König Felipe VI von Spanien bei seinem Besuch in Alicante.
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Spaniens König an der Königlichen Tabakfabrik. Felipe VI. lässt sich bei seinem Besuch über das Projekt für ein Innovationszentrum in Alicante unterrichten.

Hoher Gast

Spaniens König in Alicante: Staatsoberhaupt zu Besuch an der Costa Blanca

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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Spaniens König Felipe VI kam nach Alicante zur Übergabe eines hohen Wissenschaftspreises. Dabei besuchte das spanische Staatsoberhaupt die alte Königliche Tabakfabrik, die mit EU-Hilfe zu einem Innovationszentrum umgebaut wird.

Alicante - Das Staatsoberhaupt von Spanien, König Felipe VI, stattete am Donnerstag, 29. April, Alicante einen Kurzbesuch ab. Für eine Provinzstadt wie Alicante wäre das eigentlich ein bedeutendes Ereignis, doch der König hatte einen Termin in einem eher versteckten Winkel der Stadt, so dass sich nur eine kleine Traube Königstreuer einfand, um Ihrer Majestät zu huldigen.

Felipe von Borbón machte um die Mittagszeit seine Aufwartung im alternativ orientierten Kulturzentrum Las Cigarreras, einen Steinwurf hinter der Stierkampfarena von Alicante. Dass es zu einem solchen nicht kam, dafür sorgte ein gigantisches Sicherheitsaufkommen, das man in diesem Arbeiterviertel wohl zuletzt nur im Bürgerkrieg erlebt haben dürfte, selbst als Felipes UrurGroßvater, Alfonso XIII, 1911 zur Grundsteinlegung der neuen Markthalle, des Mercado Central von Alicante kam, ging es hier ruhiger zu.

Spaniens König verleiht in Alicante Preis für junge Forscher

Spaniens König, Felipe VI (2.v.l.), ließ sich am 29. April in Alicante Forschungsprojekte von Schülern vorführen. Ganz links Valencias Ministerpräsident Ximo Puig.

Grund für den diesjährigen Besuch des spanischen Königs in Alicante war die Vergabe des Wissenschaftspreises 2021 der Stiftung Prinzessin von Girona, ein Titel, den die Thronfolgerin Leonor trägt, die aber der Schulpflicht unterliegt und daher nicht nach Alicante kommen konnte. König Felipe VI. ließ sich von Valencias Ministerpräsident Ximo Puig sowie Alicantes Bürgermeister Luis Barcala herumführen, Schüler und Studenten aus Bildungseinrichtungen des Landes Valencia zeigten und erklärten dem Staatsoberhaupt ihre Forschungsprojekte. Felipe plauderte, so übermittelt es der mediale Hofstaat, mit ihnen über ihre Zukunftspläne und die Wichtigkeit der Förderung der Wissenschaften. Vielleicht wird er sich im Hinterkopf auch Gedanken darüber gemacht haben, wie man die klugen Köpfe Spaniens künftig im Land halten kann.

Denn der Preisträger dieses Jahres arbeitet in den USA und kam extra für die Ehrung seiner Arbeit über den Atlantik. Es handelt sich um César de la Fuente Núñez aus Galicien, der an der Uni Pennsylvania einen Lehrauftrag für Biotechnologie hat und bereits 2019 vom renommierten MIT als bester Jungforscher (unter 35 Jahre) der USA geehrt wurde. Er gilt als Pionier auf dem Gebiet der computergestützten Entwicklung von Antibiotika gegen resistente und multiresistente Keime, die als großes Zukunftsproblem der Menschheit gelten. Seine Forschung stützt sich dabei auf die Berechnung und Modulation von Molekülen, die in der Natur vorkommen und die gegen solche Bakterien eingesetzt werden können, gegen die synthetische Stoffe nicht mehr ankommen. Mit Hightech zurück zur Natur sozusagen.

César de la Fuente Núñez, Gewinner des Prinzessin von Girona-Wissenschaftspreises 2021, der in Alicante von Spaniens König am 29. April 2021 vergeben wurde.

Von der Jury wurde besonders die Verbindung der Arbeit von César de la Fuente Núñez mit seinem sozialen Anspruch hervorgehoben, der sich dafür einsetzt, dass sozial benachteiligte Gruppen adäquaten Zugang zu Gesundheitsversorgung und auch zu den modernsten Behandlungsmethoden erhalten.

König Felipe von Spanien in Alicante: Königliche Tabakfabrik wird Innovationszentrum

Der Veranstaltungsort Las Cigarreras ist Teil der alten Königlichen Tabakfabrik Alicantes, mit ihrer interessanten Geschichte, Felipe VI war sozusagen auf eigenem Grund und Boden zu Gast. Während das Kulturzentrum in den umgebauten Fabrikhallen aus dem 19. Jahrhundert untergebracht wurde, befindet sich das große Hauptgebäude der alten Tabakfabrik, das aus dem 18. Jahrhundert stammt und fast an einen Palast erinnert, noch in der Umgestaltung. Hier arbeiteten mitunter bis zu 5.000 Menschen, fast ausschließlich Frauen unter sehr schweren Bedingungen. Die Tabakfabrik prägte nicht nur das Stadtviertel, sondern lockte auch Massen vom Lande in die Stadt. Sie steht in Alicante zudem für die erste Gewerkschaftsbewegung und den Beginn des Kampfes um die Frauenrechte.

Mit EU-Geldern restaurierte Fassade der alten Tabakfabrik von Alicante, ein Palais aus dem 18. Jahrhundert, das zunächst als Armenkrankenhaus diente.

Das Palais, das ganz zu Anfang als "Casa de Misericordia" ein Armenkrankenhaus war und das äußerlich saniert wurde, soll für etliche Millionen Euro eine neue Transformation erfahren. Im Rahmen des EU-Projektes EDUSI soll das Gelände zu einem Zentrum für Forschung, wissenschaftliche Ausbildung, aber auch Veranstaltungen rund um innvoative, grüne und andere zukunftsweisende Technologien ausgebaut werden, einschließlich Gründerzentrum, Akademien, Labore, - also ganz im Sinne des hier vergebenen Preises der Stiftung für junge Forscher.

Schon im Juli kommt Spaniens König wieder nach Alicante - für eine Segelregatta

Alicantes Bürgermeister Luis Barcala nutzte die Gelegenheit, dem König an Hand von Schautafeln und alten Fotos die Geschichte des Ortes und die Pläne für die Zukunft zu erläutern und sieht dessen Besuch als "Rückenstärkung" für das Projekt. Derweil standen sich die Königsfans vor dem Veranstaltungsort die Beine in den Bauch, aus dem erhofften Bad in der Menge wurde nichts, der König winkte und fuhr davon. Im Juli ist er schon wieder in Alicante, dann gibt er am Hafen den Startschuss zur Volvo Ocean Race, der spektakulären Regatta mit Weltumseglung. Segeln ist eines der Hobbys, die Felipe mit seinem Vater und Amtsvorgänger Ex-König Juan Carlos I. teilt.

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