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Sahraui aus Benitachell gegen die Wende in Spaniens Marokko-Politik

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Von: Susanne Eckert

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Der Sahraui Omar Salama
Der Sahraui Omar Salama lebt in Benitachell. © Susanne Eckert

Omar Salama aus Benitachell ist gegen die Wende in Spaniens Marokko-Politik. Die Westsahara müsse ein Selbstbestimmungsrecht erhalten. 

Benitachell - Spanien und Marokko haben ihre Differenzen überwunden. Mit einem historischen Kurswechsel erkennt Ministerpräsident Pedro Sánchez die Autonomie-Lösung für die Westsahara an und opfert damit die Unabhängigkeits-Bestrebungen der Sahrauis. Omar Salama ist Sahraui und lebt seit fast zehn Jahren in Benitachell an der Costa Blanca. Was hält er von der Wendung? „Ich bin sehr überrascht“, sagt er. „Die spanische Zivilbevölkerung steht an unserer Seite, es gibt viele Vereine und Familien, die uns unterstützen. Und jetzt macht die Regierung so etwas.“ Die spanische Regierung habe immer auf der Linie der Vereinten Nationen gelegen, die ein Selbstbestimmungs-Recht für die Sahrauis fordern.

GemeindeBenitachell
ProvinzAlicante
Autonome RegionValencia
KüstenabschnittCosta Blanca

Spaniens Wende in der Westsahara-Politik: Sahraui Omar Salama aus Benitachell fordert Selbstbestimmung

Was wollen die Sahrauis konkret? „Wir möchten selbst in einem Referendum über unsere Zukunft entscheiden“, sagt Omar Salama. „Das wäre die korrekte Lösung.“ Marokko biete ihnen an, dass die Westsahara eine autonome Region Marokkos werden könne und die Sahrauis dorthin zurückkehren dürfen. „Du darfst in dein Land zurück, aber ab sofort bestimme ich dort“, fasst Omar Salama das zusammen. „Das wollen wir nicht. Das würde ja legitimieren, dass man uns vor fast 50 Jahren das Land einfach weggenommen hat.“ Niemand wolle einen Krieg. „Aber Marokko muss auf diplomatischem Weg überzeugt werden, dass wir mit einem Referendum über unsere Zukunft selbst entscheiden, und dafür müssen alle Länder zusammenstehe.“ Es enttäusche ihn, dass Spanien jetzt ausschert.

Spaniens Kurswechsel in Marokko-Politik: Enttäuschung wegen besonderem Band zur Westsahara

Gerade von diesem Land hätten die Sahrauis das nicht erwartet, denn die Westsahara verbindet mit Spanien ein besonderes Band. „Spanien war der Kolonialherr, die Sahara war die Provinz Nummer 53 Spaniens“, sagt er. „Das Land wollte beim Abzug, dass wir selbst über unsere Zukunft bestimmen. Doch dann marschierte Marokko 1976 in der Westsahara ein, denn dort steht die größte Phosphatmine der Welt, und es gibt reiche Fischbänke. Und wir mussten fliehen.“ Rund 175.000 Sahrauis leben seitdem auf algerischem Gebiet in einer extrem unwirtlichen Sandwüste in einem Flüchtlingslager aus Zelten und Lehmhütten. „Wir hängen völlig von der humanitären Hilfe ab, ohne die wir Hunger leiden würden“, sagt Omar Salama. „Früher waren die meisten Sahrauis Nomaden, doch dort kann man kein Vieh halten. Man kann auch keinen Ackerbau betreiben und es gibt weder Fabriken noch andere Firmen, wo man Arbeit fände.“ Die Sahrauis seien jetzt schon seit fast 50 Jahren Vertriebene. „Ich und unzählige andere wurden schon in diesem Lager geboren.“

Sahrauis in Benitachell: Omar Salama aus der Westsahara bleibt bei Gastfamilie

Omar Salama kam 1994 mit neun Jahren im Rahmen des Hilfsprogramms „Ferien im Frieden“ aus dem Flüchtlingslager in der Westsahara nach Benitachell. Seine ersten Erinnerungen beziehen sich aber weder auf die schöne, grüne Landschaft am Meer, noch auf das gute spanische Essen. „Ich erinnere mich, dass wir mit dem Flugzeug nach Alicante kamen und dann weiter mit dem Bus nach Dénia fuhren“, sagt er. „Dort standen wir Sahraui-Kinder dann auf einer Seite, die Familien auf der anderen.“ Dieser bange Moment war nicht der einzige. „Ich kam aus der Sandwüste, einem sehr unwirtlichen Ort. Da gab es nichts, hier gab es alles“, versucht er seine Gefühle zu erklären. „Aber als Kind sieht man das nicht so. Ich vermisste die gewohnte Umgebung, meine Familie. Es war alles total anders, ich kannte niemanden und war zunächst sehr traurig.“ Erst nach und nach habe er sich eingewöhnt. In den zwei folgenden Sommern 1995 und 1996 kam Omar Salama zurück, langsam wurde die Familie, die ihn aufnahm, zu einer zweiten Familie für ihn. „Seit 2003 lebe ich fest in Benitachell. Ich bin jetzt verheiratet und habe eine Tochter, doch ich wohne immer noch bei meiner Gastfamilie“, sagt er.

Omar Salama versichert, dass er nicht politisch engagiert sei. Die Westsahara bedeute ihm aber viel, er informiere sich, unterstütze seine Familie im Flüchtlingslager und helfe auch als Freiwilliger bei Aktionen eines Hilfs-Vereins für seine Heimat mit.

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