Torreviejas Ex-Bürgermeister Hernández Mateo
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Torreviejas Ex-Bürgermeister Hernández Mateo erhielt den Stadtpreis. Er ist vorbestraft.

Stadtpreis Torrevieja

Stadtpreis Torrevieja: Höchste Ehrung für einen Vorbestraften

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Ein wegen Amtsmissbrauch zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilter Ex-Bürgermeister von Torrevieja wird für seine „Verdienste“ mit dem Stadtpreis 2021 geehrt. Die Opposition sieht darin eine „Reinwaschung von Korruption“, der aktuelle Bürgermeister kein Problem.

Torrevieja – Gewinnt in Torrevieja die Korruption? Diese Frage stellen die Grünen der Stadt in Reaktion auf die Verleihung des höchsten Stadtpreises „Premio Diego Ramírez Pastor“ an den früheren Bürgermeister Pedro Hernández Mateo. Der 73-jährige war von 1988 bis 2011 Bürgermeister Torreviejas für die Volkspartei (PP), wurde aber vor allem berühmt für eine dreijährige Haftstrafe, die er 2013 wegen Manipulation einer Ausschreibung zur Vergabe eines millionenschweren Vertrages für Müllbeseitigung in Torrevieja erhielt. Er hatte laut Urteil illegal Informationen über die Ausschreibung weitergegeben, um dem von ihm favorisierten Unternehmen den Zuschlag zu ermöglichen.

Stadtpreis Torrevieja: Benannt nach einem Journalisten aus der Franco-Diktatur

Der Stadtpreis, der seit 1970 vergeben wird, ist für Personen gedacht, die „maßgebliche Leistungen zu Gunsten der Stadt erbracht“ haben. Verliehen werden soll die Ehrung erstmals bei einer Gala im Stadttheater, früher lud dazu der Bürgermeister lediglich zu einem Essen im kleinen Kreis ein. Der Preis selbst ist umweht vom faulen Geruch der Geschichte, denn Diego Ramírez Pastor war Mitgründer des Franquisten-Blattes „El Alcázar“ und Präsident der Pressevereinigung von Barcelona während der Franco-Diktatur. Dabei hätte Torrevieja eine ganze Reihe würdigerer Stadtkinder als Namensgeber für den höchsten Preis der Stadt. Wie Joaquín Chapapietra, der es sogar zum Regierungschef Spaniens schaffte.

Torreviejas Bürgermeister Eduardo Dolón und König, Spaniens Staatsoberhaupt Felipe VI. im Hintergrund...

Die Preisträger werden von einem Gremium früherer Preisträger in geschlossener Sitzung bestimmt. Der Stifter des Preises, der heutige Bürgermeister Eduardo Dolón (PP), war bei der diesjährigen Sitzung dabei, auch wenn er selbst nicht abstimmt. Er gab die Nominierung seines wegen Amtsmissbrauchs vorbestraften Amtsvorgängers über eine Pressemitteilung selbst bekannt. Ebenfalls ausgezeichnet wird in diesem Jahr der Verein Apanee, ein Zusammenschluss von Eltern von Kindern mit Lernschwächen.

Millionenteure Misswirtschaft: Torreviejas Ex-Bürgermeister und seine "Projekte"

Die Grünen beklagen nicht nur „die Reinwaschung von Korruption“ durch die Preisverleihung, sondern erinnern auch an die „millionenteure Misswirtschaft“ unter Hernández Mateo, der „gigantische Projekte anstieß, die nie fertig wurden“ oder lange leer standen und Zusatzkosten verursachten, wie das Schlamm-Spa an der Lagune, das Stadttheater, das Marktgebäude La Plasa und auch die Küstenpromenade.

Alles Beispiele für Verschwendung und Umleitung öffentlicher Gelder in private Hände. Durch den Preis wird „Günstlingswirtschaft nicht nur toleriert, verziehen und gestattet, man applaudiert sich noch dafür: Es lebe die Korruption!“, so die Grünen. Die PSOE merkt an, dass nach einer „Erklärung“ des Landesparlamentes Valencia, dem auch die dortigen PP-Abgeordneten zugestimmt hätten, öffentliche Preise nicht an verurteilte Ex-Amtsträger vergeben werden sollen.

Nachsatz: Das Müllunternehmen, das damals Hernández Mateo in die Bredouille und ins Gefängnis brachte, ist übrigens noch immer die für den Müll verantwortliche Firma in Torrevieja. Eduardo Dolón versuchte durch administrative Winkelzüge, die bereits wieder Gerichte beschäftigten, den wirklichen Sieger einer aktuellen Neuausschreibung nicht zum Zuge kommen zu lassen, - behauptet die betroffene Firma. Eine Bewerbung für den Stadtpreis oder gar für mehr?

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