Zwei Arbeiter auf einem Kran stellen eine Falla-Skulptur auf.
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Das Fallas-Volksfest bereitet sich auf seine Rückkehr vor, nachdem es aufgrund des Gesundheitsnotstands verschoben wurde.

Fallas vom 1. bis 5. September

Spanien feiert Fiesta im Schongang - Fallas in Valencia mit Corona-Bremse

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Corona bremst viele Feste in Spanien aus. Die Fallas in Valencia finden im September und mit Vorsichtsmaßnahmen statt. Tut das dem Treiben einen Abbruch? 

Valencia – Bei den Fallas zeigt Valencia sich von seiner schrillsten Seite: groteske Figuren aus Pappmaché, schrill-ironische Veräppelung des Alltags, ohrenbetäubende Knallböllerkonzerte, prächtige Feuerwerke, tiefkatholische Blumengaben in einem zügellos dionysischen Treiben, das vor Corona über eine Million Besucher aus ganz Spanien in die Hauptstadt der Region Valencia lockte. Mit dem Fallas-Treiben kommt eben normalerweise der Frühling und das Leben ins Land. Nun soll das Fest der Schreiner nach eineinhalb Jahren Zwangspause erstmals vom 1. bis 5. September stattfinden – keim- und sündenfrei unter den AHA-Geboten der Coronavirus-Pandemie.

Symbol für den Beginn der Coronavirus-Pandemie in Spanien: Absage der Fallas 2020

Für viele Valencianer markierte die gigantische Frauenfigur im März 2020 den traumatischen Beginn der Coronavirus-Pandemie. Da stand das Monument mit der Atemschutzmaske auf dem Rathausplatz und es geschah, was damals niemand für möglich gehalten hätte. Ein Riesenevent wie die Fallas hing tagelang an einem seidenen Faden und wurde tatsächlich im letzten Moment abgesagt – wegen eines mikroskopisch winzigen Virus. Die Fallas-Leute mussten ihre 800 Figurengebilde wieder abbauen, ohne sie ihrer Bestimmung, dem Flammentod, zu übergeben.

Die Fallas rühren von der Tradition her, dass die Zimmerleute im Frühjahr den Saustall aus ihren Werkstätten auf die Straßen warfen, ein paar Haufen bildeten und in Brand steckten. Erst im 19. Jahrhundert flossen der Joseftag und die politische Satire in Form von einfachen Figuren ineinander über zu den Fallas, aus denen das moderne Mega-Event entstand, mit einer eigenen Fallabauer-Gilde, tonnenschweren Figuren und aufgeblähten Etats, die in Boomzeiten Anfang des 21. Jahrhunderts leicht 150.000 Euro pro Figur überschritten.

Viele Touristen statten während der Fallas den Figuren in den jeweiligen Vierteln einen Besuch ab und nehmen an der eigentlichen Fiesta kaum teil. Dafür eignen sich die Covid-Fallas genauso gut wie die echte Fiesta. Aufgestellt werden die Figuren im Rahmen der plantà. Am Mittwoch, 1. September, bauen die Fallas-Leute die kleinen Figuren der Kinder-Fallas zusammen, am Donnerstag, 2. September, die großen Gebilde. Ein Donnerstagnachmittag eignet sich sicherlich gut, um etwas Fallas-Atmosphäre in Valencia zu schnuppern. Die traditionelle Cremà findet am Sonntag, 5. September, statt, allerdings hat die Stadt bisher noch keine Angaben über die Uhrzeiten gemacht, und die Rathaus-Falla wird unter Ausschluss des Publikums abgebrannt.

Die traditionelle mascletà findet dieses Jahr gar nicht statt. Statt des ohrenbetäubenden Knallfeuerwerks auf dem Rathausplatz zünden die Festleute 19 kleinere mascletàs in acht Vierteln der Stadt. So sollen große Menschenansammlungen verhindert werden. Deswegen steigen vom Jardín de los Viveros dieses Jahr keine großen Feuerwerke in den nächtlichen Himmel, nur sieben kleinere sollen gezündet werden.

Fest unter dem Einfluss der Coronavirus-Pandemie: Keine Blumengabe, keine Böllerkonzerte

Die Blumengabe an die Marienfigur – die Virgen de los Desamparadas – die Tausende hingebungsvoll auf den Straßen und einige gar stundenlang vor dem Fernsehen ansehen können, findet dieses Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Falleras und Falleros ziehen in kleineren Umzügen durch die Stadt, damit das Publikum die traditionellen Trachten und Frisuren bewundern kann. Allerdings tragen Festleute wie Publikum allesamt Atemschutzmasken – bei den Fallas übrigens auch im Freien Pflicht.

Das Fallas-Volksfest wird vom 1. bis 5. September mit Einschränkungen stattfinden.

Die Paellas dürfen in den Festzelten gekocht werden und auch Essensstände auf den Straßen hat die Stadt erlaubt, nur Paellakochwettbewerbe darf es nicht geben. Konzerte und Musik dürfen in den Festzonen veranstaltet werden. Sommernachtsfeste und Tanzveranstaltungen fallen aber aus – und mit dem lustigen Treiben ist überall um 0.30 Uhr Schluss.

Hinzu kommt, in die Festzelte sollen keine Gäste eingeladen werden, wegen der Pandemie bleibt der Zutritt den Falleros vorbehalten. Besucher der Fallas dürften ohne gute Kontakte oder viel Glück gar nicht hineinkommen. Was großes Pech sein kann, denn eigentlich erlaubt die Stadt Valencia nur in den Festzelten der Falleros und in ihren Zonen den Verkauf und Konsum von alkoholischen Getränken. Auf den Straßen und öffentlichen Plätzen sollte man sich nicht mit dem Bier in der Hand erwischen lassen, weil dies als botellón – also Trinkgelage – ausgelegt werden kann. Hinzu kommt: In Valencia gilt bis 6. September die Sperrstunde. Ab 1 Uhr darf sich niemand ohne entsprechende Genehmigung in den Straßen aufhalten.

Zum Thema: Magische Nächte in Alicante - Die Fiestas de Hogueras de San Juan

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