego, wo sie zu erstaunlich guten Ergebnissen kamen und dem vorsichtigen Konsumenten damit manch eine Last nahmen.

Noch einmal betont Carbonell, dass der Arsengehalt im Reis generell kein Problem für einen erwachsenen Menschen sei. „Einige trauen sich schon nicht mehr, Paella zu essen“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu, dass auch er nach wie vor unbesorgt die sonntägliche Paella seiner Mutter genieße. „Reis ist ein wertvolles Lebensmittel, das zahlreiche wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe enthält. Es sollte daher Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein“, stellt auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung in einem Info-Schreiben zum Thema Arsen im Reis klar. Wie immer ist eben alles eine Frage des Maßes und der Vielseitigkeit in der Ernährung.

Reis aus Pego: Arsen-Werte liegen unter dem Durchschnitt

Das Problem von anorganischem Arsen liege vor allem bei den sogenannten „anfälligen Gruppen“, sagt Carbonell. Für die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, Efsa, sind das Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren. „Sie haben nicht so viel Körpermasse und nehmen über die Babynahrung sehr viel Reis zu sich“, sagt Carbonell. Weshalb die von der Efsa 2016 festgelegten Arsen-Grenzwerte bei Reis für die Herstellung von Säuglings- und Kindernahrung mit 100 Mikrogramm pro Kilo auch sehr viel tiefer angesetzt wurden als bei anderen Bevölkerungsgruppen. Allerdings, so fordert Carbonell, müssten eigentlich auch Personen mit Glutenunverträglichkeit, die ebenfalls überdurchschnittlich viel Reis zu sich nehmen, mit in diese Gruppe aufgenommen werden. Ausgenommen für Säuglinge und Kleinkinder liegen die Grenzwerte für Reis bei 200 bis 250 Mikrogramm, bei Reiskeksen, -waffeln und -kuchen bei 300 Mikrogramm.

Doch ob vorsichtige 100 oder großzügige 300 Mikrogramm: Der Reis aus dem Marjal in Pego gibt keinen Anlass zur Sorge. Ganz im Gegenteil. Bei unter 50 Mikrogramm pro Kilo liegt hier der Durchschnitt des anorganischen Arsens bei beiden Reissorten, Bomba und Bombón – und damit noch weit unter den für Säuglingsnahrung erlaubten 100 Mikrogramm, so das Ergebnis der aktuellen Studie, die in Kürze in der Wissenschaftszeitschrift „Journal of Food Composition and Analysis“ veröffentlicht wird. Und obwohl Carbonell den Marjal wegen der unterschiedlichen Bedingungen nicht gerne mit anderen Regionen vergleicht, verrät er doch: „Der Reis von hier liegt auch weit unter den Werten von 90 Prozent der Reissorten, die wir bisher weltweit untersucht haben.“ Generell stünden spanische Reisanbaugebiete, zu denen auch die Albufera in Valencia gehört, im internationalen Vergleich sehr gut da. Innerhalb von Spanien habe man ähnlich gute Ergebnisse wie in Pego-Oliva bisher nur im Naturpark Doñana in Andalusien gefunden.

Reis aus Pego: Sauberes Wasser sorgt für wenig Arsen

Einen Grund dafür sieht Carbonell darin, dass es sich bei Doñana in Andalusien und dem Marjal in Pego um geschützte Gebiete handele, wo weniger Chemie verwendet wird. Denn der natürlich im Boden vorkommende Arsengehalt könne beispielsweise durch Phosphatdünger erhöht werden. Doch Pego hat noch einen anderen entscheidenden Vorteil: sein sauberes Wasser, das direkt aus den Bergen kommt und nicht erst über Anbauflächen oder durch Städte fließt, bevor es im Marjal landet. „Weist das Bewässerungswasser hohe Gehalte an Arsenverbindungen auf, schlägt sich dies auch in höheren Gehalten in den Reiskörnern nieder“, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung. „Außerdem ist das Wasser hier immer in Bewegung, tauscht sich ständig aus“, sagt Carbonell.

Diese Standort-Vorteile weiß auch Pep Romany zu schätzen. Der Koch betreibt das Restaurant „Pont Sec“ in Dénia und lässt nur Reis aus Pego in seine Paellas. Und auch da ist er wählerisch und setzt ganz auf den Bombón. Der niedrige Arsengehalt im Reis beeinflusse zwar nicht den Geschmack, sagt er, trotzdem sei er ein weiteres Plus, das der Reis aus Pego vorzuweisen habe. „Schließlich wollen wir uns alle nahrhaft und gesund ernähren.“

Aber auch sonst hat er einige Pluspunkte für seine Lieblingsreissorte auf Lager. „Das fruchtbare Land, das viele organische Material, und als heimische Sorte ist der Bombón an die Umwelt angepasst“, sagt der Koch, der auch bei anderen Produkten auf Nähe setzt. „Mit heimischen Produkten verspeist du praktisch die Landschaft, die du vor dir siehst. Alle Sinne bewegen sich dabei in die gleiche Richtung.“

In diesem Fall in Richtung Marjal, dessen Reis nicht nur seit der Arsen-Studie wissenschaftlich unter die Lupe genommen wird. Nachdem der Reis hier seit jeher in die Paellapfanne geschüttet wurde, ohne dass man über seine Vor- und Nachteile nachdachte, stellte der Michelin-Koch Quique Dacosta vor einigen Jahren „die Frage in den Raum, was genau mit dem Korn passiert, wenn wir es kochen“, sagt Romany. Er führte wissenschaftliche Studien zu den kulinarischen Eigenschaften der Reissorten durch, Pep Romany selbst wiederum ging später der Frage nach, welche Reissorte für welche Rolle in welchem Gericht die ideale ist – vom Protagonisten in der Paella über die Nebenrolle im Eintopf bis zum Hilfsmittel beim Risotto.

Reis aus Pego: Sogar Vollkornreis hat erstaunlich wenig Arsen

Reis, das zeigen die Beispiele Dacosta und Romany, ist also längst mehr als die Hauptzutat des valencianischen Mittagessens. „Es gibt nichts Besseres, als dein Produkt zu kennen“, rät Ángel Carbonell auch den Landwirten und setzt auch für die Zukunft auf die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Produzenten.

So wie beim Thema Arsen. Dass dieses Halbmetall, das je nach geologischen Gegebenheiten in unterschiedlichen Konzentrationen überall in der Erdkruste vorkommt, sich gerade im Reis ansammeln kann, und nicht etwa in anderen Getreidesorten, liegt an der Überflutung der Reisfelder. Abgesehen davon, dass das Wasser an sich schon Arsen mit sich führen könnte, führe die Überflutung zu einer erhöhten Verfügbarkeit des Arsens im Boden, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Darüber hinaus sei der Arsengehalt im Reis „von der Anbaumethode und der Reissorte abhängig“.

Und von der Verarbeitung. „Normalerweise raten wir bei der Kinderernährung von Vollkornreis ab“, sagt Carbonell. Der Grund: Arsen reichert sich bevorzugt in den Randschichten des Reiskorns an – geschälter Reis ist daher in der Regel weniger belastet als Vollkornreis. Leider – weist letzterer doch andererseits wichtige Nährstoffe auf. Umso erfreulicher ist ein weiteres Ergebnis der aktuellen Arsen-Studie aus Pego. „Im Marjal haben wir beim Vollkornreis erstaunlicherweise ähnlich niedrige Werte wie beim weißen Reis festgestellt, weshalb wir sogar den Vollkornreis aus dem Marjal für Kinderernährung empfehlen können“, betont der Forscher.

Bei der Reis-Ernte im September verändert sich die Landschaft im Marjal in Pego.

Eine gute Nachricht also für Pegos Reisbauern und für die Konsumenten, denen Carbonell empfiehlt, beim Kauf von Reis auf die Herkunft zu achten. Denn eine Kennzeichnungspflicht zum Arsengehalt auf den Produkten gebe es leider nicht. Dabei käme sie dem Pegoliner Reis, der jetzt nach der Ernte seinen Weg in Mühlen und dann in Tausende von Paellapfannen geht, sicherlich sehr zugute.

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