Ein Mann geht auf der menschenleeren Straße Via Laietana mit Tüten in der Hand. Zur Eindämmung des Coronavirus will die spanische Regierung den Notstand und die strikte Ausgangssperre im ganzen Land um weitere zwei Wochen bis zum 26. April verlängern. Foto: dpa

Die Tendenz macht Hoffnung

- Zahl der Infizierten: 130.759, Zahl der Toten: 12.418, Zahl der Gesundgeschriebenen: 38.080 - Die...

- Zahl der Infizierten: 130.759, Zahl der Toten: 12.418, Zahl der Gesundgeschriebenen: 38.080 - Die Virulenz der Pandemie verlangsamt sich: Anstieg der Angesteckte liegt bei 5 Prozent, Zahl der Toten sinkt unter 800-Grenze auf 674 -58.744 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern, 6.871 auf Intensivstationen Madrid - sk. Die jüngsten Zahlen des Gesundheitsministeriums von Sonntagvormittag geben weiter Anlass zu Hoffnung, dass Spanien sich auf dem richtigen Weg befindet. Das Land hat zwar 674 Tote in 24 Stunden zu beklagen, aber 135 weniger als am Vortag, und es ist die niedrigste Zahl seit zehn Tagen. Die Zahl der Neuinfizierten wächst mit 6.023 langsamer als gewohnt. Die Gesamtzahl der Angesteckten beläuft sich nun auf 130.759, was einer Ansteckungsrate von fünf Prozent entspricht. Derzeit müssen 58.744 in Krankenhäusern versorgt werden, 6.871 auf Intensivstationen. Die Ausgehbeschränkungen bleiben wohl bis Ende April bestehen. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte eine Verlängerung des Notstands bis 26. April an. Dieses Dekret sieht nahezu eine Quarantäne in den eigenen vier Wänden vor und beschränkt das Verlassen des Hauses auf die bekannten Ausnahmen wie Einkäufe im Supermarkt und Fahrten zur Arbeit, Arzt oder Apotheke – und das in der Regel allein. Daran ändert sich nach bisherigen Stand erst einmal nichts. Die erste Lockerung tritt am 11. April in Kraft. Nach Ostern läuft das am 30 März in Kraft getretene, weitreichende Arbeitsverbot aus. Dies muss nach bisherigen Stand der Pandemie nicht verlängert werden. Das wird ein erster Schritt Richtung Normalität sein, auch wenn Spanien damit nur in den “normalen” Notstand vom 14. März zurückkehrt. Immerhin aber können Industrie, Bauwirtschaft sowie alle diejenigen Sektoren, die keine systemrelevanten Tätigkeit zugeschrieben wird, die Arbeit wieder aufnehmen. Wann aber dürfen die Kinder wiedermal auf die Straße oder Leute mal einen wenn auch kurzen Spaziergang machen? Diese Frage brennt vielen auf der Zunge, aber die Regierung hat bisher kein Datum genannt und bis dahin bleibt der 26. April erstmal Stichtag. Wohl hat Madrid in den vergangenen Tagen immer wieder durchblicken lassen, dass man bald wieder Sport machen und raus vor die Tür kann – wenn auch erstmal allein. Gesundheitsminister Salvador Illa sagte bereits, die Regierung prüfe das. Die Gesellschaft für Epidemiologie führt Spaziergänge auch als eine der ersten Maßnahmen zur Lockerung des Notstand auf, wenn auch allein und nur über eine kurze Distanz. Die Tendenz stimmt zwar, aber bisher geben die Zahlen noch nicht her. Die Pandemie befindet sich in der Hochphase. Hoffnung besteht aber, dass diese Woche eine Wende eintritt. Nicht nur die Isolierung, auch die Ausdehnung der Ausgangssperre auf die Fahrten zur Arbeit müssten sich bei den Zahlen der Infizierten und in den Krankenhäusern gegen Ende Ostern eigentlich bemerkbar machen. Die meisten schwer erkrankten Covid-19-Patienten müssen ab dem siebten bis zehnten Tag nach der Ansteckung in Intensivstationen (UCI) behandelt werden. Nur wenn der Druck auf die UCIs endlich nachlässt, kann die Regierung einer Lockerung der Beschränkungen überhaupt in Erwägung ziehen. Die Regierung hat bisher noch keinen Plan für die Rückkehr in die Normalität, auch Experten können keine Anleitung geben. Spaniens führende Zeitung “El País” spricht von “Versuch und Irrtum”, einer Phase, in der man voneinander und von den eigenen Fehlern wie denen der anderen lernt. Diese schrittweise Rückkehr in die Normalität hängt vom Fortschreiten der Epidemie ab. Ganz entscheidend dürfte dabei sein, endlich mit einer gewissen Sicherheit festzustellen zu können, wie viele Menschen in Spanien sich bereits angesteckt und die Krankheit überwunden haben. Wissenschaftler interessiert vor allem der Grad der Immunität. Das Sammeln von Informationen über Covid-19 hängt allerdings von den Tests ab, von vielen Millionen verlässlicher Tests – was derzeit in Spanien und anderen Ländern noch mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. Nach jetzigem Stand erscheint eine generelle Aufhebung der Beschränkungen des Notstanddekrets als sehr unwahrscheinlich. Vieles deutet auf eine schrittweise Lockerung der Beschränkungen und eine strenge Überwachung ihrer Folgen hin, womit der "estado de alarma" das Land auch noch über den 26. April hinaus, vielleicht aber in abgeschwächter Form begleiten wird. Das Risiko eines Wiederaufflammens der Epidemie besteht nämlich durchaus. Auch China öffnete Theater und Kinosäle, nur um sie dann wieder schließen zu müssen. Die Weltgesundheitsorganisation hat angekündigt, in den “nächsten Tagen” ein einige Empfehlungen für die Rückkehr in die Normalität auszugeben. Epidemiologen raten der Madrider Regierung auch davon ab, das Ausgehverbot für alle gleich zu lockern. Ältere Menschen und sogenannte Risikogruppen müssen möglicherweise länger zu Hause bleiben. An die Ausstellung eines sanitären Passiersscheins denken etwa Deutschland und Großbritannien nach. Demnach sollen diejenigen zuerst wieder ins normale Leben zurückkehren können, die eine gewisse Immunität gegen das Coronavirus entwickelt haben. In Spanien liegen auch Pläne über eine räumliche Differenzierung auf dem Tisch, also ein Abriegelung “heiße” Risikogebiete und eine Lockerung der Restriktionen in Gegenden, in denen die Gefahr eines abermaligen Ausbruchs als geringer eingeschätzt wird. Das gilt allerdings als schwer durchführbar- Wie dem auch sei, diese erste Phase der Rückkehr in die Normalität wird abermals das Gesundheitswesen vor große Herausforderungen stellen, da eine strenge räumliche Trennung der Behandlungen von Covid-19-Patienten und normalen Patienten sowie des Personals, das sie behandelt, als unerlässlich gilt. Eine Wiederaufnahme des Schulunterrichts gilt derweil als zunehmend unwahrscheinlich. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber den Mai über halten Experten es noch nicht für ratsam, Veranstaltungen zu erlauben oder Aktivitäten wieder aufzunehmen, bei denen es zu Menschenansammlungen kommen kann. Darunter fällt auch der Schulbetrieb. Die Zulassungsprüfung für die Aufnahme in die Hochschulen, die Selectividad oder Evau, findet in zehn Regionen ohnehin nicht vor Juli statt, die restlichen Regionen erwägen ebenfalls eine Verlegung der Prüfung. Die meisten Universitäten haben den Lehrbetrieb für dieses Semester ohnehin schon abgeschrieben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare