schild mit hinweisen vor dem steinigen hundestrand in torrevieja
+
Der nun ehemalige Hundestrand an Torreviejas Cala del Moro.

Strände in Torrevieja

Hundestrände in Torrevieja geschlossen: Vierbeiner an Stadtgrenze verbannt

  • vonMarco Schicker
    schließen

Torreviejas Bürgermeister, Eduardo Dolón, hat die Schließung der beiden Hundestrände der Stadt verfügt. Als Ersatz wird ein felsiger Flecken am Südende des Gemeindegebietes geboten, fast schon in Orihuela.

  • Die beiden Hundestrände in Torrevieja wurden nach langjährigen Forderungen im Sommer 2018 eröffnet, provozierten aber häufig Konflikte.
  • Das neue Gelände ist bis zu acht Kilometer von La Mata entfernt, felsig und schwer zugänglich sowie sehr klein für Torrevieja.
  • Bürgermeister Eduardo Dolón informierte weder die Opposition, noch die Medien von der Maßnahme und hält sie weiter für gerechtfertigt.

Torrevieja - Die Strände Torreviejas werden für Badende erst Ende der Woche, um den 14. Juni, offen sein, zwei Wochen später als die meisten Strände an der Costa Blanca. Eine Überraschung für Hundebesitzer gibt es aber schon jetzt: Die beiden Hundestrände der Stadt, Punta Margallo im Zentrum und Cala del Moro am Südende von La Mata, wurden durch Anweisung des Bürgermeisters Eduardo Dolón geschlossen.

Am 8. Juni erschien das Dekret des Bürgermeisters im Amtsblatt der Provinz Alicante womit es in Kraft tritt. Datiert ist es indes auf den 21. April und unterschrieben nicht vom zuständigen Stadtrat, sondern von Víctor Costa, einem jener neuen Generaldirektoren, die Dolón im Alleingang und auf Stadtkosten ernannt und den gewählten Stadträten praktisch wie Vorgesetzte einer Parallelregierung vor die Nase gesetzt hat. Auch die Opposition wurde nicht informiert.

„Konflikte vermeiden“: Schließung der Hundestrände in Torrevieja auf Zuruf von Anwohnern

Torreviejas jetzt geschlossener Hundestrand an Punta Margallo. Für Menschen, die außer ihrem Vierbeiner kaum Gesellschaft haben, war der Spaziergang am Meer ein Highlight.

Als Begründung für die Schließung von Punto Margallo und Cala Moro wird angegeben, dass man die "andauernden Konflikte" zwischen den alteingesessenen Anwohnern und den Hundebesitzern beenden wolle, die Ortspolizei hätte das auch empfohlen. Tatsächlich gab es seit der Eröffnung stets Konflikte, die Anwohner, die seit Jahrzehnten diesen Flecken an Punta Margallo als Badestrand bevorzugten, demonstrierten, blockierten, Unbekannte rissen die Markierungsschilder und Hundemülleimer ab. Einen Prozess verloren die Nachbarn, zwei weitere sind noch anhängig.

Groß war die Freude, als 2018 Torrevieja erstmals zwei Hundestrände bekam:

Als Ersatz für die beiden Hundestrände, die im Sommer 2018 nach jahrelangem Kampf von Tierschützern und Hundefreunden durch die damals grün-linke Stadtregierung eröffnet werden konnten, hat Dolón einen Flecken ganz im Süden des Stadtgebietes freigegeben, an der Cala Rocío del Mar, zwischen dem Palmenhain Lo Ferrís und der Urbi Rocío del Mar (siehe Karte am Ende des Artikels) , die bereits an Punta Prima und damit an das Stadtgebiet von Orihuela angrenzt.

Felsig, klein und sehr weit weg: Neuer Hundestrand in mehrfacher Hinsicht ungeeignet

Eigentlich wollte der Bürgermeister die Entscheidung bei einer Pressekonferenz anlässlich der allgemeinen Strandöffnung verkaufen, aber die Zeitung „Información“ kam ihm am Wochenende zuvor. In einer eiligen Presseaussendung versuchte Dolón die Sache so darzustellen, als wären „zwei kleine Punkte geschlossen“ worden, um „einen richtigen Hundestrand zu eröffnen“, wie es in der Aussendung heißt.

Doch die neue Stelle ist in mehrfacher Hinsicht ungeeignet. Für Bewohner von La Mata liegt sie rund acht Kilometer entfernt, ist also zu Fuß vor allem für ältere Leute praktisch nicht mehr zu erreichen, vom Stadtzentrum Torreviejas sind es immer noch vier bis fünf Kilometer. Freuen können sich hingegen die Bewohner der nördlichen Zonen von Orihuela Costa, die jetzt einen neuen kleinen Hundestrand in der Nähe haben, den die Nachbarstadt bezahlt und pflegt. Für ältere Menschen - und von denen sind vor allem auch unter den ausländischen Residenten sehr viele - war der Spaziergang am Meer mit ihrem vierbeinigen Liebling bisher eines der Highlights, auch gegen Einsamkeit.

Für Hunde tabu: Geschützer Palmenhain in der Bucht Lo Ferrís in Torrevieja:

Der neue Flecken an der Cala Rocío del Mar hat 1.600 Quadratmeter, ist rund 80 Meter lang und 20 Meter breit - mit Glück. Denn der "Strand" besteht aus glatten Steinen die oft überspült werden, was sie nicht nur im Meer verschwinden, sondern sonst durch Moosbewuchs auch glitschig und zum Unfallrisiko macht. Gleich nebenan liegen weitere traditionelle Badestellen, - so auch die kleine Sand-Playa mit dem gleichen Namen der Bucht Rocío del Mar -, die die gleichen Konflikte wie vorher an anderer Stelle provozieren könnten.

Leinen los: Neue Konflikte vorprogrammiert

Außerdem ist die nahe Cala Ferrís mit ihrem Palmenhain, durch die ein Viehtreiberweg führt ein Gebiet unter Naturschutz. Spaziergänger am Meer müssten dort aber mit ihren angeleinten Hunden aber hindurch, um an den neuen „Hundestrand“ zu gelangen. Mit Hundehaltern, die ihre Tiere ohne Leine an dafür nicht zugelassenen Stellen am Strand und anderswo laufen lassen, gab es in der Vergangenheit immer wieder Konflikte, bis hin zu Handgreiflichkeiten. Weniger Hundestrände bedeuten in diesem Ambiente kaum eine Entspannung.

Spaß mit Meer und Hund, hier bei Alicante. In Torrevieja ist der Spaß erstmal vorbei, das neue Gelände lässt Zweifel an seiner Eignung aufkommen.

Für Dolón ist das alles kein Problem. "Información" erklärte er, dass die Stelle "die Kapazität hat, sie gut zugänglich zu machen und sie von den Badestellen abzugrenzen", außerdem gebe es "die Möglichkeit durch aufsanden die Breite auf 18 bis 20 Meter zu erhöhen, so könnte man bis zu 1.600 Quadratmeter generieren", so der Bürgermeister. Übersetzt: Den Hundestrand von 1.600 Quadratmeter gibt es noch gar nicht, erst müssen noch ein paar Fuhren Sand dahin. Wer die Stelle kennt, kann sich ausmalen, wie lange der Sand dort bleibt.

Eduardo Dolón sieht in dem praktischen Entzug der Spazier- und Bademöglichkeiten für Hundefreunde am Strand in der 82.000-Einwohner-Stadt, die im Sommer auf über 250.000 Menschen und entsprechend mehr Hunde anschwillt, keine Schließung, denn: "Wir haben gar nichts geschlossen, es werden zwei nicht geeignete Punkte zurückgenommen und dafür die Cala Rocío als Hundestrand und Hundebadeplatz eingerichtet, mit Einrichtungen, die die anderen nicht hatten", beharrt er auf der Richtigkeit seiner Maßnahme. Die Anwohner der geschlossenen Hundestrände, überwiegend alteingesessene Familien Torreviejas und weniger zugezogene Residenten, werden es ihm sicher danken.

Erst kürzlich hatte die Stadt Torrevieja Wohnmobile an den Buchten verboten, weil immer mehr Camper dort wild parkten, was ebenfalls die Ortsansässigen störte.

Lage des neuen Hunde-Ersatz-Strandes an der Stadtgrenze mit Orihuela:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare