Burg und Dorf von Biar in der Provinz von Alicante, Spanien.
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Das Castillo von Biar, eine Ritterburg wie aus dem Bilderbuch im Hinterland von Alicante.

Hinterland Costa Blanca

Steinerne Wächter: Ausstellung in Torrevieja zu Burgen in Alicante

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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Eine Ausstellung des Archäologischen Museums Alicante, Marq, zu den Burgen und Festungen entlang der Costa Blanca, lädt zu einer Zeitreise, aber auch zu eigenen Entdeckungstouren ein. Bis Mai ist die Schau in Torrevieja zu Gast.

Update, 2. April: Am Donnestag, 1. April wurde die Wanderausstellung des MARQ in Torrevieja offiziell eröffnet und ist bis Mai zu sehen. Details zum Besuch am Ende dieses Beitrages.

Erstmeldung, Alicante/Torrevieja - Spanien hat nicht nur die höchste Dichte an Bars, sondern auch an Burgen. Allein in der Provinz Alicante zählt das Marq, das Archäologische Museum, 230 Burgen, Festungen, Wachtürme, Geschützstellungen und andere historische Befestigungen. Nur die Provinz Jaén in Andalusien hat eine höhere Burgendichte. Denn während die Reconquista in der Region Valencia schon Mitte des 13. Jahrhunderts militärisch weitgehend abgeschlossen war, verlief in Jaén noch 250 Jahre länger der Schützengraben vor Granada zwischen den Mauren und den christlichen Eroberern.

Burgen an der Costa Blanca: Ausflüge und Routen zu Festungen der Goten, Mauren, Christen - Ausstellung in Torrevieja

Einen Überblick über diesen reichen historischen Schatz liefert die Wanderausstellung „Steinerne Wächter - Die Burgen von Alicante“, mit der das Marq bereits ein Dutzend Städte der Provinz Alicante beglückt hat. Die Schau kommt jetzt auch endlich nach Torrevieja, wo sie ab Ende März bis in den Mai im Austellungszentrum „Vista Alegre“, unweit des Hafens von Torrevieja, zu sehen sein wird. Ihr Ziel ist nicht nur die Darstellung der Bauarten und der Geschichte all der vielen Burgen, sondern im Grunde ist die Exposition eine Einladung zu einer Reise.

Wachturm in Torre de la Horadada ganz im Süden der Costa Blanca vom Anfang des 17. Jahrhunderts, Baumeister: Antonelli.

Denn entlang von Alicantes Burgen kann man sich durch spektakuläre Landschaften, mittelalterliche Orte und Weingärten auf eine wunderbare Entdeckungstour entlang der Küsten und ins Hinterland der Costa Blanca begeben. Dazu bietet die Schau ein Modell der Provinz Alicante aus dem 3D-Drucker, auf dem die wichtigsten Burgen und Forts aufgestellt sind, QR-Codes an den Ausstellungsstücken führen zu ausführlicheren Informationen und man kann diese auf dem Smartphone gleich für die Planung des nächsten Ausfluges abspeichern.

Burgen in Alicante: Nach den Mauren kamen die Piraten an die Costa Blanca

Das Marq sortiert die Geschichte anhand der steinernen Zeugen: Die Vega Baja spielte bei der muslimischen Eroberung nämlich eine gewisse Außenseiterrolle. Als die Araber mit ihren berberischen Hilfstruppen 711 über die Meerenge von Gibraltar auf die Halbinsel kamen, hatten sie es so eilig ganz Hispanien zu besetzen, dass sie mitunter auch „Ungläubigen“ Verwalterrollen zugestanden. So kam es, dass der maurische Heerführer Abd Al-Aziz mit dem Gotenfürst Teodomiro einen Pakt schloss und ihm 713 die Region an der Mündung des Segura-Flusses unterstellte, die ihm zu Ehren Tudmir genannt wurde.

Die frühesten Burgen entstanden so in Orihuela, Callosa del Segura, Cox und ein System aus Wachtürmen von Cabo Roig über Cabo Cervera bis La Mata. Später, als das Kalifat von Córdoba Mitte des 11. Jahrhunderts zerbrach, gehörte die Vega Baja mal zum Taifa von Murcia, mal zu Balansyia (Valencia) und mal war es sich selbst überlassen. Die meisten maurischen Burgreste, die man heute im Kreis noch erkennen kann, stammen naturgemäß aus der letzten Epoche, jener der radikalen Berberstämme der Almoraviden und Almohaden.

Bruderkriege: Kastilien und Aragón kämpfen in Alicante um die Vorherrschaft an der Costa Blanca

Blick von der oberen Burgmauer des Castillo de Santa Bárbara von Alicante. Das Türmchen ist das beliebteste Fotomotiv.

Mit der Reconquista kehrte aber alles andere als Ruhe in Alicante ein, denn nun balgten sich die Krone von Aragón und die Könige von Kastilien um die Vorherrschaft und just von Alicante Stadt und ihrer Festung, der Burg Santa Bárbara durch das Vinalopó-Tal bis hoch nach Villena an der Grenze zur Mancha zog sich eine ganze Kette von Burgen, die vom 12. bis zum 16. Jahrhundert entstand, oft auf maurischen Gemäuern aufbauten und die ständig die Besitzer wechselten. Die Castillos von Biar, Villena, Sax, Novelda sowie der Alcázar de la Señoría in Elche bezeugen diese Epoche, jede Burg für sich ist einen Ausflug wert.

Ein Hauch Toscana: Baumeister aus Italien für Burgen der Costa Blanca

Die nächste Burgbauwelle kam mit der Reichseinigung und dem Bestreben König Felipe II. sich gegen die Plage der Piratenüberfälle und Geiselnahmen vom Mittelmeer her zu wehren, die sich zu einer regelrechten Industrie enrwickelt hatten. Der König holte dazu vor allem namhafte italienische Baumeister ins Land, die im spanisch regierten Neapel und Sizilien bereits ihre Referenzen errichtet hatten, darunter Vater und Sohn Antonelli (von dem z.B. der Wachturm in Torre de la Horadada stammt), Giorgio Palearo Il Fratino, Giovanni Battista Calvi oder Vespasiano Gonzaga. Diesen verdanken wir vor allem den zweckmäßigen Ausbau und die stilgerechte Modernisierung vorhandener Burgfesten oder den Stadtmauern, wie jener von Villajoiosa, Benidorm, Altea, Calp, Benissa, Jávea und Dénia, allesamt an der Küste der Costa Blanca gelegen.

Schutz vor Piraten: Reste der Burg von Dénia.

Dazwischen bietet Alicante noch eine ganze Reihe von kleineren Festungen und Forts, einige entstanden während der Aufstände der Morisken gegen die Krone von Aragón, die sich in einem Guerilla-Kampf von 1250 bis 1276 hinzogen. So finden wir vor allem im Bergland, unter anderem bei Alcoy, Guadalest, Planes, Perputxent, Xixona oder L’Orxa etliche Befestigungen und Türmchen, sowohl aus christlicher wie muslimischer Hand. Viele dieser Festungen dienten danach Lehnsherren, die, mit königlichem Privileg ausgestattet, die Wiederbesiedlung der oftmals entvölkerten Gegenden in Angriff nahmen.

Dass Spanier gegen Spanier kämpften, hielt sich leider bis tief ins 20. Jahrhundert und so sind auch die Bunker aus dem Spanischen Bürgerkrieg ab 1936 sowohl die militärischen, zum Beispiel am Cap Negret in Altea als auch die Zivilen in der Alicantiner Innenstadt Zeugen der blutigen Geschichte, von der die sonst so idyllisch anmutende Costa Blanca auch zu erzählen weiß.

Guardianes de Piedra. Los Castillos de Alicante, Ausstellung des Marq Alicante in Torrevieja, bis Ende Mai im Sala de Exposiciones Vista Alegre, Calle Concepción, 2, Öffnungszeiten: Mi-Sa, 10 bis 14 und 17 bis 21.30 Uhr, So 10 bis 13.30 Uhr, Telefon: 966 843 710.

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