Urlaub an der Costa Blanca

Von Jávea aus ins Paradies schauen: Tolle Panoramablicke der Costa Blanca

  • vonSusanne Eckert
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Fast zu schön um wahr zu sein: Jáveas Aussichtspunkte bieten Blicke auf wildromantische Landschaften vor der Kulisse der Küste der Costa Blanca.

  • Zwischen zwei schwindelerregenden Kaps liegen in Jávea 15 Aussichtspunkte
  • Alte Mühlen, römische Salinen und beeindruckende Insellandschaften
  • Türkisblaues Meer, winzige Buchten und tausendjährige Geschichte locken nach Jávea

Jávea - Der Mensch ist nur ein winziges Körnchen in der unendlichen Sanduhr der Zeit. Das wird einem an Jáveas Aussichtspunkten beim Anblick der grandiosen Landschaften und der Spuren der Geschichte wieder bewusst. Die Stadt an der spanischen Costa Blanca hat auf dem Montgó, entlang der Küste und im Naturschutzgebiet Granadella 15 Fleckchen Erde in Miradores (zu Deutsch: Aussichtspunkte) verwandelt, die sich durch einen besonders schönen Blick auszeichnen – und oft interessante Informationen über Jáveas Historie verbergen.

Jáveas größter Schatz: Der Blick vom Mirador Ambolo ist atemberaubend.

Da man alle kaum in Ruhe an einem Tag genießen kann, hat die CN die sieben interessantesten Stationen dieser „Ruta de los Miradores“ ausgesucht. Die Tour beginnt am Cabo de San Antonio. Steile Serpentinen schlängeln sich den grünen Montgó hinauf, dann geht es durch einen mediterranen Wald, in dem kleine weiße Häuschen verstreut sind, und dann: Blau, Blau, Blau! Der dichte Kiefernvorhang öffnet sich abrupt und enthüllt den Cabo de San Antonio mit seinem Leuchtturm: ein Kap von 162 Meter Höhe, umgeben von tiefblauem Meer unter strahlend blauem Himmel.

Jáveas Leuchttürme

Doch es lohnt sich auch, dem spektakulären Meerblick einen Moment den Rücken zuzukehren. Denn Richtung Landesinnere blickt man auf den „magischen Berg“ Montgó, der sich majestätisch hinter dem Wald erhebt.

An der Spitze des Cabos überblickt man auf der linken Seite des Leuchtturms den Golf von Valencia. Und an klaren Tagen lohnt es sich, vom Aussichtspunkt direkt links neben dem Turm den Horizont abzusuchen. Denn dort lässt sich in der Ferne – unscharf wie eine Fata Morgana – unter kleinen Wölkchen die 90 Kilometer entfernte Insel Ibiza entdecken.

Die Wellen um das Kap und der Montgó mit seinen Ausläufern sind nicht nur ein atemberaubender Anblick, sondern sie bergen auch Naturschätze: Zu Füßen des Cabo de San Antonio liegt das Meeresreservat gleichen Namens, ein kleines Taucherparadies und – dank ausgedehnter Seegraswiesen – die Kinderstube unzähliger Fischarten.

Rund um den 750 Meter hohen Berggipfel erstreckt sich der Naturpark Montgó. Das Kap selbst ist Teil desselben und bietet vielen seltenen Küstenpflanzen und Seevögeln wie dem Schwarzschnabelsturmtaucher oder dem Krähenscharben-Kormoran Schutz.

Unmittelbar nördlich des Leuchtturms liegt eines der vier botanischen Mikroreservate des Naturparks. Das fast drei Hektar große Areal schützt zwei ortstypische Pflanzengesellschaften, die trotz des vielen Salzes und des kargen Felsengrundes an den Steilhängen gedeihen. In beiden Gesellschaften sind endemische Pflanzen vertreten, das heißt Arten, die nur dort vorkommen.

Vom Cabo de San Antonio aus überblickt man die ganze Bucht von Jávea.

Nach so viel Biologie etwas Geschichte: Das Kap erhielt seinen Namen von einer Ermita, die Mönche im 16. Jahrhundert dort bauten. Das Licht des Leuchtturms weist den Seefahrern schon seit dem Jahr 1855 den Weg. Bald soll er in ein Informationszentrum des Naturparks Montgó verwandelt werden, mit Infos über die Geschichte des Leuchtturms und die Natur, die ihn umgibt.

Im Grunde ist der ganze Cabo de San Antonio ein einziger Aussichtspunkt. Doch der eigentliche Mirador liegt kurz vor dem Leuchtturm und bietet einen unvergleichlichen Blick auf den Hafen und das Städtchen. Am besten setzt man sich dort auf ein Mäuerchen, lässt sich die sanfte Brise um die Nase wehen und beobachtet eine Weile die zahlreichen Vögel, die dort ihre Runden drehen.

Magie der Windmühlen

Der nächste Aussichtspunkt duftet nach Rosmarin, Thymian und valencianischen Wildrosen. Zu ihm biegt man direkt am Kloster María de los Ángeles ab. Durch eine alte Zedernallee gelangt der Besucher über einen holprigen Weg zu elf Getreidemühlen, die ab dem 14. Jahrhundert errichtet wurden.

Jáveas Geschichte: Die Mühlen am Berg Montgó erzählen von alter Zeit.

Die Windmühlenflügel sind verschwunden, einige Mühlen sind zerfallen, die meisten wurden restauriert. So gehört eine mit einem Eisengitter verschlossene Mühle der Stadt, die sie wieder mit Windmühlenflügeln und Mechanik ausstatten will, um sie in ein Museum zu verwandeln. Die alten Natursteintürme, das Rauschen des Windes in den Pinien und die mediterrane Wildnis hoch auf dem Berg machen diesen Aussichtspunkt zu einem Muss.

Den nächsten, „Punta de Arenal“ dagegen kann man sich sparen und stattdessen an der Arenalpromenade direkt am Meer etwas essen oder trinken. Die Promenade ist auch in der Vorsaison sehr belebt, Spaziergänger, Radfahrer und Inlineskater genießen dort praktisch das ganze Jahr über die Sonne und die Meeresbrise.

Diese Kanäle vom Meer zu den Salinen schlugen die Römer in den Tuffstein.

Salz für eine altrömische Fischsoße

Zu einem Ausflug in die klassische Geschichte wird der nächste Aussichtspunkt „Sequía de la Nòria“. Am Küstenabschnitt Primer Montañar versteckt sich hinter Villen, in denen früher unter anderem Francos Minister residierten, ein Labyrinth von Kanälen. Es war schon zur Römerzeit Teil einer Manufaktur, in der Kochsalz hergestellt wurde.

Während vieler Jahrhunderte herrschte dort rege Betriebsamkeit, doch heute ist der Ort ideal zum Entspannen. Während die Wellen ans seichte Ufer plätschern, kann man den Blick vom imposanten Cabo de San Antonio bis hin zu den kleinen Buchten und Felsformationen der Cala Blanca schweifen lassen.

Wer an einem Tuffsteinstrand sitzt, macht es sich in Wahrheit auf einer uralten Sandbank bequem, die schon vor rund 100.000 Jahren unter Wasser versteinert ist. Da dieser Stein relativ leicht zu bearbeiten ist, schnitten schon die alten Römer in ihn Kanäle. Der größte an der „Sequía de la Nòria“ führt in ein Überschwemmungsgebiet hinter der Küste, El Saladar, wo Kochsalz hergestellt wurde. Die alten Römer warteten immer, bis ein Unwetter Meerwasser in den Kanal drückte. Im Mittelalter hat man ihn dann mit einem Wasserrad versehen, das von Eseln angetrieben wurde, und so wann immer wann wollte Meerwasser in die Salinen von El Saladar geleitet.

Das Kochsalz war zur Römerzeit übrigens für eine kleine Produktionsstätte hinter Jáveas Parador-Hotel bestimmt. Dort stellte man die altrömische Fischsauce Garum her, die dann in Amphoren in alle Welt verschifft wurde. Noch heute kann man die Becken sehen, die die Römer in den dortigen Tuffsteinstrand schnitten, um in ihnen Fische zu halten.

Steilhänge bis zum Horizont

Einige der spektakulärsten Aussichtspunkte Jáveas liegen auf dem Cabo de la Nao. Auf dem Weg zum Leuchtturm weist ein Schild rechts auf den Mirador „Torre de Ambolo“ hin. Dieser Wachturm wurde Mitte des 16. Jahrhunderts zur Verteidigung gegen nordafrikanische Piraten errichtet. Drei Mann suchten damals ständig das Meer nach Schiffen ab – und nutzten dabei den unglaublichen Ausblick vom Cabo de la Nao bis zur Punta de Moraira, der die Besucher des kleinen Kaps heute noch fasziniert.

Im Norden liegt unter dem Kap der wildromantische Nacktbadestrand Ambolo. Er ist ein Geheimtipp in Jávea, obwohl er offiziell wegen Steinschlaggefahr geschlossen ist und Strandbesucher Gefahr laufen, Ärger mit der Ortspolizei zu bekommen. In den blaugrünen Wellen der Bucht erhebt sich die 55 Meter lange Insel Illa del Descobridor, die nur durch einen Wasserstreifen vom Festland getrennt ist.

Fast noch schöner ist aber die Aussicht auf der anderen Seite des kleinen Kaps: Am Holzzaun einer Villa entlang führt ein schmaler Weg zu zwei versteckten Bänken. Der unvergleichliche Blick öffnet sich auf eine lange Reihe zerklüftete Steilhänge, die sich in der Ferne im Dunst verlieren und von unzähligen kleinen Buchten unterbrochen werden. Intensiv türkisblau leuchtet dabei Jáveas romantischste Cala: die Granadella.

Schwindelerregende Höhe: Das Kap Cabo de la Nao in Jávea an der Costa Blanca.

Wagemutige Fischer am Abgrund

Einen Postkartenblick auf den Leuchtturm am höchsten Steilhang des Cabo de la Nao hat man vom nächsten Mirador: „Les Pesqueres“ (zu Deutsch: die Fischfangnischen). Er erinnert an die Männer Jáveas, die in kleinen Nischen an den Steilhängen ihr Leben riskierten, um – besonders in schlechten Zeiten – die Teller ihrer Familien zu füllen. Viele Pesqueres sind noch in Gebrauch, und auch heute stürzen ihre abenteuerlustigen Nutzer gelegentlich ab und sorgen damit für Schlagzeilen.

Doch wenn der Aussichtspunkt auch „Les Pesqueres“ heißt, sind auf den ersten Blick keine zu sehen. Dafür verführt ein Weg hoch über dem grünblauen Meer dazu, ihm zu folgen und wie ein verspieltes Kind in der Fülle der wunderbaren Ausblicke zu stöbern, die er an jeder Ecke bietet.

Der nächste Aussichtspunkt ist die Spitze des Cabo de la Nao. Je mehr man sich dem Leuchtturm nähert, desto dichter wird auch die Bebauung. Doch die Aussicht entschädigt einen schließlich für alles. Der Blick ist noch schwindelerregender als der vom Cabo de San Antonio: schroffe Steilhänge, winzige Buchten und immer wieder Höhlen. Möwengeschrei, Meeresbrise und blaues Wasser bis zum Horizont.

Einen Abstecher sollte man zu dem Treppenabsatz gleich rechts neben dem Restaurant „Cabo de la Nao“ machen. Denn von dort aus kann man eine Pesquera aus nächster Nähe sehen.

Insellandschaften und die Bergspitze des Montgó

Unweit des Leuchtturms findet sich der Mirador „Cap Negre“ in der Straße mit gleichem Namen. Schon am Parkplatz ist die Aussicht auf die Insellandschaft entzückend: In der Ferne reicht der Blick bis zum Cabo de San Antonio, und hinter anderen Anhöhen spitzt der Montgó hervor.

Der Weg zum eigentlichen Aussichtspunkt führt an hohen Felstürmen vorbei. Unter einer verkrüppelten Kiefer lädt dann eine Bank dazu ein, den Ausflug im Schatten mit einem unvergleichlichen Panoramablick ausklingen zu lassen.

Am Aussichtspunkt Cap Negre liegt einem das Paradies zu Füßen.

Jávea, Stadt zwischen zwei steilen Kaps mit Leuchttürmen

Jávea in Spanien ist nicht nur wegen der Aussicht eine Reise wert. Die Altstadt bietet Sehenswürdigkeiten wie die 500 Jahre alte Wehrkirche und man kann in den weißen Gässchen shoppen und etwas trinken oder essen. Im Arenalviertel mit dem langen Sandstrand und der belebten Promenade setzt die Stadt auf Tourismus. Und es ist ein beliebtes Ausgehviertel. Im Hafenviertel können Reisende die authentischen Spanier kennenlernen, Fischer, plauschfreudige Ladeninhaber und Restaurants in Familienbetrieb. Außerdem punktet Jávea mit viel Grün und versteckten Buchten.

Rubriklistenbild: © Rathaus Jávea

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