Umstrittene Hilfen für Stierkämpfe

Corona-Schonfrist für Stierzüchter? Branche verlangt Ersatz für ausgefallene Stierkämpfe

  • vonStella Kirchner
    schließen

Stierzüchter verlangen Hilfen nach Coronaausfällen, daraufhin überweist die Provinz Valencia 170.000 Euro. Die Spanier sind mehrheitlich gegen Stierkämpfe. 

  • Valencias Stierzüchter verlieren laut einer Studie der Uni Valencia 148 Millionen Euro durch abgesagte Stierkämpfe und Treiben.
  • Die Mehrheit der Spanier lehnt Veranstaltungen mit Stieren ab.
  • Die Provinz Valencia hat eine Subvention an die Stierzüchter gezahlt, damit die Tiere am Leben bleiben können.

Valencia – „Der Diskriminierung durch die Regierungskoalition fallen unsere Familien und hunderte Stiere zum Opfer“, plakatierte die Landesvereinigung der Ganaderos de Bous al Carrer, der Stierzüchter, Anfang August in der Landeshauptstadt Valencia, wo sie gemeinsam mit anderen Bauernverbänden protestierte. Damit gemeint sind die Ausfälle der Stierkämpfe an der Costa Blanca und in ganz Spanien während des Coronavirus-Notstandes. Die Branche droht zudem, aus Geldmangel die Stiere schlachten zu lassen. Nun hat in dieser Woche mit Valencia die erste Provinzverwaltung den Züchtern nachgegeben und ihnen eine Subvention von 170.000 Euro genehmigt. Die spanische Regierung hat sogar schon im Mai für die Stierkämpfer gezahlt, nachdem sie als „Künstler" eingestuft wurden.

Land ValenciaSpanische autonome Gemeinschaft
LandSpanien
AmtsspracheSpanisch, Valencianisch
Bevölkerung4,975 Millionen (2019) Eurostat
Autonomie seit10. Juli 1982

Stierkampf trotz Corona: Valencia gibt Stierzüchtern Subventionen

Diese Subventionen für Stierzüchter sind aber mit Auflagen verbunden. So dürfen sie das Geld ausschließlich für Futter und Tierarzt bezahlen, erklärtes Ziel sei es, die Stiere zu schützen, so die linke Provinzverwaltung. Ausgefallene Feiern stellen die Landwirte, die die Tiere nicht selten fünf Jahre und länger anfüttern, bevor sie auch nur einmal auf einem Stiertreiben zum Einsatz kommen, auf eine harte Probe.

Die Universität von Valencia hat berechnet, dass die ausgefallenen Jagden, auf Valenciano Bous al Carrer, bei denen Stiere – angestachelt von der Sensationslust von hunderten Menschen – durch die Straßen getrieben werden, ein finanzielles Loch von etwa 148 Millionen Euro im Land Valencia hinterlassen. Die Stierzüchter zahlen für die Aufzucht ihrer Prachtexemplare und den Transport zu den Events im Schnitt 116 Millionen Euro.

Stierkampf in der Kritik: Viel Geld für Tierquälerei

Im Verhältnis dazu erscheinen die 170.000 Euro von der Provinzverwaltung in Valencia – wenn überhaupt – als kleines Trostpflaster. Doch wie gerechtfertigt sind solche Ausgaben für ein so umstrittenes Ereignis generell? Einer repräsentativen Umfrage zufolge, die während der nationalen Wahlen im vergangenen Jahr erstellt wurde, lehnen 56 Prozent der Spanier Veranstaltungen mit Stieren ab, da es sich dabei um Tierquälerei handle. Für Valencia und die Bous al Carrer, bei denen es im Gegensatz zu den Kämpfen in Arenen nicht darum geht, die Tiere zu töten, liegen keine statistischen Daten vor. Doch auch diese Feierlichkeiten sind für Mensch und Tier nicht ganz ungefährlich. Allein im vergangenen Jahr wurden drei Menschen tödlich verletzt.

In Valencia sind vor allem die Stiertreiben, Bous al Carrer, beliebt.

Trotzdem hat die valencianische Landesregierung die Stiere im Dekret 8/2020 in die „neue Normalität“ nach dem Coronavirus integriert. Stierkämpfe in Arenen sind erlaubt, sofern nicht mehr als 50 Prozent der Plätze belegt sind und nicht mehr als 800 Menschen zusehen. Über die Bous al Carrer äußert sich das Dokument nicht, ein Stierverband sagte aber „El Mundo“, die Treiben seien bereits seit Ende Juli erlaubt. Stattgefunden hat aber noch keine.

Blut und Spiele: Die Plaza de Toros in Alicante und der Stierkampf in Spanien. Zukunft ohne Tierquälerei?

Rubriklistenbild: © Ángel García

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare