Zwei Kirchtürme einer Kirche ragen neben Palmen in den blauen Himmel.
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Benissas Kirche: Eigentlich zu groß für das kleine Dorf an der Costa Blanca in Spanien.

Kirchen in Spanien

Große Kirche in kleinem Dorf: Wie Benissa zu seiner „Kathedrale“ kam

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
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War sie eine Reaktion auf Spaniens liberale Geister? Vermutungen über die Ursprünge von Benissas Kirche, die „Catedral de la Marina“.

Benissa - Teodoro Crespo ließ die Frage nach dem Ursprung der „Catedral de la Marina“ an der Costa Blanca keine Ruhe. Die Pfarr-Kirche von Benissa, mit deren Bau 1902 begonnen und die 1929 eingeweiht wurde, ist zwar keine echte Kathedrale, wie sie andere Städte in Spanien zu bieten haben, sondern wurde und wird wegen ihres imposanten Anblicks nur so genannt. Trotzdem war das 74 Meter lange und 35 Meter breite, mit zwei Türmen und drei Kirchenschiffen ausgestattete Gotteshaus damals eigentlich zu groß für das kleine Dorf in Spanien. „Warum ein so monumentales Projekt in dem damals kleinen, 5.000 Einwohner zählenden, bescheidenen und landwirtschaftlich geprägten Benissa?“, fragte sich der Historiker, der die Ergebnisse seiner Forschungen in dem Buch „La Catedral de la Marina. Tensiones religiosas, políticas y arquitectónicas en los orígines del nuevo templo parroquial de Benissa (1898-1902)“ veröffentlichte.

BenissaGemeinde in Spanien
Höhe254 m
Fläche69,71 km²
Bevölkerung10.768 (2018)
ProvinzProvinz Alicante
Autonome GemeinschaftValencia

Große Kirche in kleinem Dorf in Spanien: War Bischof aus Benissa schuld?

„Die traditionelle Theorie sagt, dass die alte Kirche San Pedro zu klein und zudem baufällig war“, erzählt er. Es bestand Einsturzgefahr und ein neues Gebäude musste her. Warum es so ein großes für das Dorf an der Costa Blanca sein musste? Für Crespo sind dafür „religiöse und politische Spannungen“ verantwortlich. Eine der Personen, die dabei eine Rolle spielten, war demnach der Poet und Theologe Juan Bautista Cabrera Ivars, der 1896 zum ersten protestantischen Bischof Spaniens ernannt wurde – und aus Benissa stammte. Die Reaktion auf die Ernennung sei im ganzen Land, aber natürlich ganz besonders in seinem typisch spanisch, streng katholischen Heimatort Benissa, groß gewesen, sagt Crespo. Und wie man sich denken kann, war sie nicht gerade positiv.

Noch mehr fühlten sich die konservativen Kreise in Benissa pikiert, als einige Jahre später der als liberaler Geist geltende Bruder des Bischofs, Francesc D’Assís Cabrera Ivars, von seinem vorherigen Aufenthaltsort in Kuba nach Spanien, und zwar nach Benissa, zog. Seine Ankündigung, sich dort ein Haus im architektonischen Stil Kubas zu bauen, ließ die alteingesessenen Benisseros aufhorchen. „Das Haus sollte mit einem Turm ausgestattet werden und die Menschen glaubten, das müsse eine protestantische Kirche werden, die er zu Ehren seines Bruders bauen wolle“, sagt Crespo.

Imposante Kirche statt kleine Kapelle für Benissas Puríssima

Der Historiker hält es daher für keinen Zufall, dass mit dem Bau von Benissas „Kathedrale“ just in dem Moment begonnen wurde, als der als Capità Cabrera bekannte Bischofsbruder sein Haus fertiggestellt hatte – das übrigens am Ende wirklich nur ein Privathaus und nicht etwa eine protestantische Kirche war und in den 70er Jahren, als ungewöhnliche Architektur in Spanien nicht gerade wertgeschätzt wurde, abgerissen wurde. Geblieben ist der Name des Benissaner Viertels, das nach ihm benannt wurde: „Barrio de la Torre“ (Viertel des Turms).

Und geblieben ist auch die Catedral, die den „Tempel des Konkurrenten“ in allem übertreffen sollte und daher in ihrer Größe übers Ziel hinaus schoss. Bis heute ist sie der Puríssima Xiqueta gewidmet, die als Stadtpatronin Benissas nach und nach ihren Vorgänger, San Pedro, ablöste. In dessen Kirche stand ihr zuvor nur eine kleine Kapelle zur Verfügung. Seit 1929 kann sie eins der imposantesten Gotteshäuser der Marina Alta ihr Eigen nennen.

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