Blick auf die Bucht von Altea, darunter Dächer der Altstadt.
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Politiker aus Altea verhaftet: Sie sollen der russischen Mafia zu Geschäften mit Schwarzgeld verholfen haben.

PP-Politiker unter Verdacht

Russische Mafia an der Costa Blanca: Politiker in Altea und Benidorm verhaftet, Rathäuser dementieren

  • vonStella Kirchner
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Die russische Mafia soll an der Costa Blanca weit in die Kommunalpolitik vorgedrungen sein. In Altea und Benidorm wurden Politiker und Polizisten verhaftet. 

  • Kommunalpolitiker der PP in Altea und Benidorm sind wegen Schwarzgeld-Affäre verhaftet worden.
  • Die Partei hält an verhafteten Politikern weiter fest.
  • Russischer Anwalt soll auch Polizisten bestochen haben.

Update 21. Dezember: Das Rathaus von Altea äußert sich zu einer Anfrage der Costa Nachrichten bezüglich der Razzia gegen Machenschaften der russischen Mafia in ihrer Gemeinde. José Orozco, aktueller Baustadtrat bestreitet, „dass es früher oder heute jemals Unregelmäßigkeiten in der Vergabe von Baulizenzen gab“. Er versichert, dass Projekte, die in der Tonbandaufnahme des Hauptverdächtigen Alexey Shirokov, zu der„Cadena Ser“ Zugang hatte, genannt wurden, nichts mit dem Hauptverdächtigen zu tun hätten. Das Rathaus von Altea, aktuell geführt von Compromís und PSOE, werde keine Untersuchungen nach möglichen Eingriffen des Hauptverdächtigen in die Baupolitik einleiten, „weil er in Altea keine Projekte durchgeführt hat“. Alles, was Orozco und seine Compromís-Partei wisse, sei, dass „die PP sehr eng mit Shirokov verbunden ist“.

Altea/Benidorm - Anwälte, Makler und Politiker, bei einer großen Razzia gegen organisiertes Verbrechen sind 23 Personen in ganz Spanien verhaftet worden. Über fünf Jahre dauerten die Ermittlungen, die Politiker von Spaniens konservativer Partei PP und Polizisten in Verbindung mit der russischen Mafia bringen. Unter den Verhafteten sind auch viele Amtsträger mit hohen Posten an der Costa Blanca. Laut Angaben der Zeitung „Las Provincias“ (spanisch) soll sogar Alteas Polizeichef der Guardia Civil sowie zwei weitere Polizisten festgenommen worden sein. Die Information erhielt die Zeitung wohl aus internen Polizeikreisen. Weder die Polizei in Altea noch das Rathaus haben sich zu den Vorfällen geäußert.

AlteaStadt in Spanien
Höhe61 m
Fläche34,43 km²
Bevölkerung21.995 (2018) (Instituto Nacional de Estadística)

Benidorms Sicherheitsstadtrat verhaftet: Bürgermeister hält an Politiker fest

Ein mindestens genauso großer Fisch wie Alteas Polizeichef war für die Ermittler der spanischen Polizei und Europol Benidorms Sicherheitsstadtrat Lorenzo Martínez. Er soll mehreren Personen geholfen haben, mit Schwarzgeld Investitionen an der Costa Blanca zu tätigen. Der Benidormer Bürgermeister Toni Peréz ergreift öffentlich Partei für seinen PP-Kollegen Martínez. „Die Vorwürfe waren so haltlos, dass Lorenzo Martínez gleich auf freien Fuß gesetzt wurde“, erklärt Peréz. „Die Befragungen der Polizei nach der Razzia und seine Rolle als Sicherheitsstadtrat werden so lange getrennt, bis stichhaltige Beweise vorliegen“, sagt der Konservative Politiker der Zeitung „El País“.

Ein weiterer Kommunalpolitiker, ebenfalls von der PP und ehemaliger Sicherheitsstadtrat in Altea, Jaime Sellés, soll in seiner Amtszeit wichtige Baugenehmigungen für die angeblichen Geschäftsleute der kriminellen Organisation ausgestellt haben. Ein Campingplatz in Altea erregte dabei das Interesse der Polizei und führte sie zum Hauptverdächtigen, Alexey Shirokov. Dieser hatte das Projekt komplett mit Bargeld gezahlt, das mutmaßlich aus kriminellen Geschäften stammte.

Alteas ehemaliger Stadtrat verhaftet: Wein, Schinken und Schmuck gegen Geldwäsche

Laut Aussagen auf der Tonbandaufzeichnung, die das Amtsgericht von Benidorm bei Shirokovs Verfahren vor dem Haftrichter erstellt hat und zu denen der Radiosender Cadena Ser (spanisch) Zugang hatte, habe Politiker Sellés dem Russen deutlich gemacht, dass „er sehr wahrscheinlich die Genehmigung für den Campingplatz erhalten wird“. Im Gegenzug erhielt der Stadtrat wohl regelmäßige Geschenke von Shirokov, darunter vor allem teure Weine, edle Schinken und Schmuckstücke. Alteas Rathaus und Guardia Civil haben laut Angaben der Ermittler teilweise jeweils bis zu 20 Kisten Luxus-Wein erhalten. Auch der ehemalige Stadtarchitekt Luis Hernández Andrada, ebenfalls PP-Mitglied, sei beteiligt gewesen. Alteas PP-Sprecher, Jesús Ballester, soll laut Aussagen im Gerichtsprotokoll bei der Polizei dafür gesorgt haben, dass Shirokov einen neuen Personalausweis bekam.

Der enge Draht zu den Kommunalpolitikern und der Polizei haben dafür gesorgt, dass Shirokov, der in seiner Heimat Jura studiert hatte, nicht nur selbst Geschäfte mit Geld machen konnte, dessen Herkunft zweifelhaft ist, sondern auch anderen Geschäftsleuten Deals abseits der Kontrolle durch den Fiskus verschaffen konnte. So hat der russische Anwalt seinen Landsleuten Maxim Khakimov und Nikolay Mityurev, die nun ebenfalls vor Gericht stehen, zu großen Immobilien-Deals verholfen. Auch für diese Gelder fehlen Nachweise. Die Razzia gegen Shirokov und seine kommunalen Komplizen ist der größte Vorstoß Spaniens gegen die russische Mafia in über zehn Jahren. Nach dem Gürtel-Fall auf nationaler Ebene ist es nun schon der zweite Korruptionsfall, in den Politiker der PP verwickelt sind.

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