Eine Schaufensterpuppe in einem Laden in Spanien trägt eine Schutzmaske gegen Coronavirus.
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Diesem „Mitarbeiter“ eines Souvenirgeschäftes an der Costa Blanca bleibt eine Strafe der Polizei erspart, denn er hält sich an die Maskenpflicht. In Torrevieja wird deswegen jetzt härter durchgegriffen.

Strandreport Torrevieja & Co.

Moby Dick in Torrevieja: News, Tratsch und Tipps von den Stränden im Süden der Costa Blanca

  • vonMarco Schicker
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Von wegen Sommerloch: Römische Amphoren als Deko im Fischgeschäft in Santa Pola, ein Pottwal im Zentrum von Torrevieja, Strafen für Unmaskierte und Rote-Flaggen-Ignoranten an Torreviejas Stränden, Skippertreff auf Regatta, Drogenbande mit eigener Schiffswerft, Schlägerei in Santa Pola, Hobby-Kapitän in Seenot, Burg von Guardamar wieder offen, Ausgrabungen in und ein Tipp für Orihuela.

  • Betreiber einer Fischhandlung in Santa Pola benutzte römische Amphoren als Laden-Deko.
  • Der Kadaver eines Pottwals wurde an die Strandpromenade von Torrevieja gespült.
  • Polizei in Torrevieja setzt Badeverbot und Maskenpflicht jetzt konsequent mit Geldbußen durch.

UPDATE, 2. August: Neue Nachrichten von den Stränden in Torrevieja und im Süden der Costa Blanca.

Torrevieja / Santa Pola - Nachdem unser letzter Strandreport aus Torrevieja und Umgebung von den Lesern geradezu gestürmt wurde, hier der nächste Nachweis, dass es an der Costa Blanca eigentlich kein Sommerloch gibt: 13 römische Amphoren aus dem 1. Jahrhundert, eine Kalksteinplatte mit Inschrift und einen metallenen Schiffsanker aus dem 18. Jahrhundert vermutet man normalerweise im Museum. Doch die Guardia Civil fand die teils 2.000 Jahre alten Artefakte als Deko in einem Fischgeschäft in Santa Pola. Eigentlich waren Beamte der Naturschutz-Einheit Seprona der Guardia Civil auf Routine-Tour, um nach illegalem Fischfang Ausschau zu halten, als ihr Kennerblick die historischen Güter ausmachte.

Santa Pola: 2.000 Jahre alte römische Amphoren als Dekoration im Fischgeschäft

Römische Amphoren aus dem 1. Jahrhundert dienten in Santa Pola (Alicante) in Spanien als Deko in einem Fischgeschäft. Die Polizei hat damit andere Pläne.

Einige der Amphoren enthalten Verzierungen und Inschriften, die von großem historischen Wert sein könnten und wahrscheinlich aus Wracks aus der Mitte des 1. Jahrhundert nach Christus stammen, also womöglich noch Olivenöl aus der Lebenszeit Jesu enthielten.

Der Ladenbesitzer in Santa Pola, der die Stücke dekorativ im ganzen Laden verteilt hatte, gab an, sie über Jahre bei Tauchgängen gefunden zu haben. Die Amphoren und anderen Stücke wurden sachgerecht beschlagnahmt und werden nun analysiert. Dem Ladenbeseitzer droht Ärger, denn archäologische Funde müssen im Land Valencia den Behörden gemeldet und übergeben werden.

Mitten in Torrevieja: Kadaver von Pottwal an Strandpromenade angespült

Den Kadaver eines Pottwals spülte es in Torrevieja an den Strand mitten im Stadtzentrum.

Dem Geruch nach fast so alt könnte der Pottwal sein, dessen Kadaver in "starkem Verwesungszustand" es diese Woche in der Salzstadt anspülte. Und zwar nicht an irgendeinen der Strände von Torrevieja, sondern direkt ins Zentrum der Stadt an die Promenade Juan Aparicio, wo sich die "piscinas naturales" also die kleinen Badebuchten, Geschäfte und Restaurants befinden und am Tag tausende Urlauber flanieren.

Der bestialische Gestank machte einige Spaziergänger aufmerksam, die feststellten, dass er nicht aus den Fritteusen der anliegenden Bars kam, später war der Kadaver des Wals dann gut sichtbar, der in den vorgelagerten Felsen festhing. Eine schauerliche Gaudi für Kinder und Jugendliche und natürlich das Fotomotiv des Tages in Torrevieja. Die Ortspolizei Torrevieja hat am Donnerstag den Abschnitt dann abgesperrt, um wagemutige Schwimmversuche zur Wal-Leiche zu verhindern und dann eine fachgerechte Bergung, die für Freitag, 24. Juli, angesetzt war, zu ermöglichen.

Das Tier, ein Pottwal, auf spanisch cachalote, war ungefähr sechs Meter lang, seine Artgenossen können bis zu 20 Meter lang und 50 Tonnen schwer werden. Die häufigste Todesursache für Wale im Mittelmeer sind übrigens die Vergiftung mit Plastikmüll oder die Kollission mit Schiffen.

4. Fun Trophy des Skippertreff Torrevieja

8 Seemeilen, neun Nationen und 15 Boote bei der 4. Fun Trophy des SKippertreff Torrevieja im Juli 2020.

Mit einem Wal stieß von den Skippern in Torrevieja zum Glück niemand zusammen. Am Samstag,18. Juli, starteten 15 Boote mit Besatzungen aus neun Nationen zur 4. Fun Regatta des Skippertreff Torrevieja. Der Kurs ging vom Hafen Torrevieja nach Cabo Roig an Orihuela Costa und zurück über rund acht Seemeilen. Mit dabei waren Skipper aus Norwegen, Belgien, Österreich, Portugal, Spanien, England, Irland, der Schweiz und Deutschland. Es war ein für alle Segelbootsklassen offenes Rennen, bei dem der Spaß am Segeln im Vordergrund stand.

Drogenbande mit Schiffswerft: Polizei hebt kriminelle Organisation mit Hauptsitz Torrevieja aus

Eine Regatta der anderen Art beendeten Zoll, Nationalpolizei und Guardia Civil in einer Großfahndung gegen einen Drogenhändlerring, der in Alicante und Murcia agierte. 15 Personen wurden dabei Ende vergangener Woche festgenommen. Sieben Schnellboote Marke Eigenbau, dreieinhalb Tonnen Haschisch, zwei Lieferwagen und fünf hochwertige Autos, Waffen, 160 Kanister mit Treibstoff und einiges Bargeld wurden beschlagnahmt.

Die spanische Polizei ließ in Torrevieja und Murcia eine Drogenbande auffliegen, die sich ihre eigenen Schnellboote baute.

Laut Polizeibericht war die Bande so professionell organisiert, dass sie ihr eigene Schiffsbauabteilung hatte. Mit den sogenannten narcolanchas, die oft schneller sind als Polizeiboote, wurden im großen Stil Drogen von der nordafrikanischen Küste nach Spanien gebracht. Als im Februar eines der Boote vor Torrevieja kenterte, mit tonnenweise Drogen an Bord, kam man der Organisation auf die Spur, jetzt hob man den Ring komplett aus, so die Guardia Civil. Die Verhafteten stammen aus Santa Pola, San Vicente del Raspeig, El Campello, La Manga del Mar Menor sowie Murcia. Ihr Umschlaghafen war vor allem Torrevieja und die angrenzenden Küstenabschnitte.

Rote Flaggen in Torrevieja missachtet: Mehrere Geldbußen verhängt

Doch auch die "Kleinriminalität" hält in Torrevieja an: Die Levante-Winde, die den Tod von zwei Badenden in La Mata in den Vorwochen mitverschuldet haben, die zudem Rettungskräfte in Lebensgefahr und vier weitere Menschen ins Krankenhaus brachten, frischten dieser Tage wieder auf. Mehrfach mussten Strände vor allem in La Mata per Roter Flagge gesperrt werden.

Die Ortspolizei Torrevieja geht derweil härter gegen Verstöße dieser Sperrung vor und belegte bereits mehrere Urlauber mit Geldstrafen von mehreren Hundert Euro. Die Strände von La Mata sowie Guardamar, La Marina und Santa Pola sind wegen ihrer Ostlage dem Levante besonders ausgeliefert. Erst am Donnerstag, 23. Juli, wurde wieder ein Mann in höchster Not vor dem Ertrinken gerettet. Er musste im Krankenhaus behandelt werden. Den aktuellen Status der Strände in Torrevieja finden Sie hier.

Mehr Geldstrafen gegen Unmaskierte in Torrevieja

Auch, wer sich nicht an die Maskenpflicht im öffentlichen Raum in Spanien hält, riskiert eine Geldstrafe von 100 Euro. Das bekamen am vergangenen Wochenende 15 Personen in Torrevieja zu spüren, die sich teils nach der Aufforderung durch die Polizei weigerten, die Schutzmaske anzulegen. Die Ortspolizei verzichtete noch auf Anzeigen wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit und Widerstand. Es seien überwiegend englische und deutschsprachige Landsleute gewesen, die sich der Maskenpflicht widersetzt hätten. Die aktuellen Zahlen zum Coronavirus in Spanien sind mehr als eine Empfehlung zum Tragen der zwar lästigen, aber notwendigen Masken. Nicht nur in Katalonien, sondern auch an der Costa Blanca nehmen die Covid-Infektionen wieder zu. Im benachbarten Murcia wurde eine ganze Gemeinde, Totana, wieder in Phase 1 des Deeskalationsplans geschickt. Ersparen Sie sich und uns das für Torrevieja!

Leichtsinniger Hobby-Kapitän in Torrevieja geborgen

Doch der Leichtsinn ist nicht nur bei Badenden und Spaziergängern zu beobachten. Ein 85-jähriger Hobby-Kapitän musste am Montag in der Cala Lo Ferrís im Süden von Torrevieja aus Seenot gerettet werden. Der Mann hatte ein kleines Boot gemietet, für das man keinen gesonderten Bootsführerschein brauchte, war aber mit den Levante-Wellen und -strömungen sichtlich überfordert. In der Bucht stieß das Boot immer wieder gegen die vielen vorgelagerten Felsen und drohte zu kentern. Die Feuerwehr rückte von Land an und vertaute das Boot, um den Leichtmatrosen unversehrt bergen zu können.

Schlägerei mit Knüppel und Taser in Santa Pola

Am Freitag, 17. Juli, musste die Guardia Civil in Santa Pola hart durchgreifen, nachdem sich sieben Personen eine Schlägerei lieferten und Panik unter den Anwohnern verbreiteten. Verhaftet wurden sieben Spanier im Alter zwischen 17 und 45 Jahren, sichergestellt wurden dabei Schlagstöcke aus Holz und Stahl sowie ein E-Taser. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um eine Art Bandenkrieg.

Burg in Guardamar wieder offen

Blick vom Castillo de Guardamar, der alten Burg, auf die Stadt im Süden der Costa Blanca.

Man kann seine Freizeit auch sinnvoller verbringen, als damit, sich zu prügeln: Die Burg von Guardamar ist nach Restaurierung und der Coronaviruspause wieder für Besucher geöffnet. Die Stadt bietet abendliche Führungen an, Termine und Anmeldungen gibt es unter 965 724 488, tagsüber ist der Zutritt frei. Das Castillo de Guardamar geht auf die Zeit der Mauren zurück und wurde während des Taifa de Murcia im frühen 12. Jahrhundert errichtet. Der größte sichtbare Teil stammt aus dem 16. Jahrhundert, als die Burg als Schutz gegen Piraten diente. Also, ok, das waren auch Prügeleien, aber irgendwie mit mehr Stil. Das große Erdbeben in der Vega Baja von 1829 zerstörte große Teile der Festung, die dann notdürftig repariert wurde und zuletzt mit einer Million Euro auf Vordermann gebracht wurde.

Verschüttete Iberer-Siedlung Los Saladares in Orihuela wird zugänglich - Tipp: Archäologiemuseum Orihuela

Ausgrabungen finden in Guardamar übrigens immer noch statt, Besucher können den Archäologen dabei manchmal über die Schulter schauen. Die Archäologen haben auch in Orihuela wieder ein altes, neues Feld zu beackern: 1968 entdeckten Kinder beim Fußballspielen auf einem Feld bei Los Desamparados, einem nördlichen Stadtteil von Orihuela verzierte Scherben, Mauerreste und kleine Werkzeuge. Anfang der 1970er Jahre begannen dort erste Ausgrabungen und man stieß auf eine der ältesten iberischen und voriberischen Siedlungen der Region aus dem 9. bis 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.

Bürgermeister und Stadtarchäologe von Orihuela wollen die verschüttete iberische Ausgrabungsstätte Los Saladares zugänglich machen.

Einige Stücke landeten im archäologischen Museum der Stadt, viele verschwanden aus der provisorischen Lagerbaracke auf dem Feld, das man Los Saladares nennt. Landeten sie auch als Dekoration in Geschäften? Alsbald wurde die Stätte vergessen und durch Schutt begraben. Die Stadt kaufte das Gelände, das trotz der Verwahrlosung zum BIC, also zum geschützten Kulturgut deklariert ist, vor einiger Zeit, – einen Hektar für 54.000 Euro und plant nun, 50 Jahre nach der Entdeckung, die Ausgrabungen wieder aufzunehmen und das Gelände systematisch zu erschließen, zu erforschen und dem Publikum zugänglich zu machen.

Was noch fehlt, sind ein Zeitrahmen und ein Budget, beides ist erst erstellbar, wenn die Experten den Umfang der Siedlung und so auch den Aufwand der Grabungen abschätzen können. Einige Indizien weisen auf eine größere Siedlung aus der Zeit der ersten Ackerbauern. Im Herbst folgt ein Zwischenbericht.

Bis dahin lohnt sich ein Gang ins Archäologie-Museum des Landkreises Vega Baja in Orihuela, das dienstags bis samstags von 10 bis 14 und 17 bis 20 Uhr für eine Zeitreise durch die Jahrhunderte geöffnet ist, im beeindruckenden - und stets kühlen - alten Konvent und Hospital San Juan de Dios, Calle Hospital 3-5 in Orihuela. Garantiert frei von Walkadavern!

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