Das Paradies ist nicht mehr gratis

Umwelt und Tourismus an Costa Blanca: Jávea erhebt Gebühren für Ankerbojen

  • vonSusanne Eckert
    schließen

Jávea an der Costa Blanca erhebt aus Umweltschutzgründen eine Gebühr für Ankerbojen. Der Urlaubsort ist bei Jachtbesitzern inzwischen so beliebt, dass die vielen Boote das Ökosystem Meer vor Jáveas Küste gefährden.

  • Jávea erhebt Gebühr für Ankerbojen.
  • Die Meinungen über die Maßnahme sind geteilt.
  • Die Bojen müssen bald per App reserviert werden.

Jávea - Ab dem nächsten Jahr ist das Ankern vor dem spanischen Urlaubsort Jávea nicht mehr gratis. Das gab jetzt Bürgermeister José Chulvi bekannt. Der Stadtchef räumte ein, dass die Maßnahme Kritiker hat. Doch sie sei notwendig, um das Ökosystem Meer an der 20 Kilometer langen Küste zwischen dem Cabo de San Antonio und der Granadella-Bucht zu erhalten. „Entweder wir regulieren die Nutzung oder wir sehen zu, wie es in den nächsten zehn Jahren kaputtgeht“, sagt er. „Wir sterben dann quasi an unserem Erfolg.“

StadtJávea
Fläche 68.59 Quadratkilometer
Höhe48 Höhenmeter
Provinz Alicante
Einwohner27.604 (2019)

Der Hintergrund: Die Stadt Jávea an der Costa Blanca, die auf Qualitätstourismus setzt, ist in den letzten Jahren sehr in Mode gekommen. Doch gerade die Menschenmassen in der Hochsaison drohen diesen Qualitätstourismus kaputt zu machen – nach Schätzungen wächst im Sommer die Bevölkerung im Touristenort um etwa das Fünffache auf rund 150.000 Einwohner an. Deshalb steuert das Rathaus seit 2015 dem Touristenzuwachs entgegen. Es schließt ökologisch wertvolle Zonen, beschränkt den Zugang – und erhebt eben jetzt eine Ankergebühr.

Umwelt versus Tourismus in Jávea: Wassersportclub gegen Gebühren, Fischer dafür

Jáveas Club Náutico ist gegen diese Gebühr, die man dort als Privatisierung des Meeres versteht. Der Wassersportclub fordert von der Stadt, dass sie wenigstens dort, wo der Boden nur aus Sand oder Fels besteht, die Jachten frei ankern lässt. In Zonen, wo die ökologisch wertvollen Seegraswiesen wachsen, könne man dann kostenpflichtige Ankerbojen einsetzen.

Die Fischer sind für die Ankergebühr. Der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Moisés Erades klagt, dass der Fang in den Sommermonaten vor Jáveas Küste stark zurückgehe, weil die Unzahl der Jachten die Fische vertreibt. „Es sind einfach zu viele. Wir haben schon überlegt, ob wir einen finanziellen Ausgleich für unseren Einkommensausfall verlangen sollen“, berichtet er.

Im Tourismussektor ist die Meinung geteilt. Viele Unternehmer geben aber zu bedenken, dass eine Ankergebühr reiche Jachtbesitzer aus Spanien oder dem Ausland kaum von ihren Lieblingsbuchten abhalten wird.

Vor Jáveas Küste ankern in der Touristenhochsaison zahlreiche Jachten.

Wassersport-Tourismus in Jávea: Reservierung per App

Bisher gibt es in Jávea rund hundert Ankerbojen, die verhindern sollen, dass Jachten beim Ankern am Meeresboden das Leben dort zerstören. Ab nächstem Sommer muss man die Nutzung dieser Bojen – zu denen wahrscheinlich viele weitere kommen – per App reservieren und eine Gebühr bezahlen.

Wer unerlaubt ankert, bekommt dann in Jávea ein Bußgeld aufgebrummt. Was genau als unerlaubt gilt, muss aber erst noch festgelegt werden.

Rubriklistenbild: © Ángel García

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare