Eine Steintreppe führt vorbei an einem historischen Gebäude hoch in eine Altstadtstraße.
+
Teuladas Altstadt hat auch schöne Stellen - aber nur die wenigsten kennen das Kulturgut.

Vergessene Sehenswürdigkeit

Teuladas Altstadt: Kulturgut in Gefahr statt Attraktion für Tourismus?

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
    schließen

Sehenswerte historische Gebäude auf der einen Seite, Verfall und leerstehende Häuser auf der anderen: Teuladas Altstadt, die 2007 zum Kulturgut (BIC) ernannt wurde, kämpft gegen das Vergessen. Eine Bürgerinitiative will das historische Zentrum retten - was auch einen Tourismus jenseits von Sol y Playa fördern würde.

Teulada-Moraira - Etwas neidisch blickt Antonio Baidal auf das Nachbardorf Benissa. „Da ist Leben in der Altstadt und es gibt Geschäfte“, sagt der Inhaber eines Tante-Emma-Ladens, der seit 60 Jahren Grundnahrungsmittel in Teuladas Altstadt anbietet. Von „Leben“ kann hier, bei ihm vor der Supermarkttür, keine Rede sein, ganz zu schweigen von Tourismus. An diesem Freitagvormittag sind die Straßen in dem Costa-Blanca-Ort leer, nur vereinzelt begegnet man einem verloren wirkenden Fußgänger.

TeuladaGemeinde in Spanien
Fläche32,24 km²
Höhe185 m
Bevölkerung10.722 (2018)
ProvinzProvinz Alicante
Autonome GemeinschaftValencia

Teuladas Altstadt: Kulturgut hat einiges zu bieten

Zwar hat Teuladas Rathaus auch in diesem Sommer Führungen durch die Altstadt angeboten, und auch auf der Tourismusseite des Rathauses gibt es Tipps für einen Spaziergang durch die Altstadt, generell aber werde dieser Teil des Ortes von der Verwaltung vergessen, findet Baidal. Dabei hat Teuladas Altstadt durchaus einiges zu bieten, weshalb sie auch 2007 zum BIC, also zum Kulturgut, erklärt wurde. Und so finden Touristen beim Gang durch die pittoresken Straßen manch ein Gebäude mit Geschichte vor.

Bekanntestes Schmuckstück ist wohl die ursprünglich zum Schutz vor Piraten als Festungskirche gebaute Santa Catalina Martir aus dem 17. bis 18. Jahrhundert. Sehenswert sind auch die Ermita de la Divina Pastora aus der gleichen Zeit, die am Rande der Altstadt gelegene Ermita de San Vicente Ferrer, Station einer eigenen Vicente-Ferrer-Route, oder die 1620 gebaute Sala de Jurats i Justicies an der Plaza dels Porxes. Eine Plaza, an der einst genau das Leben tobte, das Teuladas Altstadt heute, trotz Erklärung zum Kulturgut, fehlt.

Die Sala de Jurats mit ihren markanten Pfeilern war im Laufe der Jahrhunderte Plenarsaal, Handelsbörse oder auch Proberaum der Musikkapelle. Teuladas Vorgängerregierung kündigte kurz vor Regierungswechsel an, hier künftig ein Museum für Heimatgeschichte unterzubringen zu wollen, das so das benachbarte Vicente-Ferrer-Museum ergänzen könnte – eins der wenigen Gebäude der Altstadt, denen in den vergangenen Jahren ein neuer Nutzen gegeben wurde, auch um den Religions-Tourismus anzukurbeln.

Normen rund ums Kulturgut: Teuladas Altstadt braucht Schutz und Anreize

Viele andere Gebäude, vor allem Privathäuser, stehen dagegen leer, einige gammeln vor sich hin, rund 20 stehen zum Verkauf. Auch ein Indiz, dass in Teuladas Altstadt einiges falsch läuft. Immerhin brachte die Vorgängerregierung (Compromís) noch eine Art Spezialplan auf den Weg, im Rahmen dessen eine urbanistische Norm für die Altstadt-Gebäude aufgestellt werden soll – mit flexibleren Baurichtlinien, trotz Berücksichtigung von Original-Architektur und historischem Kulturgut. Sollte der Plan von der neuen Regierung weiterverfolgt werden, besteht vielleicht Hoffnung, dass manch ein Freund restaurationsbedürftiger Dorfhäuser, auch aus einem anderen Teil Spaniens, den Weg nach Teulada findet. Und wer weiß, vielleicht zieht dann auch irgendwann der Tourismus nach - zumal ja der andere Teil der Doppelgemeinde, also Moraira, ein beliebtes Urlauberziel ist.

Wobei Antonio Baidal skeptisch ist. Sein Sohn führt den kleinen Laden mittlerweile in dritter Generation, ob er das noch lange weitermachen will und kann, ist fraglich. Wo kaum jemand wohnt, braucht auch kaum jemand einen Supermarkt. Andererseits: Wo es keinen Supermarkt gibt, wird auch kaum jemand wohnen wollen. Gleiches gilt auch für Fleischer, Bäcker und Bars, die sich, so Baidal, nach und nach aus Teuladas Altstadt zurückgezogen haben. „Sollte sich hier noch was ändern, kommt das zu spät. Früher gab es hier sogar Bank und Post, aber heute findet man hier keinerlei Aktivität mehr“, sagt er achselzuckend.

Da hilft auch kein Kulturgut: Antonio Baidal wartet in seinem Laden in Teuladas Altstadt oft vergeblich auf Kunden.

Bürger kämpfen für Kulturgut: Initiative wie Teuladas Altstadt retten

Ein Zustand, den mittlerweile auch eine eigens für die Wiederbelebung der Altstadt gegründete Bürgerplattform beklagt. Ihr Name ist Programm: „Salvem la Teulada gótica enmurallada“, also „Lasst uns das gotische Teulada innerhalb der Stadtmauer retten“, nennt sie sich und zeigt in den sozialen Medien auf, wie sehr das Kulturgut verkommt. Sie fordert das Rathaus auf, das historische Schmuckstück aufzuwerten und zu schützen, so wie es der BIC-Status verlangt. Mitglieder der Bürgerbewegung sind vor allem Frauen. Viele von ihnen besitzen Häuser in der Altstadt – und haben so den Verfall täglich vor Augen.

Mit Fotos untermauerte Beispiele füllen ihre Facebookseite. Da sind die Strom- und Telefonkabel, die nach wie vor unschön an den Hausfassaden hängen, obwohl der Kulturrat der Region Valencia das Rathaus schon 2007 aufgefordert habe, die Kabel doch endlich unter die Erde verlegen zu lassen. Da sind die Autos, die ungestraft an ungünstigsten Stellen – so auch auf einem der 2018 bei Ausgrabungsarbeiten entdeckten Getreidesilos aus dem 14. Jahrhundert – parken.

„Das Rathaus von Teulada gibt einem Tourismus, in dem nur Baupolitik und Massifizierung Platz haben, Vorrang gegenüber dem Respekt für unsere eigene Vergangenheit und für die Mauern, die uns ihre Geschichten erzählen“, so Salvem, das auch Schmutz und Müll anprangert und ein Informationszentrum fordert. Als Beispiel für gelungene Altstadtgestaltungen an der Costas Blanca, auch in Orten, die kein offizielles Kulturgut sind, nennt die Initiative Städte wie Jávea und Benissa.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare