Tierärzte behandeln eine betäubte Schimpansendame.
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Tierschutz-Stiftungen haben einen Sieg an der Costa Blanca errungen: Schimpansin Suzy kommt in eine Auffangstation.

Belgische Zirkusfamilie stimmt zu

Tierschutz an Costa Blanca: Schimpansin Suzie darf in Auffangstation umziehen

  • Anne Götzinger
    VonAnne Götzinger
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Schimpansin Suzie zieht von einer privaten Finca an der Costa Blanca in eine katalanische Auffangstation um. Jahrelang hatten sich Tierschutzvereine bemüht, eine belgische Zirkusfamilie zu diesem Schritt zu bewegen, um dem Tier eine artgerechte Haltung zu ermöglichen.

El Campello – ann. Die etwa 40 Jahre alte Schimpansin Suzie, die eine belgische Zirkusfamilie seit Jahrzehnten auf einer Finca an der Costa Blanca hielt, kann endlich in eine artgerechte Auffangstation für Primaten umziehen. Nach jahrelangen Bemühungen von Tierschutzvereinen aus ganz Spanien konnte das zuvor betäubte Tier am 17. September in Zusammenarbeit mit der Guardia Civil in die Anlagen der Fundación Mona im katalanischen Girona überführt werden. Die Stiftung nimmt seit über zwei Jahrzehnten Primaten aus privater Gefangenschaft auf und pflegt sie bis zu ihrem Tod.

Suzie war das letzte Tier, das noch auf der privaten Finca in El Campello lebte. Als der Zirkus der belgischen Familie 1995 schließen musste, wurden zunächst einige Tiere – zwei Schimpansen, ein Pavian, ein Mangat, ein Wickelbär, ein Lemur und verschiedene Papageien – auf das Anwesen bei Alicante gebracht. Immer mehr Zoos und Zirkusse sehen sich zur Schließung gezwungen, nicht in allen Fällen kommen Tiere wie Tiger und Löwen dann in artgerechten Auffangstationen unter. Vor fünf Jahren starb Suzies Gefährte, Schimpanse Jimmy, über das Schicksal der anderen Tiere ist nichts bekannt.

Tierschutz an Costa Blanca: Haltung der Schimpansin war nicht illegal

Die Besitzer leben in Belgien und kamen in der Regel nur ein paar Mal im Jahr nach El Campello, um nach dem Rechten zu sehen. Ein Angestellter kümmerte sich um die Versorgung von Suzie und säuberte ihren Käfig. Laut Guardia Civil waren Hygiene- und Lebensbedingungen der Schimpansin in Ordnung, auch sei die private Haltung nicht illegal gewesen, da die Familie die Genehmigung zur Haltung des exotischen Tieres vor Spaniens Beitritt zum Cites-Artenschutzabkommen erworben hatte.

Die Einsamkeit ist die grausamste Form von Tierquälerei für Primaten

Tierschutz-Stiftung Faada

Allerdings lebte die Schimpansin in großer Einsamkeit. Bislang hatte die Familie sich immer geweigert, das Tier in eine Auffangstation abzugeben und ohne die Zustimmung der Besitzer konnten die Behörden nichts unternehmen. Auf Drängen der Tierschutzorganisationen und der Guardia Civil willigte die Tochter nun schließlich doch ein, Suzie einen würdigen Lebensabend zu ermöglichen, wie ihn Auffangstationen wie auch der Safari-Park Aitana ermöglichen. Nach Aussagen der Guardia Civil habe die Belgierin, die sich „dem Tier sehr eng verbunden fühlt“, schweren Herzens von der Schimpansin Abschied genommen.

Schimpansin zieht in Auffangstation um: „Verrückt nach Cherrytomaten und roter Paprika“

Die Stiftung Mona und andere Tierschutzvereine wie Faada und AAP Primadomus hatten sich bereits elf Jahre für die Primaten in El Campello stark gemacht, doch erst jetzt konnten sie die letzte von ihnen aus ihrem traurigen Dasein befreien. „Die Einsamkeit ist die grausamste Form der Tierquälerei für einen Primaten, es ist ein Tier, dessen soziale Strukturen als eine der komplexesten in der Tierwelt anerkannt sind“, schreibt die Stiftung Faada, die angekündigt hat, rechtliche Schritte gegen die Stadt El Campello einzuleiten, deren „Nachlässigkeit“ dazu geführt habe, dass Suzie „ihres Wohlergehens und ihrer Freiheit beraubt worden sei“.

Unterdessen berichtet die Fundación Mona von der Ankunft der Schimpansin in Girona: „Suzie geht es sehr gut. Sie ist ruhig, hat gefressen und ein neues Eckchen bei Mona erkundet. Und obwohl Coco (ein anderer Schimpanse, Anm. d. Red.) sich gerne mit ihr getroffen hätte, wird das wohl noch ein bisschen warten müssen.“ Und: „Sie ist verrückt nach Cherrytomaten und roter Paprika!“

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