Taucher am Meeresgrund zwischen Felsen.
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Taucher hoben den Gold-Schatz aus der Römerzeit im spanischen Jávea.

Zufalls-Fund in Spanien

Spektakulärer Goldschatz in Jávea: Hobby-Taucher finden 53 römische Münzen

  • Susanne Eckert
    VonSusanne Eckert
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Goldschatz im Meer: Hobbytaucher finden iin Jávea an der Costa Blanca 53 römische Münzen. Laut Archäologen ist es einer der größten Münzfunde in Europa. 

Jávea – se. Der Meeresgrund vor Jáveas Portitxol-Bucht barg seit 1.500 Jahren einen Schatz: 53 Goldmünzen aus der Römerzeit – konkret vom Ende des vierten und Anfang des fünften Jahrhunderts (364 bis 408 nach Christus). Es handelt sich um einen der größten Münzfunde in Spanien und in ganz Europa. Am Dienstag wurde er in Jáveas Stadtmuseum vorgestellt.

StadtJávea
Autonome RegionValencia
ProvinzAlicante
Einwohner27.604 (2019)
Fläche68,5 Quadratkilometer

Römischer Schatz in Spanien gefunden: Pures Gold

Die Münzen aus dem Meer vor Jávea an der Costa Blanca sind sehr gut erhalten, man kann die Inschriften perfekt lesen und Experten der Universität Alicante haben sie folgenden Herrschern zugeordnet: Valentiniano I, Valentiniano II, Todosio I, Arcadi und Honorio. Jede Münze aus dem Schatz besteht aus 4,5 Gramm puren Gold.

Die Portitxol-Bucht mit ihrer vorgelagerten Insel ist heute ein überlaufenes Tourismusziel in Spanien. Einst war sie aber der erste – natürliche – Hafen in Jávea, wo schon vor der Römerzeit Schiffe Schutz suchten. Die Archäologen erforschten den Meeresgrund bereits seit 2019. Doch diesen bedeutenden Fund machten zwei Freizeit-Taucher – Luis Lens und César Gimeno – die die Ferien an der Costa Blanca verbrachten und am 24. August mit ihren Familien einen Ausflug in die Portitxol-Bucht machten. „Da wir nicht nur Meerestiere beobachten, sondern auch immer Müll vom Meeresgrund aufsammeln, habe ich ein geschultes Auge und sah in einem runden Loch im Fels etwas Metallisches blitzen“, berichtet Luis Lens.

Goldschatz in Jávea gefunden: Experten bergen Münzen aus dem Meer

Der Taucher dachte zunächst, es handle sich um eine 10-Cent-Münze. Als er erkannte, was er da in den Händen hielt, habe sein Herz einen Schlag ausgesetzt. Die beiden Familien fanden mit vereinten Kräften sieben weitere Münzen und verständigten das Rathaus in Jávea. Bei einem Tauchgang mit einem Archäologen kamen einige Tage später 34 weitere Goldstücke ans Licht und daraufhin startete die Landesregierung der Region Valencia eine große Suchaktion – unter anderem mit der Sondereinheit der Guardia Civil GEAS – die den ganzen Schatz hob. Neben insgesamt 53 Goldmünzen fand man drei Kupfernägel und stark verwitterte Bleistücke. Die Archäologen in Spanien gehen davon aus, dass es sich um Reste einer Kiste handelt, in der die Münzen verstaut waren.

Einen römischen Gold-Schatz haben diese zwei Familien im Meer vor Jávea gefunden.

 „Der Fund war pures Glück“, sagte Bürgermeister José Chulvi bei der Vorstellung des Münz-Schatzes am Dienstag in Jáveas Museum. „Und noch mehr Glück ist für uns, dass César Gimenez und Luis Lens ehrliche Menschen sind und ihren Ferienort Jávea wie eine zweite Heimat lieben. Sie verhielten sich vorbildlich, informierten sofort das Rathaus und behielten abgesehen davon Stillschweigen.“ Das sei leider keine Selbstverständlichkeit. Luis Lens bedankte sich für das Lob. „Aber schließlich war ich mit der Familie da und will den Kindern ja gewisse Werte vermitteln.“ Und das habe sich gelohnt. „Hätte ich die Münzen behalten, hätte ich sie in einer Schublade verstecken müssen. So aber haben sie mich in eine faszinierende Welt geführt.“ Er habe Archäologen in Spanien kennengelernt, die mit sehr wenigen Mitteln, aber mit großer Leidenschaft und viel persönlichem Einsatz arbeiteten. „Als wir die 34 weiteren Münzen mit dem Archäologen fanden, war das ein bewegender Augenblick.“ Und auch bei der großen Suchaktion war Lens dabei und konnte die Arbeit der Unterwasser-Sondereinheit der Guardia Civil und anderer Profis beobachten.

Römischer Schatz in Spanien gefunden: Ersparnisse vor Plünderern versteckt

„Dieser herausragende Fund kann uns helfen, den Niedergang des römischen Reiches besser zu verstehen“, sagt Jaime Molina, Professor für Alte Geschichte und Leiter des Teams der Unterwasser-Archäologie an der Universität Alicante. „Er erhellt eine Epoche großer Unsicherheit, als die Barbarenvölker nach Hispania kamen und das Ende der Römerherrschaft auf der iberischen Halbinsel einläuteten.“ Der Stadtarchäologe und Direktor des Museums in Jávea, Ximo Bolufer, vermutet, dass der Schatz von einem wohlhabenden Einwohner Jáveas versteckt wurde. Er denkt, bei der für die Zeit sehr hohe Summe handle es sich um die Ersparnisse einer reichen Person, die die Münzen zurücklegte, als sie noch neu und nicht lange im Umlauf waren. Die Alanen – ein kriegerisches, iranisches Reitervolk – hätten um diese Zeit die Gegend in Spanien geplündert und die Anwohner hätten deshalb ihre Ersparnisse gut verborgen.

Die Archäologen vermaßen den Fundort des Goldschatzes genau.

Bürgermeister José Chulvi kündigte an: „Das Rathaus arbeitet daran, dass die Münzen unter angemessenen Sicherheitsvorkehrungen in Jáveas Stadtmuseum permanent ausgestellt werden können. Sie bereichern eine der größten Sammlungen von Amphoren und Ankern im ganzen Mittelmeerraum in unserer Abteilung für Unterwasser-Archäologie.“ Dem Rathaus ist das sehr wichtig, denn ein weiterer großer Schatz der Stadt – Schmuck aus der Bronzezeit, den ein Bauer auf seinem Acker fand – wird im Archäologischen Museum von Madrid gezeigt, obwohl Jávea seit Jahrzehnten seine Rückgabe fordert. „Jávea hat mehr als tolle Strände zu bieten,“ sagt Chulvi.

Römischen Schatz in Spanien gefunden: Weitere Ausgrabungen werden folgen

Das Land Valencia hat bereits an die 17.000 Euro für eine neue Ausgrabungskampagne rund um die Insel im Portitxol bereitgestellt. Unter der Leitung von Jaime Molina werden die Archäologen José Antonio Moya, Jordi Blázquez und Alejandro Pérez arbeiten. Der Vizerektor der Forschungsabteilung der Universität Alicante, Juan Mora, erwartet „an dieser vielleicht wichtigsten Ausgrabungsstätte im Land Valencia schnelle und spektakuläre Resultate.“ Dieser Gold-Schatz sei eine große Entdeckung, nicht nur für Jávea, sondern für die ganze Menschheit.

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