Impfungen in Spanien, Elche
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Die Impfungen in Spanien laufen wie am Schnürchen, hier in Elche. Dennoch sind die Impfquoten unter Ausländern in Spaniern unter dem Landesschnitt.

Covid-Impfung in Spanien

Renitente Residenten? Auswanderer in Spanien weniger geimpft als Einheimische - Beispiel Torrevieja

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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In Regionen, wo in Spanien besonders viele europäische Auswanderer leben, ist die Impfquote geringer als im Rest des Landes. Tragen Ausländer also Mitschuld an der Einführung der 3G-Regeln in Spanien?

Torrevieja - 89,5 Prozent der Zielgruppe über 12 Jahren in der Provinz Alicante ist geimpft, mit beiden Dosen oder mit der einen von AstraZeneca, viele sind bereits beim Boostern. Die Provinz Alicante liegt damit sehr genau im spanischen Landesschnitt von rund 90 Prozent Durchimpfung. Ein Gesundheitsbezirk, nämlich jener von Torrevieja, ganz im Süden der Costa Blanca, fällt in der aktuellen Statistik des Landesgesundheitsministeriums Valencia aber auf, denn dort beträgt die Impfquote nur 82 Prozent. Das ist noch immer viel und viel mehr als viele EU-Länder vorweisen können, doch im impffreudigen Spanien ein Ausreißer.

Impfung in Torrevieja: Gesundheitsbezirk 6,5 Punkte unter Durchschnitt in Spanien, manche Orte sogar 14 Punkte hinterher

Aus der Aufstellung geht hervor, dass die 18 Prozent Ungeimpften 30.811 Personen ausmachen, die in den zehn Gemeinden leben, die zum Gesundheitsbezirk Torrevieja mit einem Einzugsgebiet von 188.000 Menschen gehören. Neben Torrevieja sind das Orihuela Costa, Pilar de la Horadada, Rojales, Guardamar del Segura, San Miguel de Salinas, San Fulgencio, Los Montesinos, Benijófar und Formentera del Segura. Davon sind 1.288 älter als 80 Jahre, 3.275 zwischen 70 und 80 sowie 1.410 zwischen 66 und 69 und 2.278 60 bis 65 Jahre, insgesamt also über 8.200 Menschen, die zur primären Covid-Risikogruppe für schwere Verläufe und Todesfälle zählen.

Zwar macht Valencia aus nachvollziehbaren Gründen keine Einzelaufstellung darüber, welchen Nationalitäten die Ungeimpften angehören, es fällt aber auf, dass die Impfquote in den Kommunen mit dem höchsten Ausländer-, vor allem Residenten-Anteil, also Orihuela Costa, Torrevieja und Rojales jeweils am niedrigsten ist, bis zu 76 Prozent, also fast 15 Punkte unter dem Durchschnitt der Impfung in Spanien. Der Verdacht liegt also nahe, dass Deutsche, Österreicher und Schweizer, neben anderen, die Impfunlust ihrer Heimatländer nach Spanien getragen haben.

Impfung in Spanien für alle: Anmeldung beim Rathaus genügt, Versicherung nicht notwendig - Hemmung ablegen

Bürokratische Hürden können nicht der Grund für das Auslassen oder die Verweigerung der Impfung sein, denn wer in Spanien gemeldet ist, (empadronamiento) hat einen genauso leichten Zugang zur SIP-Karte der Krankenversicherung wie Spanier. Der Status "residente" oder nicht, in Spanien versichert oder nicht, spielt dabei keine Rolle, denn für die staatliche Leistung Impfung wird Jedem mit "padrón" umstandslos eine provisorische SIP-Karte ausgestellt.

Auch wenn Valencia hofft, dass unter den Ungeimpften "viele" sein mögen, die sich eventuell bei einem Aufenthalt in der alten Heimat haben impfen lassen und die spanischen Behörden davon nichts wissen können, kommen zu dieser Statistik jedoch auch die gänzlich Ungemeldeten hinzu, über deren Impfstatus man genauso wenig weiß, wie über ihre Steuerpflichten. Es ist also nicht klar, ob die geringere Quote einer niedrigeren Impfbereitschaft oder einem mangelenden Informationsfluss geschuldet ist.

Doch natürlich könnten ausländische Residenten, die eigentlich impfbereit sind, aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse des Spanischen Hemmungen haben, bei den Behörden vorzusprechen, sei es im Rathaus oder im Gesundheitszentrum. Doch durch die neuen 3G-Regeln in der Region Valencia ab 3. Dezember hieße das für sie Verzicht auf Restaurantbesuche (oder umständliche und teure Tests) und andere Einschränkungen, die in Spanien bisher nicht herrschten. Vielleicht ein Grund, die Hemmungen zu überwinden und den Weg zum Amt anzutreten, vieler Worte braucht es dort nicht und oft sprechen die Angestellten auch Englisch.

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Des hohen Anteils von Ausländern, gemeldet oder nicht, nicht nur an der Costa Blanca, ist sich das spanische Gesundheitsministerium durchaus bewusst und auch wenn es von spanischer Seite niemand direkt aussprechen mag, ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass die jetzt erfolgte Einführung der 3G-Regeln, Covid-Pass und Corona-Ampel in immer mehr Teilen von Spanien, das aufgrund der Disziplin und Solidarität seiner Bürger beim Thema Impfung bisher darauf verzichten konnte, auch mit auf das Konto der hier lebenden Ausländer gehen könnte, die sich diesem Gemeinsinn in größerem Maße entziehen als die Spanier. Denn zwar gibt es viele hier lebende Ausländer, die sich nicht nur hervorragend integriert und die Gewohnheiten und so auch Tugenden der Spanier übernommen haben, dennoch importiert Spanien mit den Residenten auch deren statistische Unwägbarkeiten.

Lage in Spaniens Krankenhäusern beweist Wirksamkeit der Covid-Impfung

Spanien will die Bürger schützen, die sich nicht oder nicht so gut selbst schützen können, denn eine Durchbruchsinfektion ist auch für einen geimpften Mitbürger im hohen Alter oder mit Vorerkrankungen keine Kleinigkeit, erst Recht also für jene ein Problem, die sich aufgrund medizinischer Konditionen nicht impfen lassen können. Die Impfung für die Gruppe der 5-11-Jährigen ist zugelassen, eine allgemeine Impfpflicht steht in Spanien weiterhin nicht zur Diskussion, auch nicht für "renitente", nicht resistente Residenten.

Das Krankenhaus Torrevieja jedenfalls zählte Ende voriger Woche wieder 17 Covid-Patienten auf Station und drei weitere in Intensivbehandlung, doppelt so viele wie noch vor einem Monat, vorige Woche gab es zwei weitere Covid-Todesopfer. Die Inzidenz im Torrevieja-Bezirk überstieg am Freitag die 200 Fälle pro 100.000 Einwohner auf 14 Tage, im benachbarten Gesundheitsbezirk, dem "Binnenbezirk" der Vega Baja, Orihuela, lag die Inzidenz bei 55.

80 Prozent der Covid-Hospitalsfälle sind nach inoffiziellen Angaben aus dem Krankenhaus Torrevieja ungeimpft, Angaben über die Nationalität der Patienten werden mit Verweis auf das ärztliche Ethos abgelehnt. Damit bestätigt sich die allgemeine Evidenz, dass die Ansteckung durch die Impfung nicht verhindert, aber reduziert, vor allem aber schwere Verläufe und Todesfälle - auch und vor allem für die Risikogruppen - massiv reduziert werden. Das ist der Sinn der Sache. Die Impfung ist nicht die Lösung, aber eine Minimierung des Problems Coronavirus. Für jeden selbst und für den Nächsten.

Zum Thema: Kunterbuntes Torrevieja, mit Silberlocke - Woher die Bürger kommen, warum sie kamen.

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