Katze schaut aus dem Fenster.
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Ihre Rache wird furchtbar sein: Sieben Katzen wurden von einem Mann in Torrevieja misshandelt. Er erhielt eine Rekord-Geldstrafe.

Tierschutz in Spanien

Torrevieja: Rekordstrafe für Tierquälerei - Tierschutz in Spanien wird ernster genommen

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Polizei und Nachbarn schauten in Torrevieja bei Tierquälerei nicht (mehr) weg. Ein Norweger erhielt jetzt eine fünfstellige Geldbuße, weil er Katzen vom Balkon schmiss und mit Tritten aus dem Haus beförderte.

Torrevieja – Dass die Polizei gegen Tierquäler vorgeht, erscheint so manchem relativ neu in Spanien und vielen nach wie vor nicht ausreichend. Ganz neu aber ist, mit welcher Härte die Beamten heute mitunter Delikte ahnden, die früher als solche von vielen gar nicht wahrgenommen wurden. Ein neues gesellschaftliches Bewußtsein herrscht und nicht zuletzt gibt es auch ein neues Tierschutzgesetz in Spanien, das Haustiere als fühlende Wesen und Familienmitglieder definiert und ihre Quälerei härter bestraft. Beim Stierkampf bleibt Spanien gespalten, bei der Jagd mit Galgo-Hunden, die danach zu tausenden aufgegeben werden und verenden, schauen noch viele weg und gänzlich neu scheint dem Land zu sein, dass man auch über Schinken und das Gehackte für die Fleischbällchen einmal reden muss. Ein Minister, der die industrielle Massentierhaltung in Spanien kritisierte, wurde medial fast gelyncht.

Doch es gibt sichtbare Fortschritte und darauf kommt es an, sowohl bei Behörden im Umgang mit Tierquäerei wie auch bei Zeugen von inakzeptablem und ungesetzlichem Verhalten. Der Delinquent ist diesmal, entgegen landläufiger Vorurteile, kein Einheimischer, sondern ein Norweger, der in Torrevieja lebt. Die Ortspolizei verhängte gegen den Skandinavier die „Rekordstrafe“ von 11.110 Euro für die Misshandlung von sieben Katzen, die der Mann auf die Straße warf.

Tierquälerei in Torrevieja: Mann wirft Katzen vom Balkon - Nachbarn rufen die Polizei

Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zeugen beobachteten am 18. Januar 2022, dass er drei der jungen Tiere mit dem Besen regelrecht vom Balkon des ersten Stockes fegte und eine andere mit Tritten aus der Tür beförderte. Eine weitere Katze stellte er in einer Transportbox vor die Tür und als diese nicht herauskommen wollte, setzte es für sie ebenfalls Tritte. Wie sich herausstellte, gehörten die Tiere einer wenige Tage zuvor verstorbenen Mieterin des norwegischen Wohnungseigentümers. Dieser hatte es eilig, nicht nur alte Möbel illegal vor der Tür zu entsorgen, sondern auch die Haustiere einer „Zwangsräumung“ zu unterziehen.

Dabei hätte ein Anruf bei der örtlichen Tierstation der Stadt genügt, die sich der Tiere umgehend angenommen hätte, ohne irgendwelche finanziellen Lasten für den Hauseigentümer, der ja nicht der Tierhalter war. Die Nachbarn waren „geschockt“, denn die Katzen, gewohnt an ihr Zuhause, kehrten mehrmals zurück und wurden dann immer brutaler von dem Mann vertrieben. Schließlich riefen Anwohner die Polizei, der sie die Vorgänge schilderten und mit einem Video belegten.

Anruf genügt: Tierheim Torrevieja hätte die Katzen einfach abgeholt

Ungepflegte Grünanlagen belegen kein besonderes Umweltbewußtsein in Torrevieja. Warum sollte es bei Tieren dann anders sein?

Darauf war auch zu sehen, dass der Mann Vorbeigehenden, die sein Verhalten kritisierten, grinsend entgegenrief, „die Fallen sowieso auf die Pfoten, das macht schon nichts“. Die Polizei stellte nicht nur den Mann zur Rede, der ganz plötzlich kein Spanisch mehr sprach, sondern begann, zusammen mit den Nachbarn, die Tiere einzusammeln. Fünf der Katzen, die man unter Autos und auf Nachbargrundstücken nach Tagen fangen konnte, warten derzeit auf ihre Sterilisation, sie wurden entwurmt, gechipt, geimpft und können dann adoptiert werden (Albergue municipal de animales Torrevieja, städtisches Tierasyl: Telefon 670 027 853). Die zwei Katzen aber, die der Mann zuerst vom Balkon „fegte“ wurden bis heute nicht gefunden. Bei mehreren wurden zudem Verletzungen am Kopf festgestellt.

Sieben Einzelstrafen, sozusagen für jede Katze eine, kommen nun auf den Mann zu, alle orientieren sich am neuen Tierschutzgesetz und haben „nur“ den Charakter eines Bußgeldes nach örtlichem Sanktionskatalog. Eine Klageerhebung nach nationalem Recht bleibt offen und käme vor allem dann zum Tragen, wenn der Mann das Bußgeld nicht bezahlt oder beeinspruchen sollte. Auch könnten Zeugen oder eine Tierschutzorganisation oder auch die Grünen als Kläger im öffentlichen Interesse in Erscheinung treten. Vielleicht übernimmt die Bestrafung aber das Karma, denn, wie Eingeweihte wissen, beherrschen Katzen nicht nur das Internet, sondern, insgeheim, die ganze Welt.

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