Überlebte Absturz nicht: Pilot Núñez. Foto: Verteidigungsministerium

Tödlicher Sturzflug

San Javier – sg. Am Montagmorgen, 26. August, um 9.38 Uhr ist ein Militärflug vier Kilometer vor der...

San Javier – sg. Am Montagmorgen, 26. August, um 9.38 Uhr ist ein Militärflug vier Kilometer vor der Küste von La Manga auf der Höhe der Strände Galúa und Barco Perdido ins Mittelmeer gestürzt. Der einzige Pilot an Bord kam dabei ums Leben, wie das Verteidigungsministerium in Madrid bestätigte. Der leblose Körper des Luftwaffen-Offiziers Francisco Marín Núñez wurde wenige Stunden später unweit des Wracks geborgen, hieß es. Der Unfall passierte während eines Übungsflugs mit einer Schulmaschine des Typs C-101 Aviojet, die von der berühmten Kunstflugstaffel Patrulla Águila (Adlerpatrouille) zu Trainingszwecken und Vorführungen eingesetzt wird. Die Staffel gehört zur Academia General del Aire (Aga) auf der Luftwaffenbasis in San Javier. Offizier und Ausbilder Francisco Marín Núñez führte einen Sturzflug über dem Meer aus. Als er das Manöver beenden und die Maschine wieder hochbringen wollte, verlor er offenbar die Kontrolle. Der C-101 Aviojet schlug auf dem Wasser auf und explodierte. Besucher an den Stränden auf La Manga wurden Zeugen des Unglücks. Manche filmten mit ihren Handys den Augenblick des Absturzes. Sie berichteten von einem lauten Knall, Wrackteilen im Wasser und am Ufer sowie einem starken Benzingeruch, der sich ausbreitete. Die Strände Monte Blanco, Galúa, Banco del Tabal und El Pedrucho wurden für die Bergungsarbeiten gesperrt. Francisco Marín Núñez war mit insgesamt 3.300 Flugstunden, darunter 1.500 Stunden in einer C-101 ein sehr erfahrener Pilot. Der Afghanistan-Veteran galt als einer der besten Ausbilder und einziger Pilot, der einen umgekehrten Looping fliegen konnte. Im Juli 2016 hatte er für Schlagzeilen gesorgt, als er bei einer Flugschau in San Javier mit dem Rauch seiner Maschinen ein von einem Pfeil durchbohrtes Herz in die Luft zeichnete, um seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Der 43-Jährige hinterlässt eine Frau und einen einjährigen Sohn. Unfallursache noch unklar Ob es sich um einen technischen Fehler oder menschliches Versagen handelte, sei noch nicht erwiesen, sagte der stellvertretende Direktor der Aga, José Maria Alonso, gegenüber der Zeitung „La Verdad“. Zu klären sei unter anderem, ob der Pilot den Mechanismus des Schleudersitzes aktiviert hatte oder nicht. Gewissheit gebe es erst, wenn die Kabine des Kampfflugzeuges mit oder ohne Sitz gefunden werde. Über einen Flugdatenschreiber verfügt die Maschine nicht. Militär-Flugzeuge, Minensuchboote, Marinetaucher, Guardia Civil und die Seenotrettung sind im Einsatz, um die Wrackteile, die sich vermutlich in einer Tiefe von 15 Metern befinden, zu bergen. Das Rathaus von Cartagena rief die Bevölkerung auf, gefundene Reste des abgestützten Flugzeugs den Behörden zu übergeben. Bei den Sucharbeiten kam es am 27. August zu einem Zwischenfall. Die 30-köpfige Besatzung des Minensuchboots „Turia“ mussten das Schiff verlassen, nachdem es mehrere hundert Meter vor La Manga Leck geschlagen war. Die „Turia“ war nach Angaben der Armada vermutlich wegen des starken Levante-Windes und kräftigen Wellenganges auf felsigen Grund gelaufen. Dabei wurde der Rumpf mit einem zehn Meter langen Riss beschädigt. Das havarierte Schiff wurde zunächst stabilisiert und der Treibstoff abgepumpt, um ein Auslaufen zu verhindern. Taucher versuchten, das Leck zu reparieren. Anschließend soll die „Turia“ in den Hafen von Cartagena geschleppt werden. Flugzeug vor dem Ausmustern Nach dem Absturz ist eine Diskussion um die Maschine C-101 aufgekommen. Das Flugzeug befindet sich schon seit 40 Jahren im Einsatz und soll 2021 durch neue Jets ersetzt werden. Dafür hat die Zentralregierung bereits 225 Millionen Euro bewilligt. Dass das Alter der C-101 ein Grund für den Absturz sein könnte, wies Verteidigungsministerin Margarita Robles (PSOE) zurück. Die Ergebnisse der Untersuchungen würden Aufschluss geben, sagte sie. In den 40 Jahren kamen insgesamt 14 Piloten in einer C-101 ums Leben. Am 3. Oktober 1995 stürzte eine Maschine im Mar Menor vor der Isla Grosa ab, nicht weit von der jetzigen Unfallstelle entfernt. Ein Offizier und ein Leutnant kamen ums Leben. Ein kurioser Zwischenfall mit gutem Ausgang ereignete sich mit einer der ersten C-101. Auf einem Übungsflug fiel plötzlich über Mazarrón der Motor aus. Dem Piloten gelang es, die Maschine geschickt im Gleitflug wieder nach San Javier zurückzubringen.

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