Tourismus an der Costa Blanca

Benidorm: Britische Touristen überrascht Pflicht zu Quarantäne im Spanien-Urlaub

  • vonJudith Finsterbusch
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Die neue Quarantänepflicht für Urlauber, die aus Spanien nach Großbritannien zurückkehren, trifft die Tourismusbranche in Benidorm hart. Außerdem hat die Ansage tausende Briten mitten im Urlaub überrascht.

  • Benidorm trifft Quarantäne in Großbritannien schwer.
  • Tausende Briten überrascht die Quarantänepflicht mitten im Urlaub.
  • Hoteliers und Touristen beschweren sich über Vorgehen der britischen Regierung.

Benidorm - Gerade als Benidorm ein kleines Lichtlein am Ende des Tunnels sah, machte die britische Regierung alle Hoffnungen auf einen doch noch nicht gänzlich verlorenen Sommer auf einen Schlag zunichte: Alle Rückkehrer aus Spanien müssen seit dem 26. Juli eine 14-tägige Quarantäne in Großbritannien antreten. Die plötzliche Verordnung angesichts der steigenden Coronavirus-Fallzahlen in Spanien schockierte nicht nur Hoteliers und Barbesitzer, sondern erwischte auch tausende britische Spanien-Urlauber an der Costa Blanca: Meer, Sonne, Licht - wo das Klima noch ein Anziehungsfaktor ist.

StadtBenidorm
Fläche38,51 km²
Einwohner67.558 (Stand 2018)
ProvinzAlicante

„Ich wollte mich eigentlich in Benidorm mit Freunden aus Großbritannien treffen. Die werden jetzt nicht kommen“, sagt etwa Aaron Pitts. Der Engländer wohnt in Barcelona und ist gerade erst in Benidorm angekommen – für den geplanten Urlaub mit Freunden. Kalt erwischt hat die Quarantänepflicht, die London wegen der steigenden Fallzahlen in Spanien verhängt hatte, auch Julie Helliwell an ihrem zweiten Urlaubstag. „Ich muss nach meiner Rückkehr eigentlich wieder zur Arbeit. Wie soll ich das mit der Quarantäne vereinbaren?“, fragt sich die Engländerin.

Viele Benidorm-Urlauber hat die britische Quarantänepflicht überrascht. Bars und Straßen in der Stadt sind ungewöhnlich leer.

Benidorm: Quarantäne trifft britische Urlauber unvorbereitet

Auch Elisabeth Clements, die gemeinsam mit Helliwell Urlaub in Benidorm macht, hätte sich eine etwas langfristigere Ankündigung der britischen Regierung gewünscht: „Ich lebe allein, nach einem Urlaub muss man einkaufen, vielleicht Medikamente besorgen. Da ich nicht auf die Quarantäne vorbereitet war, werde ich Familie und Freunde darum bitten müssen“, meint Clements. Sie hält außerdem 14 Tage für zu lang. „Zehn Tage ließen sich noch irgendwie organisieren. Aber zwei ganze Wochen sind übertrieben“, meint Clements.

Hätten sie von der Quarantänepflicht gewusst, wären viele britische Urlauber gar nicht erst nach Benidorm gekommen. Seit der Ankündigung aus London hagelt es Stornierungen in den Hotels und Reisebüros, für Buchungen, die gerade erst eingegangen waren. „Wir konnten gerade einen Anstieg bei den Reservierungen aus Großbritannien verzeichnen“, klagt Toni Mayor, Vorsitzender der Hoteliervereinigung Hosbec mit Sitz in Benidorm.

Benidorm: Quarantäne für Briten lässt Hotelöffnungen platzen

Viele Hoteliers wollten ihre Häuser in Benidorm jetzt, zum August, angesichts der gestiegenen Nachfrage endlich wiedereröffnen. Angestellte sollten aus der Kurzarbeit (ERTE) zurückgeholt werden, Geld wurde in Coronavirus-Schutzmaßnahmen investiert, Speisesäle umgeräumt, alles blitzeblank geputzt und desinfiziert. Hosbec-Vorsitzender Toni Mayor nannte die Quarantäne-Verordnung aus Großbritannien einen „Keulenschlag für den Tourismus“, die gesamten Vorbereitungen scheinen für die Katz gewesen zu sein, und nicht nur die Hoteliers kritisieren die britische Regierung, weil sie die Quarantänepflicht für ganz Spanien verhängt hat.

Hosbec fordert angesichts der vergleichsweise geringen Infektionszahlen an der Costa Blanca einen „sicheren Flugkorridor“ zwischen Großbritannien und Alicante, und auch die Benidorm-Urlauber sind verärgert. „Man hätte die Quarantäne nur für Rückkehrer aus den betroffenen Gebieten verhängen sollen“, meint Julie Helliwell. Bürgermeister Toni Pérez sagte, viele britische Urlauber hätten ihm gesagt, dass sie sich in Benidorm sehr sicher fühlten – „sicherer sogar als bei sich zu Hause“.

Rubriklistenbild: © Ángel García

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