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Torrevieja: Erste Hochhaus-Ferienwohnungen stehen zum Verkauf - Sorge um beliebten Park

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Von: Marco Schicker

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Hochhaustürme für Torrevieja
Öffentlich eingereichter Entwurf der Hochhaustürme für Torrevieja der Grupo Baraka. © Grupo Baraka

Casanova bürstet Doña Sinforosa zurecht: Der Verkauf der Ferienwohnungen in Torreviejas ersten „Wolkenkratzern“ läuft an, obwohl Genehmigungen noch ausstehen. Anwohner und Opposition wollen den angrenzenden Stadtpark aber nicht einfach aufgeben.

Torrevieja – Es wurde noch kein Spatenstich getan, es liegen ein negatives Gutachten des Küstenamts vor und Klagen in der Luft. Dennoch startet der Verkauf der 270 Ferienwohnungen, die in zwei 26-stöckigen Hochhäusern von je 82 Metern Höhe direkt am Meer an der Playa Acequión in Torrevieja errichtet werden sollen. Dabei kann der Entwickler, Grupo Baraka, sich auf die kritiklose Unterstützung des Bürgermeisters Eduardo Dolón, PP, verlassen, der bereits die Vorgenehmigungsphase durchpeitschte und bald auch Erschließungs- und Baugenehmigung erteilen will, ohne auf Proteste und Sorgen von Anwohnern, Umweltschützern und sogar Ministerien tiefer einzugehen.

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Auch die ursprüngliche Bedingung, wonach die Hälfte der Fläche für Hotels zu nutzen ist, von denen Torrevieja wirklich wenig hat, ließ der Stadtchef unter den Tisch fallen. Der Entwickler deklariert einfach die Hälfte der Wohnungen als „viviendas hoteleras“, hotelartige Wohnungen, verpasst ihnen eine Rezeption und fertig.

Neben der allgemeinen Kritik, dass Hochhäuser à la Benidorm nicht ins Stadtbild Torreviejas passen, die Infrastruktur überfördern würde und Schatten auf den Strand würfen, geht es den Anwohnern vor allem um den beliebten, etwas abgeliebten, charmanten Stadtpark Doña Sinforosa: Treffpunkt für Jung und Alt, dschungelartige grüne Oase in der Zementwüste Torrevieja. Dieser Park, Erbe einer alten Finca, soll im Zuge der Hochhausbauten zwar öffentlich bleiben, aber zurechtgeschnitten, gebürstet, mit Zufahrtswegen und „Bitte nicht betreten“-Rabatten verkaufsgerecht umgestaltet werden.

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Baraka pflegt dafür ein weiter außerhalb liegendes städtisches Grundstück, das ihnen der Bürgermeister überlassen hat, um die gesetzliche Grünflächenquote zu erfüllen. Der Unmut der Bürger über den Eingriff in den öffentlichen, ihren Raum, ist an Spray-Parolen am Bauzaun abzulesen: „Sinfo no se toca“, steht dort und wird schnell wieder abgewaschen. Das Rathaus freut sich auf eine halbe Million Euro Grundsteuer (IBI) zusätzlich im Jahr und hat bereits ein Dutzend weitere Hochhaus-Projekte – alle in Meeresnähe – in der Schublade, unweit der Genehmigungsstempel.

Entwurf einer PArkanlage mit Hochhäusern in Torrevieja
Geht es nach dem Vorprojekt, wird aus dem wilden charmanten Park eine glattgebügelte, „integrierte“ Grünfläche, dominiert von zwei Hochhäusern. © Baraka

Mit: „ein einzigartiges Projekt in Torrevieja“ werden die 270 neuen Wohnungen vom Entwickler rund um den illustren Unternehmer Trinitario Casanova bereits auf 25 Plakatwänden feilgeboten. Die Anlage mit einer Investition von rund 30 Millionen Euro soll bis 2025 bezugsfertig sein. Rund 7.000 Euro, also rund das zehnfache, was man in Torreviejas weltberühmter Torreta-Urbanisation bis dato für die putzigen Bungalows hinblätterte, soll der Quadratmeter in den exklusiven Penthouses kosten, entsprechend gestaffelt nach Lage, Aussicht und Ausstattung dann die anderen „pisos“ etwas weniger.

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Der Entwickler will die skeptischen Anwohner mit „mehr Attraktivität“ für das ganze Viertel locken und verspricht, die grüne Gesamtfläche ihres Parks am Ende sogar vergrößern zu wollen, so „Información“. Etwas, das geogrpahisch und mathematisch gar nicht möglich ist, will Baraka nicht auch noch den Strand umpflügen. Das Dilemma: Eukalyptus-Bäume von bis zu fünf Stockwerken Höhe und große Kiefern würden der zahlungskräftigen Kundschaft den Meerblick verstellen, der aber ist Gold wert.

Der öffentliche Park wird privaten Interessen untergeordnet, Doña Sinforosa von Casanova unterdrückt, ob das den Anwohnern nun gefällt oder nicht. Sie haben an den Wahlurnen einer Partei und einem Bürgermeister die absolute Mehrheit gegeben, von denen stets bekannt war, wo ihre Prioritäten liegen. Jene, die ihn nicht gewählt haben, von PSOE bis zu Nachbarschaftsgruppen, haben weitere Proteste und rechtliche Schritte angekündigt.

Zum Thema: Massenhaft neue Ferienwohungen an der Costa Blanca geplant, 7.500 allein in Torrevieja.

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