Jugend in digtialer Welt

Nationalpolizei in Spanien warnt: Handy-Sucht bei Kindern nimmt zu

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Immer mehr Kinder und Jugendliche in Spanien sind aufs Handy fixiert. Vor Gefahren der digitalen Geräte warnt eine Polizei-Sondereinheit an der Costa Blanca. Es gebe aber eine Wurzel des Übels.

Elche - Viele Eltern und Schulen funken in Spanien SOS und rufen sogar die Polizei zu Hilfe. Der Grund: Der extreme Konsum des Internets per Handy unter jungen Menschen. Spürbar seien die direkten Folgen: mangelnde Aufmerksamkeit im Unterricht, Konflikte zu Hause, immer mehr junge Opfer digitaler Kriminalität, immer mehr Sucht nach dem Bildschirm. Das bestätigte nun in Elche an der Costa Blanca eine Sondereinheit der spanischen Nationalpolizei. Allein im Laufe des aktuellen Schuljahres hielten die Experten 300 Vorträge in Schulklassen in der Stadt – jeweils angefragt von Lehrern und Schuldirektoren.

Polizei in Spanien warnt: Handy-Sucht bei Kindern nimmt zu

Jeder fünfte Jugendliche gebe in Spanien zu, vom Bildschirm abhängig zu sein, warnen die Experten vor der Handy-Sucht. Klar verstärkt habe sich diese Tendenz in der Coronavirus-Pandemie. Eine gefährliche Tendenz: Beginnend mit digitalem Mobbing, über Medien mit Gewalt und Pornografie, Kontakt zu kriminellen Erwachsenen bis zur körperlichen Selbstverletzung. All dies sei unter heutigen Jugendlichen und Kindern, die das Handy gehäuft nutzen, gang und gäbe, versichern die Experten an der Costa Blanca in der Zeitung „Información“.

Es gebe aber auch eine Wurzel des Übels: Der viel zu frühe Besitz eines Handys, und das ohne jegliche Aufsicht von Erwachsenen. „Das Smartphone ist das Star-Geschenk bei Kommunionen“, warnt die Sondereinheit der Nationalpolizei aus Spanien, empfiehlt jedoch, mindestens bis zum zwölften Lebensjahr zu warten, und auch dann nur mit Kontrolle. Nach und nach könne bei dem Kind oder Jugendlichen eine digitale Autonomie aufgebaut werden, so die Experten von der Costa Blanca.

Die Polizei in Spanien warnt vor Handy-Sucht unter Kindern.

Polizei in Spanien warnt vor Handy-Sucht: „Nicht wie früher, als du die Tür zumachtest und allein warst“

Auf keinen Fall aber solle Kindern und Jugendlichen der Zugang zu Plattformen wie Tiktok (Mindestalter zwölf Jahre) oder Whatsapp (16) eher als erlaubt gewährt werden. Immer mehr Eltern in Spanien seien mit den Nerven am Ende, weil ihre Kinder wegen der Handy-Sucht zu wenig schliefen. Das Smartphone sei ein „offenes Fenster zu Welt“ mit all dem, was in ihr lauert, mahnt die Polizei. „Es ist nicht wie früher, als du die Zimmertür zumachtest und allein warst.“

Alarmierend: Immer jünger werden etwa in der Stadt Elche die Klassen, die die Hilfe der Nationalpolizei gegen die Handy-Sucht und digitale Gefahren anfordern. Erstmals hätten sogar vierte Klassen um Vorträge der Sondereinheit gebeten. Die Beamten appellieren unter Eltern und Kindern an den gesunden Menschenverstand und an die Empathie: „Tue anderen nicht an, was dir weh tut. Das gilt auch im Internet.“ Doch auch warnen die Experten am Ende aller Vorträge: „Was du auch tust, die Nationalpolizei kann jeden deiner Schritte nachverfolgen.“

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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