Katzen in dreckiger Wohnung.
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Tiermissbrauch in Spanien: Katzen lebten verwahrlost inmitten von Dreck zusammengepfercht in einer Wohnung in Gandía.

Katzen-Messi in Gandía

Missbrauch von Tieren in Spanien: 200 Katzen an der Costa Blanca gequält

  • vonStella Kirchner
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In Gandía in Spanien mussten Tierschützer in einem drastischen Fall von Tiermissbrauch einschreiten. Folgen für den Mann blieben bislang aus.

Gandía – „Wir konnten nicht ahnen, wie viele Katzen wirklich aus dem Haus des Tier-Messis herausgeschafft werden mussten“, sagt Kathrin Enke vom Tierheim S.P.A.M.A. Safor in Gandía an der Costa Blanca in Spanien. Die Deutsche hat am 18. September gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Tierschutzvereins 202 Katzen aus einer Wohnung in Gandía geholt. Der Mann hielt die Tiere in zwei insgesamt 50 Quadratmeter großen Zimmern. „Den Gestank kann man sich nicht vorstellen“, erzählt Enke. Jetzt steht der Verein vor der großen Frage, wie er so viele neue Katzen versorgen oder gar ein Zuhause für sie finden kann.

HauskatzeTiere
Wissenschaftlicher NameFelis catus
Lebenserwartung2 – 16 Jahre (In der Wildnis)
Tragzeit58 – 67 Tage

Missbrauch an Tieren in Spanien: Katzen wurden noch nie vom Tierarzt untersucht

„Wir haben zwar einen Vertrag mit dem Rathaus, aber dabei geht es um die Unterbringung von Straßentieren. Tier-Messis sind nicht Gegenstand der Abmachung. Aber die Stadt Gandía hat uns inständig gebeten, auch hier ein paar Katzen mit aufzunehmen“, erzählt die deutsche Tierschützerin in Spanien. Die Rede war zunächst aber nur von um die 30 Tieren.

„Wir wissen kaum, wo wir die ganzen Katzen unterbringen sollen. Die Tierarztkosten sprengen unser Budget“, macht Tierschützerin Enke die brenzlige Situation für das Heim in Spanien deutlich. Befreundete Vereine hätten jeweils eine Handvoll Katzen genommen, „aber viele haben sich geweigert, unkastrierte Katzen zu nehmen“, berichtet die Deutsche. Manche haben den Verein für verrückt erklärt. „Wir mussten uns rechtfertigen, weshalb wir die Katzen nicht einschläfern, aber wir sind ja keine Tötungsstation.“

Katzen kosten Geld: Tierschutzverein ist dringend auf Unterstützung angewiesen

Jetzt hoffen wir einfach auf jede Unterstützung, die wir kriegen können“, so Tierschützerin Kathrin Enke. Katzen seien deutlich teurer in der Pflege als Hunde, „diese hier haben noch nie in ihrem Leben einen Tierarzt gesehen. Darüber hinaus ist das komplette Inzucht, angefangen hatte der Mann mit vielleicht sechs Katzen“, berichtet Enke. Danach habe der Tier-Messi die Kontrolle über seine Katzen verloren.

Tiermissbrauch in Spanien: Tierheim in Gandía muss auf einen Schlag 200 neue Katzen vermitteln.

Oberstes Ziel sei natürlich immer die Vermittlung, „aber gerade die ganz jungen Katzen sind nur etwas für Spezialisten. Sie sind sehr scheu, waren noch nie an der frischen Luft und haben sich ihr Leben lang unter Möbeln versteckt“, gibt die Tierschützerin zu bedenken. Die älteren Katzen seien aber zugänglicher. „Interessenten in Spanien können uns gerne schreiben. Insgesamt haben wir derzeit 400 Katzen zu vermitteln“, so Enke.

Kontaktdaten vom Tierheim S.P.A.M.A. Safor in Gandía

Das Tierheim in Gandía freut sich über Spenden an ES13 2038 9615 5160 0039 5383.

Informationen zu den Katzen gibt das Heim per Mail – auch auf Deutsch – unter spamasafor@gmail.com.

Missbrauch an Tieren in Spanien: Katzen-Problem war Stadt schon vor Monaten bekannt

Die Stadt Gandía in Spanien wusste offensichtlich seit Januar von der Situation in der Wohnung. „Nachbarn hatten den Mann, der noch bei seinen Eltern wohnt, angezeigt“, erzählt Enke. Grund war wahrscheinlich der extreme Gestank der Katzen, die zusammengepfercht und ohne jegliche Hygiene auf engstem Raum lebten. Warum erst im September eingegriffen wurde, entzieht sich der Kenntnis des Vereins. „In Gandía darf man meines Wissens nach maximal fünf Katzen halten, aber wirklich kontrolliert wird das nicht“, ist ihre Erfahrung. „Der Mann durfte sogar sechs Katzen behalten, drei für sich und drei angeblich für einen Cousin“, erzählt sie. Ein Amtsveterinär müsste jetzt kontrollieren, dass diese Katzen kastriert sind, „aber wir wissen nicht, ob das passiert ist“. Insgesamt kritisieren viele deutschen Residenten den Umgang in ihrer Wahlheimat mit Haustieren. Erst vor wenigen Wochen mobilisierte Hund Timple auf Lanzarote das ganze Land, inklusive der Costa Blanca. Auch die Stiertreiben stoßen nur auf wenig Liebe bei ausländischen Bewohnern in Spanien.

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