menschen mit hunden stehen an einem felsigen strand bei torrevieja
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Umstrittener Strandabschnitt unweit Lo Ferrís am geschützten Palmeral von Torrevieja. Da der Hundestrand unbenutzbar scheint, weichen Hundebesitzer ins geschützte Gebiet aus.

Urlaub in Alicante

Torrevieja, Orihuela, Pilar: Lage an den Stränden im Süden der Costa Blanca

  • vonMarco Schicker
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Überfüllte Strände in Torrevieja ohne Strandbars und Liegen, Frust am Hundestrand, der keiner ist, eine giftige Qualle in La Mata, wenig Kultur in Orihuela Costa, Fake News über La Marina, Markt und Lärm in Pilar und Verzug in Elche. Ein Rundblick über die Strände im Süden der Costa Blanca.

  • Torreviejas Strände teilweise schon am Limit, aber ohne Liegen, Schirme und Chiringuitos.
  • Streit um Hundestrand in Torrevieja, erste Giftqualle gesichtet.
  • Konzerte in Orihuela Costa, Sommermarkt in Pilar de la Horadada.

UPDATE, 2. August: Neue Nachrichten von den Stränden in Torrevieja und im Süden der Costa Blanca.

Update, 24. Juli, 14.15 Uhr: Die neuesten Nachrichten, Tipps, Warnungen, Klatsch und Tratsch gibt´s in unserem aktuellen Newsticker von den Stränden in Torrevieja, Guardamar & Co.

Mehrere Menschen an Stränden in Torrevieja und Elche ertrunken

Update, 15. Juli, 16.15 Uhr: Mehrere Tote an Stränden von Torrevieja: Rote Flaggen ignoriert und ertrunken. Drei Männer ertranken diese Woche bereits am Strand von La Mata in Torrevieja und in Elche, vier weitere Menschen kamen ins Krankenhaus, darunter auch ein Polizist, der seinen Rettungseinsatz fast mit dem Leben bezahlte. Urlauber ignorierten Rote Flaggen.

Update, 13. Juli, 11.20 Uhr: Am Freitagabend ist ein 60-jähriger Urlauber aus Deutschland im Meer vor dem Strand von La Mata in Torrevieja ertrunken. Gegen 21.00 Uhr - also außerhalb der Dienstzeit der Rettungsschwimmer bis 19 Uhr - hörte ein Guardia Civil außer Dienst die Hilferufe des Mannes, der versuchte, seine in Not geratene Frau aus dem Wasser zu retten. Der Polizist stürzte sich in die Wellen und konnte die Frau lebend an Land bringen, doch für den Mann kam trotz Wiederbelebungsversuchen durch schnell vor Ort erscheinende porfessionelle Hilfskräfte jede Hilfe zu spät. Die 58-jährige Ehefrau kam zur Behandlung ins Krankenhaus Torrevieja. Der Mann ist bereits das dritte Todesopfer unter Badegästen in Torrevieja in der noch kurzen Saison.

Über den Stränden von La Mata in Torrevieja sowie die Cala Piteras weht heute, Montag, 13. Juli, die Rote Flagge. Das heißt: Die Strände sind geschlossen, es herrscht absolutes Badeverbot. Grund sind die starken Levante-Winde, die die Brandung an dem offen gen Osten gewandten Strand unberechenbar und sehr gefährlich machen.

Erstmeldung 11. Juli / Torrevieja – Anfang Juli gerieten die Strände in Torrevieja, wie Playa del Cura und Playa de Los Locos sowie Playa del Acequión und die Piscinas naturales an der Promenade erstmals an ihre Kapazitätsgrenzen. Anders als Benidorm ist Torrevieja, um voll zu werden, nicht von der „Luftbrücke“ mit Großbritannien abhängig, die erst dieser Tage wieder startet, wenn die großen Airlines die Verbindungen mit Spaniens Mittelmeerküsten in großem Stile wieder aufnehmen.

Eduardo Dolón, Bürgermeister von Torrevieja posiert neben einem Papp-Matrosen am „schwimmenden Museum“ in Torrevieja, das Mitte Juli 2020 wieder öffnet.

Die im Sand mit Plastikbändern gelegten Planquadrate waren mit Badegästen be- und überfüllt, die Strandhelfer mussten den zeitweise Zugang sperren, um die Einhaltung der Abstands- und anderen Strandregeln in Torrevieja zu gewährleisten. So bildeten sich erste Warteschlangen, wobei viele Badegäste sich lieber zu den weitläufigen Dünenstränden von Guardamar oder nach Orihuela Costa aufmachten, anstatt länger in der prallen Sonne zu stehen.

Strände in Torrevieja: Ohne Strandliegen und Chiringuitos

Die Badegäste in Torrevieja müssen zudem wieder einmal ohne Strandliegen sowie ohne Chiringuitos auskommen. Aufgrund der Unwägbarkeiten der Coronavirus-Krise hatte die Stadt die Lizenzen dafür in diesem Jahr zu spät ausgeschrieben. Allerdings braucht es keinen tödlichen Virus, um die Administration in Verzug zu bringen: Fehlende Strandliegen und Sonnenschirme, keine oder verspätete Lizenzen für Wassersportgeräte und -gefährte wie Stehpaddel oder Tretboote sowie Verzögerungen beim Start der Kioske und Chrininguitos, kennen die Torrevejenser schon aus den Vorjahren. Man improvisert, bringt sich das Strandgestühl und den Picknick-Kühlkorb selbst mit.

Ausgeschrieben sind die elf Chiringuitos und Kioske entlang der Strände von Torrevieja jetzt für vier Jahre, darunter allein sieben Buden entlang von La Mata. "Vor Ende des Monats" heißt es kleinlaut aus dem Rathaus, also wenn die Hälfte der Hochsaison vorbei ist, werden sie kaum öffnen können. Immerhin 23 Betreiberunternehmen hätten sich beworben, 7.000 bis 9.000 Euro Jahrespacht werden fällig, - egal wie das Geschäft läuft.

Von Torrevieja bis Orihuela Costa: Polizei und Guardia Civil am Anschlag

Nicht nur an den Stränden Torreviejas bildeten sich Schlangen, sondern auch auch an der Kommandantur der Guardia Civil in Torrevieja: Einbrüche in Autos und Appartements, Taschendiebstähle auf dem Wochenmarkt, im Lokal und auch am Strand steigen mit Beginn der Hochsaison - auch das schon traditionell - wieder an. Die Ortspolizei ist chronisch unterbesetzt und die Guardia Civil muss die Gegend bis Orihuela Costa und San Miguel mit abdecken.

Der zweifelhafte Vintage-Charme des Rummels in Torrevieja, zwischen Hippie-Markt und Fischereihafen. Die Feria de attraciones ist wieder geöffent.

Erste giftige Qualle der Saison an der Costa Blanca: „Portugiesische Galeere“ in La Mata gesichtet

Ein gänzlich ungebetener Gast am Strand hat sich indes schon eingefunden. Der Fund der ersten Giftqualle, carabela portuguesa, „Portugiesische Galeere“ am Strand in La Mata de Torrevieja lässt an allen Stränden der Costa Blanca die Alarmglocken schrillen. Die kleinen blasenartigen Geschöpfe haben lange, dünne Greifarme, der Kontakt damit löst gefährliche Verbrennungen an der Haut aus und muss ärztlich behandelt werden. Im Sommer 2018 mussten etliche Strände der Provinz Alicante wegen einer Quallenplage geschlossen werden. Die Strandwächter halten daher die Augen offen. Nicht alle Quallen sind indes gefährlich, manche sogar sehr schön, wie ein Blick ins Ozeanographische Museum in Valencia beweist.

Ärger mit den Vierbeinern: Geschütze Bucht von Torrevieja wird zum Hundeklo, weil offizieller Hundestrand "unbenutzbar" ist

Viel Ärger gibt es derzeit an der idyllischen Bucht des Palmerals Lo Ferrís ganz im Süden von Torrevieja, die mittlerweile gänzlich von Hundebesitzern und deren Vierbeinern in Beschlag genommen worden ist. Das ist zwar illegal, aber verständlich, denn der daneben liegende Abschnitt ist für diesen Zweck ungeeignet, auch wenn Bürgermeister Eduardo Dolón in Trumpscher Relativierung meinte, die 1.600 Quadratmeter glitischiger Felsen am Stadtrand seien "viel besser", als die 12.000 Quadratmeter an den beiden zentralen Calas zuvor, die er schließen ließ.

Anstatt sich des Problems des Hundestrandes in Torrevieja anzunehmen, sandte die Stadtregierung ein Rundschreiben aus, in dem sie die Oppositionspartei Sueña Torrevieja heftig beschimpfte, weil die schlicht erklärte, warum die Verlegung des Hundestrandes ein fachlicher und politischer Fehler des Bürgermeisters Eduardo Dolón war. Die Partei würde „dem schlechtesten Bürgermeister, den die Stadt je hatte“, (gemeint José Manuel Dolón von den Grünen) nachweinen.

Eine steile These, wenn man bedenkt, dass die PP selbst schon Bürgermeister fabriziert hatte, die ihre Legislaturperiode im Gefängnis beendeten. Für den Hundestrand dürfte es sobald keine akzeptable Lösung geben, Lo Ferrís ist Schutzgebiet und auch der angrenzende Bereich, darf, so die Umweltschützer, vier Monate im Jahr gar nicht benutzt werden, damit die Natur dort ihre Ruhe bekommt. Dass der Palmeral nun als Hundestrand und -klo benutzt wird, hat keine Reaktion der Stadtregierung hervorgerufen.

Zwergpalmen, Yucca-Palmen und Washington-Palmen werden an der Promenade von La Mata in Torrevieja gepflanzt. Abschluss der langwierigen Renovierung entlang des Strandes.

Orihuela Costa: Wenig Strandhelfer, dafür mehr Musik

Auch in Orihuela Costa gibt es die jährlichen Klagen, hier geht es wieder einmal um die Müllabfuhr, die im Küstenbezirk nicht hinterherkomme. Weitere Sorgen der Anwohner: Die Stadt hätte zu wenig Strandhelfer engagiert, so müssten die 24 vom Land Valencia zugeteilten alle elf Strände überwachen, während Nachbar Torrevieja 150 eigene Leute eingestellt habe. Und: Für den Küstenbezirk mit mindestens 60.000 Einwohnern und noch mehr Besuchern stehe nur ein Rettungswagen in unmittelbarer Nähe zur Verfügung. Das seit einem Jahrzehnt als Skelett herumstehende Notfallzentrum wird Ende des Jahres fertig, wie der Flughafen BER also.

Dafür bietet Orihuela den Urlaubern Kultur: Vom 22. Juli bis 19. August kann man am Strand Playa Flamenca von Orihuela Costa Opernvorstellungen aus dem Teatro Real de Madrid begleitet vom sanften Rauschen des Meeres genießen. Jeden Mittwoch ab 20.30 Uhr wird auf einer Großleinwand eine der Top-Produktionen aus der Hauptstadt gezeigt, darunter: Tosca (22.7), La Bohème (29.7.), La Traviata (5.8.), Madame Butterfly (12.8.) und Aida (19.8.). Der Eintritt ist frei. An Sonntagen gibt es - ebenfalls je 20.30 Uhr - zudem kleine Strandkonzerte. Am 26. Juli und 9. August tritt der Coro Ginés Pérez de la Parra, am 2. und 16. August das Trio Moon (Klavier, Horn und Sopran).

Business vor Lärmschutz in Pilar de la Horadada - Sommermarkt wieder offen

Etwas weniger Musik, nämlich Beschallung aus den Lautsprecherboxen, wünschen sich hingegen die Anwohner von Torre de la Horadada, dem Küstenbezirk von Pilar ganz im Süden der Provinz Alicante und fast schon an der Costa Cálida. Der PP-Stadtrat hatte dort im Sinne der Gastronomen kurzerhand die Lärmschutzverordnung außer Kraft gesetzt, die Dezibel-Grenzen für die Bars und Clubs in Torre festlegt. Die Opposition kritisiert das, denn viele Touristen kämen vor allem zur "Entspannung" hierher und nicht zum Partymachen.

Party hätten gern auch die Gastronomen Torreviejas auf ihren Terrassen, daher beantragten Dutzende die Sperrung von 13 Straßen der Innenstadt, um dort Terrassen aufbauen zu können. Der Sicherheitsstadtrat prüft, die Anwohner zittern, um ihre Nachtruhe und um ihre Parkplätze.

Immerhin, der beliebte sommerliche Wochenmarkt im Küstenbezirk Torre de la Horadada, ist seit Mittwoch wieder geöffnet. 135 Stände haben die Genehmigung bekommen, mittwochs von 17 bis 21 Uhr zwischen der Avenida Costa Blanca, dem Parque Antonio Gálvez sowie in den Straßen Corbeta, Salzillo und Los Ángeles ihre Waren anzubieten, einschließlich der Straßenküchen.

La Marina steht nicht unter Quarantäne - Chiringuitos in Elche mit Verspätung

„Nein, unsere Urbanisation La Marina steht nicht unter Quarantäne“. Zu dieser Richtigstellung sah sich das zuständige Rathaus in San Fulgencio genötigt, nachdem einige Boulevardblätter in Großbritannien falschen Alarm geschlagen hatten. Die übersetzten den Ort A Mariña in der Provinz Lugo in Galicien, der tatsächlich wegen eines Coronavirus-Herdes abgeriegelt wurde, mit „La Marina“ in Alicante und verunsicherten damit viele potentielle Urlauber. "Unsere Urbi und die Strände sind vorbereitet und sichert", so das Rathaus in einer Aussendung.

Noch bis "Mitte Juli" müssen hingegen die Strände von Elche auf die Eröffnung der Chiringuitos warten, auch hier hatte die Stadtverwaltung zu spät mit der Erteilung der Betriebsgenehmigungen begonnen, denn keiner wusste noch vor wenigen Wochen so genau, wo die Reise mit dem Coronavirus hingeht - oder ob jemand herkommt.

Übrigens: Die Fahrten in die Salinen von Torrevieja sind wieder möglich und die blaue Lagune von La Mata bietet Abendführungen an.

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