Ein nicht genutzter Eingang von Dénias Burg, der als Torre del Galliner bekannt ist.
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Über die Torre del Galliner will die Stadt einen zweiten Zugang zur Burg schaffen.

Auf aristokratischen Spuren

Historische Costa Blanca: Königliche Gärten in Dénias Festung freigelegt

  • vonAndrea Beckmann
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Beliebt bei Dénias Besuchern ist das Castillo, das sich auf dem Hausberg über dem Hafen erhebt. Ein vom Feder-Fonds finanziertes Projekt legt Terrassen früherer königlicher Gärten frei.

Dénia – Mit Gewächsen aus Valencia und Mallorca sowie autochtonen Pflanzen vom Montgó hatten die Gärtner in den Jahren 1613 und 1617 im Verger Alt (oberer Garten) von Dénias Festung die botanische Oase gestaltet. Damit wollte man König Felipe III. (englische Seite) erfreuen. Der war bereits zweimal in Dénia gewesen und hatte für 1618 einen erneuten Besuch angekündigt. Der Monarch sollte die üppigen Gärten, für die keine Kosten und Mühen gescheut worden waren und die das Königshaus finanzierte, nicht mehr sehen. Er verstarb in Madrid, noch bevor er zu seiner geplanten Reise aufbrechen konnte.

Dénia Stadt in Spanien
Autonome GemeinschaftValencia
ProvinzAlicante
LandkreisMarina Alta
Fläche 66,18 km2

Über lange Zeit lagen die Terrassen des Verger Alt, von denen man über den ganzen Hafen der Stadt blicken kann, im Verborgenen. Ein kleines Kiefernwäldchen, das Mitte des vergangenen Jahrhunderts gepflanzt worden war, hatte das Gebiet eingenommen. Nachdem die Bäume gefällt wurden, konnte der Bereich im oberen Teil der Festung in aufwendiger Arbeit freigelegt werden. Die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen, die von den Archäologen Julián Esteban y Elisa Moliner geleitet wurden, sollen schon bald auf Hinweistafeln vor Ort aufgeführt werden.

Historische Costa Blanca: Königliche Gärten in Dénias Festung freigelegt

Unter anderem wurden Reste von Wohnungen aus der Zeit der Maurenherrschaft freigelegt und eine Plattform hergerichtet. Dort befanden sich die Kanonen, die zur Abwehr von ungebetenen Besuchern, die übers Meer kamen, eingesetzt wurden. Bei einer Besichtigung dieses neu geschaffenen Bereichs, den ein durch Geländer abgesicherter Rundweg säumt, über den man unter anderem zum Turm Torre del Medio gelangt, gab die Archäologin Elisa Moliner bekannt, dass mit Abschluss der Arbeiten nun weitere 2.000 Quadratmeter des Burggeländes zugänglich seien, die über Jahrhunderte einen Dornröschenschlaf gefristet hätten.

An der Ortsbegehung nahmen neben Dénias Bürgermeister Vicent Grimalt auch der Stadtarchäologe Josep Gisbert und der Generaldirektor für örtliche Verwaltung, Antoni Such, teil. Der Regierungsvertreter besichtigte auch die ebenfalls abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten des Turms Torre del Medio (11. Jahrhundert) und eines Militärgebäudes aus dem 16. Jahrundert. Diese Zeitzeugen waren aus Sicherheitsgründen über viele Jahre für Besucher gesperrt und können künftig in die geführten Besichtigungen mit aufgenommen werden.

Königlicher Garten von Dénias Burganlage soll mit der Bepflanzung autochtoner Pflanzen neu belebt werden

Die Restaurierungs- Ausgrabungs- und Säuberungsarbeiten wurden je zur Hälfte mit Geldern des EU-Fonds Feder 2014-2020 und der Stadt Dénia finanziert. Insgesamt beliefen sich die Kosten nach Angaben des Regierungsvertreters Antoni Such auf eine halbe Million Euro.

Stadtarchäologe Josep Gisbert informierte über das Vorhaben der Stadt, den „königlichen Garten“ in einer weiteren Restaurierungsphase wieder neu zu beleben. Die Begrünung der Anlage soll mit autochtonen Pflanzen erfolgen. Außerdem denke man darüber nach, im unteren Teil der Festungsanlage, die im Bereich Verger Baix (unterer Garten) mit der Torre del Galliner in den Stadtteil Baix la Mar mündet, einen zweiten Zugang zu schaffen. Dieser Eingang könnte in der Calle Pont entstehen, wo in den 1960er Jahren bereits ein Portal geschaffen wurde, dem 1986 im Rahmen einer Ausbildungswerkstatt der Bau einer Treppe gefolgt sei.

Auch ein im Verborgenen liegender Eingang zur Festung will der Stadtarchäologe in der Erinnerung der Bewohner aufrecht erhalten, damit er nicht in Vergessenheit gerät. Es handelt sich dabei um das Portal des Reis (Königsportal), das Ende des 19. Jahrhunderts zugemauert wurde und hinter den Fassaden eines der Altstadthäuser verschwand, die zu dieser Zeit mit der Zustimmung der Kommune an die Burgmauer gebaut wurden. Um diesen Eingang wieder offen zu legen, müsse sich die Stadt jedoch zunächst mit den Eigentümern der Altstadthäuser einigen. Dies dürfte kein einfaches Unterfangen sein.

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