Solarpanele an einem Feld bei Elche
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Erneuerbare Energien in der traditionellen Landwirtschaft in Spanien. Neue Solaranlage bei Elche.

Erneuerbare Energien

Solaranlagen im Orangenhain: Alicantes Bauern suchen die Zukunft

  • vonMarco Schicker
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Solarpanele statt Orangenbäume? Kooperativen, Gemeinden und Unternehmen im Süden von Alicante entdecken das Potential Erneuerbarer Energien in der traditionellen Landwirtschaft. Irrwege und Best-Practice an aktuellen Beispielen.

Elche/Catral – Es ist noch nicht die „grüne Revolution“ in der Landwirtschaft in Spanien, die viele für längst überfällig halten, aber es ist ein Schritt in eine nachhaltigere Zukunft. Immer mehr Bauern, Landeigner und Gemeinden in Spanien entdecken in Erneuerbaren Energien eine Ersparnis- und Einnahmequelle. Doch ganz so gerade ist der Weg in die Zukunft dabei nicht, wie Beispiele aus dem Süden von Alicante zeigen.

Höhere Einnahmen, weniger Aufwand: Bauern in Spanien verpachten Felder an Energieunternehmen für Solaranlagen

Anstatt Orangen anzubauen und wegen der mangelnden Rentabilität auf dem Feld verfaulen zu lassen oder sich mit neuen, durch Globalisierung und Klimawandel aufkommende Plagen herumzuschlagen, vermieten immer mehr Landeigner und Landwirte in der Vega Baja im Süden von Alicante ihre Felder an Energieunternehmen, die dort Solaranlagen oder Windkraftwerke installieren wollen. Der Pachterlös liege laut Bauernvereinigungen wie Asaja mit bis zu 1.500 Euro pro Hektar und Jahr teilweise um das Dreifache höher als bei der Verpachtung für konventionelle Anbauzwecke.

Die Befürchtung besteht nun darin, dass die traditionellen Feldfrüchte im kleinteiligen Anbau durch Projekte mit Erneuerbaren Energien immer mehr verdrängt werden und so die Kulturlandschaft der Huerta verändern. Dass diese Veränderlichkeit eigentlich aber ein Wesensmerkmal der Huerta ist, negieren die Traditionalisten. Ihre Befürchtung: Großproduzenten füllten dann die entstehende Marktlücke auf und das eigentlich Gute der Erneuerbaren Energien, verdrängt den in Spanien gerade - und vergleichsweise spät - in Schwung gekommenen Bio-Anbau.

EU-Hilfen für Spaniens Bauern: Schnelles Geld mit der Sonne?

Der Bürgermeister von Elche im Süden von Alicante weiht im Februar 2021 eine neue Solaranlage einer bäuerlichen Kooperative ein.

Die Idee, dass man mit Agrar-, Grün- und Brachland schnell Geld verdienen kann, wenn man es für Solaranlagen vermietet, verkauft oder selbst welche installiert, nehmen in Spanien vermehrt auch Gemeinden und bäuerliche Kooperativen auf eigene Rechnung gerne auf, die auf diese Weise ohne viel urbanistische Vorarbeiten an Geld und höhere energetische Unabhängigkeit kommen könnten, zumal für solche Projekte jetzt zusätzlich EU-Fördergelder winken und die bürokratischen Schwellen dafür zu sinken scheinen. Immerhin ist ein großer Teil der EU-Corona-Milliarden für Spanien für den energetischen Umbau reserviert.

Beispiel Catral: Solaranlage in Überschwemmungsgebiet

Gerade wurde in Catral in der Vega Baja seitens der valencianischen Landesregierung die Genehmigung zu einer 1,8-Megawatt-Anlage auf 3,7 Hektar erteilt. Über eine Million Euro werden hier von einer 90 Jahre alten Kooperative von Bauern in 4.500 Solarpanele investiert. Die Energie daraus soll ihnen sowohl den eigenen Energiebedarf, den von einigen hundert Anwohnern der Umgebung decken und auch zusätzlich Einnahmen generieren, die man dann unter sich aufteilt. Doch regionale Umweltschützer wie die Ahsa haben schwere Bedenken.

Denn wieder betrifft es das Landschaftsbild der traditionellen Huerta, das durch die Anlagen gefährdet werde. Einen ähnlichen Konflikt trägt man hinsichtlich des Landschaftsschutzes in der Marina Alta derzeit mit Windkraftanlagen aus. Außerdem stünde die Anlage auf Terrain das als Überschwemmungsgebiet als gefährdet ausgewiesen sei. Laut valencianischem Landesgesetz 14/2020, das in Folge der schweren Unwetter Dana und Gloria 2019/20 verabschiedet worden ist, dürfe hier solch eine Anlage nicht genehmigt werden. Einsprüche laufen, dieses und andere Projekte in der Vega Baja hängen so in der Luft.

Ergänzung statt Verdrängung: Solar-Projekt in Elche

Dass neue Techhnologien sich auch mit dem traditionellen Landbau vertragen können, zeigt eine Kooperative bei Elche. Die Bauern haben hier 235.000 Euro in eine Solaranlage investiert, die von den Bürgermeistern von Elche und San Fulgencio, Carlos González und José Sampere gerade eröffnet wurde. Die 0,4-Megawatt-Anlage, die sozusagen in der Ecke eines Feldes platizert wurde, soll den Bauern jährlich rund 70.000 Euro Stromkosten für die Pumpsysteme für das Bewässerungssystem ersparen. Das machte sie wettbewerbsfähiger und gleichzeitig werde der CO2-Ausstoß verringert, die Landwirtschaft somit umweltfreundlicher. So bliebe die Landwirtschaft erhalten und die Erneuerbaren Energien kämen dennoch zum Zuge. Auch für dieses Projekt gab es EU-Gelder über das valencianische Landwirtschaftsministerium.

Die Projekte haben wenig Spektakuläres an sich und hätten eigentlich schon vor Jahren umgesetzt werden können, lohnten sich damals aber wegen weniger Förderung und der berühmten "Sonnensteuer" in Spanien noch nicht so wie heute. Sie sind nur ein kleiner Schritt in Richtung einer an das 21. Jahrhundert angepassten Landwirtschaft im "Gemüsegarten Europas". Der wird allerdings nicht von den Bauern der Huerta, sondern von Konzernen kontrolliert.

Die traditionellen Bauernverbände, organisiert über die Bewässerungsgemeinschaften von der Vega Baja über den Campo de Cartagena, Murcia bis nach Almería stellen sich gegen die eigentliche Revolution, den Abschied von der durch den Klimawandel nicht mehr sinnvoll aufrecht zu erhaltenden Fernbewässerung durch das Tajo-Segura-System. Auch hier, wie bei der Einbindung der Erneuerbaren Energien wird es keine Revolution geben, sondern eine langwierige Evolution.

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